Gastronom macht endgültig Schluss : Wedel: Wo ein Vereinslokal zum Abstellraum wird

Abschied: Bernd Schumacher (rechts) vom Spitzerdorf-Schulauer Männergesangverein ernannte den langjährigen Wirt Tayfun Dagbaslilar zum Ehrenmitglied des Vereins.
1 von 2
Abschied: Bernd Schumacher (rechts) vom Spitzerdorf-Schulauer Männergesangverein ernannte den langjährigen Wirt Tayfun Dagbaslilar zum Ehrenmitglied des Vereins.

Stadt sucht neue Verwendung für Kellerräume der Sporthalle an der Rudolf-Breitscheid-Straße.

shz.de von
14. Juni 2018, 12:30 Uhr

Wedel | Das letzte Lied ist gesungen. Der Spitzerdorf–Schulauer Männergesangverein muss nach 44 Jahren sein Vereinslokal im Keller der Sporthalle an der Rudolf-Breitscheid-Straße verlassen. Nach zirka 2000 Übungsabenden müssen sich die stimmgewaltigen Männer bald an eine neue Heimat gewöhnen. Damit sind sie nicht allein. Auch der Landfrauenverein traf sich regelmäßig in der Rudolf-Breitscheid-Straße. Doch ab dem kommenden Monat wird dort keine Bewirtung mehr stattfinden. Tayfun Dagbaslilar hatte das Grillrestaurant „Kingz“ in den stadteigenen Räumen schon Ende 2016 geschlossen. Für die treuen Wedeler Vereine öffnete Dagbaslilar das Lokal noch außer der Reihe. Damit ist jetzt Schluss. 

Übergangszeit

„Es war nur eine Übergangszeit, bis wir Lösungen für die Vereine gefunden haben“, sagt Wedels Bürgermeister Niels Schmidt (parteilos). Dieses Ziel sei nun erreicht. Die Landfrauen treffen sich künftig bei der Arbeiterwohlfahrt, ebenfalls in der Rudolf-Breitscheid-Straße. Der Männergesangverein hat ein neues Zuhause im Saal der Ernst-Barlach-Gemeinschaftsschule gefunden.

Die Zukunft des ehemaligen Vereinslokals ist offen. Die Stadt würde gern wieder einen Gastronomen dort unterbringen. Rathauschef Schmidt ist aber skeptisch: „Diese Räume sind in einer anderen Zeit geboren“. Es sei schwer, Gastronomen für die Kellerräume mit der niedrigen Decke zu begeistern. Die Lage in einem Wohngebiet engt den Kreis der möglichen Benutzer weiter ein. „Einem Interessenten, der türkische Hochzeiten veranstalten wollte, mussten wir absagen. Das hätte in der Nachbarschaft nicht funktioniert“, sagt Schmidt.

Räume für Kampfsportabteilung

Der Wedeler TSV könnte sich vorstellen, die Räume für seine Kampfsportabteilung zu nutzen. Schmidt: „Die Stadt müsste in diesem Fall allerdings im Vorfeld investieren.“ Daher werde man die Sportstätteninvestitionsplanung abwarten müssen. Der Bürgermeister ist aber eher skeptisch, ob Wedel so viel Geld in die Hand nehmen möchte. Vorerst sollen das alte Vereinslokal als Lagerraum für die Verwaltung genutzt werden. Schmidt betont aber: „Wir sind offen für Interessenten.“

Ihren letzten Wirt Dagbaslilar ernannten die Sänger zum Abschied übrigens zum wohl jüngsten Ehrenmitglied ihres Vereins. In der neuen Heimat möchte der Wirt gern einmal vorbeischauen und mitsingen.

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen