Mit Chronologie : Wedeler Disco-Großbrand: Die Brandursache bleibt ein Rätsel

Noch steht die Ruine an der Rissener Landstraße in Wedel, die im Mai 2017 ausbrannte.
Noch steht die Ruine an der Rissener Landstraße in Wedel, die im Mai 2017 ausbrannte.

Das Landgericht Itzehoe hat die drei Angeklagten im Wedeler Disco-Prozess freigesprochen.

shz.de von
19. Juni 2018, 17:30 Uhr

Wedel | Das Landgericht Itzehoe hat am Montag die Angeklagten im Prozess um die Wedeler Disco-Brandstiftung freigesprochen. Nach Ansicht des Gerichts gab es keine stichhaltigen Beweise gegen den 37-jährigen Betreiber der Diskothek Moda.

„Es besteht dringender Aufklärungsbedarf. Dies ist aber nicht möglich. Daher beantrage ich Freispruch“, sagte Staatsanwältin Janina Seyfert. „Es liegen keine objektiven Beweise gegen meinen Mandanten vor“, sagte Martin Lemke, einer von drei Verteidigern des Hamburgers bevor am Montag überraschend die Beweisaufnahme beendet wurde.

„Es ist immer ein Problem, wenn der Brandentstehungsbereich nicht mehr klar lokalisierbar ist oder zerstört wurde“, erläuterte Holger Herdejürgen, Brandsachverständiger des Landeskriminalamts (LKA) in Kiel, vor dem Landgericht Itzehoe. Er war im April dieses Jahres, elf Monate nach dem Brand, vom Gericht beauftragt worden, nachdem zwei Versicherungsgutachter bereits nach dem vermeintlichen Brandort in der Diskothek Moda in Wedel gesucht hatten.

Brandermittler sagt aus

„Ich muss heute weiter ausholen“, sagte Herdejürgen, der den Prozessbeteiligten eine Einführung in Brandermittlungen gab. Wenn kein eindeutiger Brandort zu ermitteln sei – beispielsweise ein vergessenes Bügeleisen, werde das Ausschlussverfahren angewendet, bei dem zwölf Punkte geprüft werden. „Wir hätten alle elektrischen Leitungen wiederfinden müssen, um diese als Brandursache auszuschließen. Das war nicht möglich und das Verfahren daher nicht anwendbar“, erläuterte Herdejürgen. Er habe zwar reichlich elektronisches Material gefunden, aber eine mögliche Brandursache sei nicht zu ermitteln gewesen.

Auch für die Hypothese einer Brandlegung mit brennbaren Flüssigkeiten, der Wedeler hatte bei der Polizei eingeräumt, Benzin benutzt zu haben, gab es keinen Nachweis. „Wir haben im vorliegenden Fall weder Abbrandlachen noch Brandspuren, die den Einsatz von Ottokraftstoff belegen“, sagte Herdejürgen. Auch die Brandmittelspürhunde hätten keine Anzeichen dafür gefunden (unsere Zeitung berichtete). Allerdings hätten sich die Hundeführer mit den Tieren auf 30 bis 40 Zentimeter Brandschutt bewegt. Warum diese nicht abgetragen wurde, erschloss sich dem Ermittler ebenso wenig wie der Nicht–Einsatz anderer Ermittlungstechniken.

Feuerzeug hat keinen Indizcharakter

„Es gibt Dinge, die wir, wenn wir direkt vor Ort gewesen wären, anders gemacht hätten“, sagte Herdejürgen. Er räumte aber ein: „Ich weiß nicht, ob wir zu einem anderen Ergebnis gekommen wären.“ Ein leeres Feuerzeug in einer Diskothek bewertete er deutlich anders als einer der Versicherungsgutachter. „Ein leeres Feuerzeug in einer Diskothek zu finden, hat keinen übertriebenen Indizcharakter“, sagte Herdejürgen. Sein Fazit lautete: „Keine Hypothese lässt sich bestätigen. Es gibt keine klaren Hinweise für einen elektrischen Defekt, aber auch nicht für äußere Einwirkung.“

Klar war für Herdejürgen nur, dass das Feuer im Bereich des Versorgungsraums des Gebäudes ausgebrochen sein muss. Das stand im Widerspruch zu den Aussagen des Wedelers, der die brennbare Flüssigkeit auf dem Tresen der Diskothek verteilt haben soll. Diese war zu weit weg vom vermeintlichen Brandherd. Die Flüssigkeit hätte dort auch nicht hinfließen können, da sie über einen 80 Zentimeter hohen Podest hätte fließen müssen. „Das lässt sich wohl kaum beweisen“, sagte Verteidiger Martin Lemke.

Das sah das Gericht auch so, verzichtete auf die erneute Ladung der ermittelnden Polizeibeamten und folgte dem Antrag der Verteidigung und dem Plädoyer der Staatsanwaltschaft, die jeweils einen Freispruch gefordert hatten.

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