Radsportabzeichen : Wedel: Schneckentempo auf dem Rennrad

25 Meter so langsam wie möglich fahren – der neunjährige Nick übte einige Runden für diese Aufgabe zur Erlangungen des Fahrradsportabzeichens.
25 Meter so langsam wie möglich fahren – der neunjährige Nick übte einige Runden für diese Aufgabe zur Erlangungen des Fahrradsportabzeichens.

Rad Gemeinschaft Wedel nimmt das Radsportabzeichen ab. Schnelligkeit, Ausdauer und Geschicklichkeit bewertet.

shz.de von
03. Juni 2019, 12:00 Uhr

Wedel/Haseldorf | „Noch eine Runde. Noch einmal Gas geben.“ Anfeuerung gab es für die Zeitfahrer. Doch richtig lustig wurde es beim Vereinsfest der Rad Gemeinschaft (RG) Wedel und der Abnahme des Radsportabzeichens auf dem Obsthof Krieger in Haseldorf, als es nicht darum ging, der Schnellste, sondern der Langsamste zu sein.

Langsam fahren ist die Kunst

„Schnell fahren kann jeder. Langsam ist die Kunst“, sagte Wilfried Weitz, Vorsitzender der Rad Gemeinschaft Wedel. Kleine bunte Hütchen markierten die 25 Meter lange Strecke. Allersdings nicht nur die Länge, sondern auch die Breite von einem Meter. „Sonst könnte man ja einfach Schlangenlinien fahren. Das kann ja jeder“, sagte Weitz lachend. 35 Sekunden für die 25 Meter hatte Nick als jüngster Starter Zeit. Oder durfte sie minimal brauchen. Immer wieder drehte er seine Runden, stand in den Pedalen, bremste. Denn Stehenbleiben war erlaubt, wenn der Fuß nicht den Boden berührt. „Ich habe im Jugendtraining mal gesagt, dass die Mädels darauf stehen, wenn die Jungs einfach auf dem Fahrrad sitzen bleiben, wenn sie an der Ampel halten. Die haben trainiert wie verrückt“, so der RG-Vorsitzende.

„Schnell fahren ist leichter und macht mir mehr Spaß“, urteilte Nick. Warum? „Weil ich dabei Papa abhängen will und schneller sein will als er.“ Erstmals absolvierte er die Prüfung zum Fahrradsportabzeichen. Die einfache Begründung: „Weil ich es haben will.“ Während er die langsame Passage ebenso übte wie die Fahrt über das Balancierbrett, ließ er das Zeitfahren und den Sprint einfach auf sich zukommen. „Ich habe nicht trainiert. Das kriege ich so hin“, zeigte sich der Neunjährige selbstbewusst.

Jeder fährt sein Tempo

„Anfangs haben sich einige gedacht, Fahrradsportabzeichen klingt schon sehr komisch. Mittlerweile ist es aber etabliert“, sagte Weitz. Vor allem wegen des Spaßfaktors. Die Erwachsenen müssen sich auf der 25 Meter Distanz bis zu 70 Sekunden im Sattel halten – ohne Stillstand und ohne Bodenberührung. „Das wird einfach jedes Mal lustig und ist eine echte Gaudi“, sagte Weitz und behielt recht. Umgerechnet bedeutet die Vorgabe eine Geschwindigkeit von knapp 1,29 Kilometern pro Stunde. „Die schnellsten Zeitfahrer haben die 20 Kilometer in 32  Minuten geschafft. Das ist fast ein Schnitt von 40 Kilomtern pro Stunde. Langsam fahren ist normalerweise nicht unser Ding“, sagte Weitz. Für den Vereinsvorsitzenden hat die Abnahme des Radsportabzeichens noch einen Vorteil: „Wir sind alle mal zusammen.“ Im normalen Training gebe es schnell Gruppen, die auch ebenso schnell zerfallen, da jeder sein Tempo fährt. „Hier sind mal alle an einem Ort. Das finde ich toll.“ Die Langstrecke, die auch absolviert werden muss, kann jeder Fahrer individuell fahren.

„Ich will mich mit kleinen Erfolgserlebnissen wieder motivieren“, sagte Hans-Ullrich Heller, der zum vierten Mal das Radsportabzeichen ablegte. „Ich bin früher viel Rad gefahren, fünf Mal über die Alpen. Nachdem mein Rad gestohlen wurde, war die Motivation weg. Die hole ich mir jetzt zurück:“

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