Wedel schreibt Geschichte

Sie haben die Quellen zusammengetragen und das Heft verfasst: Dirk Cholewa (links), Sören Klein und Anke Rannegger. sba
Sie haben die Quellen zusammengetragen und das Heft verfasst: Dirk Cholewa (links), Sören Klein und Anke Rannegger. sba

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29. Juni 2013, 01:14 Uhr

Wedel | Das Stadtarchiv gibts jetzt auch im Geschichtsunterricht: Das knapp 25 Seiten starke Heft "Alarm in der Weimarer Republik" beleuchtet anhand von Quellen - vor allem Plakate und Flugblätter - aus Wedel und Uetersen den Kampf zwischen Arbeiterbewegung und NSDAP um den Staat. Mit der nun erschienen Broschüre sollen Schüler ab der 9. Klasse aller weiterführenden Schulformen für die Beschäftigung mit der Vergangenheit begeistert werden.

Denn der Geschichtsunterricht ist für Schüler oft weit weg - und das nicht nur zeitlich. Auch durch die räumliche Entfernung wird Unterricht zuweilen abstrakt und öde für Schüler. Lehrer suchen deshalb nach Anknüpfungspunkten zur Lebenswelt der jungen Menschen. Damit wird Geschichte für sie konkreter, lebendiger und erlebbarer.

"Einen probaten Weg hierfür bietet die Lokalgeschichte", schreiben die Autoren Anke Rannegger, Sönke Zankel, Sören Klein und Dirk Cholewa im Vorwort der Broschüre. Mit dem Unterrichtsmaterial findet das Ende der Weimarer Republik nicht mehr nur in Berlin und München statt. "Die Epoche ist interessant für den Kreis Pinneberg, weil Wedel links war und es spannend zu sehen ist, wie die NSDAP versuchte, sich hier zu etablieren", sagt Klein. Für die Schüler spielt sich der Klassenkampf dort ab, wo sie jetzt wohnen - vor Ort, in Wedel und Umgebung.

Die Quellen sind ein Zeugnis der Propaganda und des Klassenkampfes, bei dem sich beide Seiten nichts schenkten. So wirft die Kommunistische Partei Deutschlands KPD den Nazis in einem Schreiben vor, dem Wedeler Genossen Riemann mit Mord zu drohen und nimmt das zum Anlass, zu einem "rücksichtslosen, außerparlamentarischen Kampf" aufzurufen. An anderer Stelle wirbt die Wedeler Ortsgruppe der NSDAP um Mitglieder: "Komm zu uns und hör uns an. Du wirst Dich wundern, wie viele gute Bekannte Du bei uns finden wirst."

Und es scheint zu wirken. "Ich habe von vielen Schülern die Rückmeldung erhalten, dass der regionale Bezug motivierend wirkt", sagt Klein. Er ist der Initiator des Hefts. In seiner Zeit als Referendar am Johann-Rist-Gymnasium wollte er im Stadtarchiv ein Geschichtsprojekt mit seiner Schulklasse erarbeiten. Stadtarchivarin Rannegger war schnell von der Idee überzeugt. Dabei entwarfen beiden den Plan, die Unterrichtsmaterialien so aufzubereiten, dass auch andere Lehrer und Schüler davon profitieren.

Gemeinsam mit Zankel, Historiker und Lehrer am Ludwig-Meyn-Gymnasium in Uetersen, erweiterten sie das Projekt auf die Rosenstadt. Gemeinsam mit Cholewa, einem weiteren Lehrer aus Wedel, konzentrierten sich die vier auf die Endphase der Weimarer Republik. Einerseits werden dadurch die Vorgaben des Lehrplans berücksichtigt, andererseits handele es sich um einen sehr spannenden Zeitabschnitt im Kreis Pinneberg, so die vier Historiker. Aber: Das Heft soll keine Geschichtsbücher ersetzen, sondern den Unterricht bereichern.

Herausgekommen ist ein Werk, das neben regionalen Quellen Arbeitsaufträge und Erläuterungen enthält. Es wird an weiterführende Schulen in Wedel und Uetersen verteilt und wird online auf www.wedel.de abzurufen sein. Außerdem können dort einzelne Plakate als Druckvorlage heruntergeladen werden.

"Mit dieser Arbeit ist ein erster Schritt für eine stärkere Einbindung regionaler Quellen in den Schulunterricht getan", sagen die vier Autoren. Sie hoffen, damit weitere Lehrer zu motivieren, künftig auch andere Epochen der Regionalgeschichte auf diese Weise für den Unterricht zu erschließen. Interessierte können sich an Rannegger wenden unter (0 41 03) 70 72 15 und per E-Mail an a.rannegger@stadt.wedel.de.

www.wedel.de/kultur-bildung/stadtarchiv/stadtarchiv-und-schule/unterrichtsmaterialien-fuer-regionalen-geschichtsunterricht.html

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