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Kulturforum-Projekt : Wedel setzt auf Graffitikunst

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Stadt-Sparkasse geben 10 000 Euro für neue Bilder von Sprayer Johann Lucht am Fährhaus.

shz.de von
erstellt am 21.Apr.2017 | 16:30 Uhr

Wedel | Sie haben den bekanntesten Sprayer der Stadt engagiert. Das Kulturforum Wedel hatte die Idee, die Stadtsparkasse das Geld und der Wedeler Grafiker Johann Lucht die Kunstfertigkeit. Und so fand man zusammen, ganz im Interesse des Bürgers. Denn der Elbe-Wanderweg auf Höhe der Schiffbegrüßungsanlage ist für Wedeler und Touristen eine der Hauptattraktionen der Stadt. Die meisten kennen die kunstvollen Graffiti, die die Betonwände hinter den Sitzbänken schmücken. Die stammen bereits aus der Feder – oder besser aus der Dose – Luchts. Nach beinahe zehn Jahren sind sie verblichen, denn die offenen Poren des Betons zersetzen die Farben von innen. Deswegen soll Lucht nun nachlegen. Er wird die 20 Nischen von je 4,25 Metern Breite und 0,6 Metern Höhe neu gestalten. Bisher zeigten die Mauern Küstenmotive aus aller Welt, häufig mit Schiffen. Der maritime und der internationale Aspekt bleiben passend zur Schiffbegrüßungsanlage weiterhin erhalten. Das Hauptmotiv werden aber künftig Leuchttürme sein. Vorlagen für Lucht sind Fotos unter anderem aus Kalifornien, Sylt, Ostfriesland, Italien oder Neuseeland. „Bei der Auswahl der Motive war die Linie des Horizonts wichtig, denn sie soll durchlaufend sein. Sie müssen zueinander passen“, erläutert Lucht seinen Entscheidungsprozess.

Angefangen hat er mit dem Sprühen an einer halblegalen Wand nur wenige hundert Meter weiter: auf der Mauer am Hundestrand. Von der Stadt wurden die Graffiti dort geduldet, und Luchts Talent entwickelte sich. Er verabschiedete sich von einfachen Schriftmotiven und sprühte einen ganzen Jungle die Mauer entlang – dazu auch seine Telefonnummer. Und er bekam tatsächlich weitere Aufträge. So auch die erste Nischengestaltung am Fährhaus vor rund zehn Jahren. „Die Qualität, die ich biete, ist seither aber noch deutlich besser geworden“, sagt Lucht. Mittlerweile hat er eine Ausbildung zum Grafiker draufgesattelt und sein Talent weiter professionalisiert. Seine Selbstdefinition lautet: „Ich bin Kunsthandwerker, kein Künstler“. Denn er bilde gewünschte Motive handwerklich gekonnt und gefällig ab. „Wenn ich eine eigene Aussage in meinen Darstellungen habe und einen unverkennbaren Stil, dann kann ich mich Künstler nennen. Das ist der nächste Step.“

Vier symbolische Sprayer, aber nur einer kann es wirklich: Johann Lucht (zweiter v. l.) wird dank des Einsatzes von Stadtsparkassen-Vorstand Marc Cybulski (l.), Monika Dohmen vom Kulturforum Wedel und Bürgermeister Niels Schmidt am Elbufer mit der Sprühdose zur Tat schreiten.
Vier symbolische Sprayer, aber nur einer kann es wirklich: Johann Lucht (zweiter v. l.) wird dank des Einsatzes von Stadtsparkassen-Vorstand Marc Cybulski (l.), Monika Dohmen vom Kulturforum Wedel und Bürgermeister Niels Schmidt am Elbufer mit der Sprühdose zur Tat schreiten. Foto: Janina Schmidt
 

Mit 10.000 Euro unterstützt die Wedeler Stadtsparkasse diese handwerkliche Leistung: Finanziert werden die benötigten Materialien – Sprühdosen in 70 Farbtönen kommen zum Einsatz – und die vielen Arbeitsstunden. Lucht schätzt, für ein Motiv zwischen ein und zwei Tagen Zeit zu benötigen. „Das da unten ist ein touristisches Highlight,“ sagt Stadtsparkassen-Vorstandsvorsitzender Marc Cybulski und begründet so das finanzielle Engagement des Unternehmens. „Der maritime Charakter macht Wedel aus. Es ist ein Engagement für die Schokoladenseite unserer Stadt.“

Die Neugestaltung wird den Sommer über sukzessive fortschreiten. Gearbeitet werden kann nur, wenn es nicht regnet. Bis zum Hafenfest am 9. Juli soll aber das meiste fertig sein. Los geht es „jetzt bald“, so Lucht mit der Coolness eines wahren Sprayers. Spaziergänger haben also künftig bei gutem Wetter die Chance, Lucht bei der Arbeit zuzusehen oder sogar selbst mit ihm ins Gespräch zu kommen. „Beim letzten Mal war es für einige Leute ein Schock, dass ich plötzlich neben ihnen die Dosen ausgepackt und losgesprüht habe“, erinnert sich Lucht amüsiert.

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