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Riesige Resonanz bei Info-Abend : Wedel Nord: Alles hängt am Verkehr

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Viele Wedelerinnen und Wedeler sehen die Nordumfahrung als Bedingung für die Realisierung des Mega-Bauprojekts.

Wedel | Mega-Bauprojekt Wedel Nord – das Thema bewegt. Rund 400 Menschen folgten der Einladung der Stadt in die Aula des Rist-Gymnasiums zum Bürgerdialog über den geplanten neuen Stadtteil – eine rekordverdächtige Resonanz. Auf dem Podium: Planungsexperten, die bauliche Varianten, verkehrliche Erschließung und Grünkonzept erläuterten, sowie Wedels Bauamtschef Klaus Liebernecht und Bürgermeister Niels Schmidt. Deren Botschaft: Es ist noch nichts entschieden, Stadt und Politik wollen die Bürger mitnehmen und das Projekt auf Grundlage ihrer Anregungen weiterentwickeln. Die Botschaft vieler Teilnehmer: Tatsächlich sehen sie noch einiges an Entwicklungsbedarf, vor allem was den zu erwartenden Mehrverkehr angeht.

Schon bei der Vorstellung der einzelnen Komplexe wurde deutlich, wer das Reizthema hat: Markus Franke, Ingenieur vom Planungsbüro Argus, stellte drei Optionen für die Erschließung vor. Trotz Bitten seitens der Stadt, die anschließenden Diskussionsforen für Stellungnahmen zu nutzen und trotz eines sachorientierten, konstruktiven Klimas gab’s hier mehrfach Eruptionen. „Furchtbar, geht gar nicht“ waren Kommentare, als Franke von rund 1000 Fahrzeugen pro Tag zusätzlich für den Steinberg und einer erhöhten Belastung für Knotenpunkte an der B431 bei der Variante 3 sprach. Die nutzt die Nordumfahrungstrasse nur etwa bis zur Hälfte, um dann ins Neubaugebiet zu führen. Westlich würde über die Aschhoopstwiete erschlossen. Geringere Belastungen würden Varianten 8 und 8b bringen, so Franke. Erstere als „kleine Nordumgehung“ mit Straßenausbau bis zur Aschhoopstwiete, die die westliche Grenze der Bebauung markiert. Variante 8  b mit Durchstoß zur Holmer Straße, wie es die Umfahrungspläne in diesem Bereich vorsehen. „Hier wird doch das Pferd von hinten aufgezäumt“, kritisierte eine Plenumsteilnehmerin. „Es ist ja noch nicht mal klar, ob die Nordumfahrung je gebaut wird.“

Statements, die auch in den Fachforen zu den drei Themenkomplexen Widerhall fanden. Die deutlich meisten Beiträge gab’s zum Verkehr. Franke resümierte nach knapp einer Stunde Diskussion und rund 100 Kärtchen mit Anregungen an der Pinnwand: Großes Thema war die Umfahrung und die Einschätzung, dass sie Voraussetzung sei, um die Verkehrsprobleme zu lösen. Andererseits, so Befürchtungen, würden sich Probleme Richtung Autal verlagern, wo sie ebenfalls schwer zu lösen seien. Strittig sei gewesen, ob die Umfahrung erst fertiggestellt werden müsse, bevor die Stadterweiterung kommen kann oder nicht, so Franke.

Auf Nachfrage bestätigte Schmidt, dass durch politischen Mehrheitsbeschluss die Nordumfahrung aktuell auf Eis liege. „Ich gehe aber davon aus, dass diese Veranstaltung bei allen Beteiligten nochmal zum Nachdenken führen wird“, so der Verwaltungschef. Er persönlich halte die Umfahrung zur Erschließung von Wedel Nord für zwingend erforderlich.

Im Strukturplan sind Baufelder und Grünzüge in dem 54-Hektar-Areal gut zu erkennen.
Im Strukturplan sind Baufelder und Grünzüge in dem 54-Hektar-Areal gut zu erkennen. Foto: pt
 

Es gab indes auch kritische Stimmen zur Umfahrung – solche, die wie Landschaftsplaner Jochen Meyer die nördliche Grünanbindung durch die Straße gekappt sehen. Meyer hatte das Grünkonzept mit mehreren 100 Meter langen Achsen und verkehrsfreien Wegeverbindungen als Zugewinn in Sachen Lebensqualität für Menschen in dem Baugebiet und der Umgebung vorgestellt. Entsprechend wenig kritisch war die Resonanz.

Anders bei den baulichen Varianten, die Architekt Hans-Joachim Agather präsentiert hatte. Mehrfach sei gesagt worden, 900 Wohneinheiten würden ausreichen, fasste Lieberknecht ein Forums-Ergebnis zusammen. Diese Dimension hatten die Planer um Agather auch in ihrem Siegerentwurf zu Wedel Nord angedacht. Angesichts des notorischen Wohnungsbedarfs in Wedel und dem Ruf nach bezahlbaren Mieten hatte der Elmshorner Immobilien-Riese Semmelhaack, der als Investor das Gesamtprojekt realisieren will, wie berichtet zuletzt Entwürfe mit 1300 Wohnungen vorgestellt. Inklusive einem hohen Anteil an Sozialwohnungen. Lob gab’s dabei für die Durchmischung, mahnende Worte dagegen, dass keine Gettos entstehen dürften.

Man werde nun die Anregungen in Ruhe auswerten und weiter besprechen, so Lieberknecht. Schmidt ergänzte: „Die Stadt wird es nicht schaffen, jedem Wunsch gerecht zu werden. Wir werden aber jede Anregung ernst nehmen und in die weitere Debatte einfließen lassen.“

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erstellt am 30.Jun.2016 | 10:00 Uhr

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