Unbekannte fällen Bergahorn : Wedel: Illegale Baumfällung am Elbufer

Die Schnittmarken sind deutlich zu erkennen wie Bettina Parszyk vom Fachdienst Bauverwaltung Tief- und Gartenbau zeigt.
Die Schnittmarken sind deutlich zu erkennen wie Bettina Parszyk vom Fachdienst Bauverwaltung Tief- und Gartenbau zeigt.

Stadt erstattet Anzeige bei der Polizei. Schaden beläuft sich auf etwa 5000 Euro.

shz.de von
02. August 2018, 12:30 Uhr

Wedel | „Das war schon jemand, der mit der Motorsäge umgehen kann“, sagt Bettina Parszyk vom Fachdienst Bauverwaltung Tief- und Gartenbau und zeigt auf den Stumpf eines Bergahorns am Elbufer. Unterhalb des Elbwanderwegs soll in der vergangenen Woche jemand gegen 8.15 Uhr illegal die Säge angesetzt haben. „Ein Passant hat mich angerufen, dass er gesehen hat, wie jemand weggelaufen ist“, sagt Parszyk. Das war aber erst vier Stunden nach der Tat. „Leider konnte der Anrufer die Person nicht beschreiben und hat nicht die Polizei gerufen“, bedauert sie. „Die Stadt Wedel wird jetzt Strafantrag gegen Unbekannt stellen“, ergänzt Stadtsprecher Sven Kamin.

Denn einen Auftrag für die Fällung des Baums gab es nicht. „Zudem wurde er in der Zeit, in der Fällungen laut Naturschutzgesetz nicht erlaubt sind, gefällt. Das ist eine Ordnungswidrigkeit“, erläutert Parszyk. Der Stadt Wedel sei ein Schaden von etwa 5000 Euro entstanden. „Wenn wir den Baumwert ermitteln, kommen wir da in etwa raus“, sagt die Expertin. Kosten für den Abtransport und die Entsorgung, die nun auf die Stadt zukommen, seien noch nicht eingerechnet. „Das ist am Elbhang keine einfache Aufgabe, weil wir nicht einfach mit Maschinen anrücken können. Das ist mit Aufwand verbunden“, sagt Parszyk.

Nicht der erste Fall

Vor acht Jahren habe es schon einmal einen Fall am Elbufer gegeben. „Damals hat jemand mehrere kleine Bäume umgenietet“, sagt Parszyk und schiebt enttäuscht nach: „Der Täter wurde nie gefasst.“ Auch jetzt hat sie wenig Hoffnung: „Ich kann mit anonymen Anrufen wenig anfangen. Wenn jemandem etwas Ungewöhnliches auffällt, sollte er oder sie sofort die Polizei verständigen. Denn nur die kann wirklich ermitteln“, sagt Parszyk. In der Vergangenheit seien solche Fälle schon vor Gericht ausgetragen worden. „Ich habe dann aber eigentlich lieber weiterhin den gewachsenen und gesunden Baum als das Geld.“

Immer wieder sorgt der Baumbewuchs am Elbufer für Diskussionen. „Ich habe ständig Anrufe, dass wir hier und dort die Bäume schneiden sollen, weil der Blick auf die Elbe zuwächst“, sagt Parszyk. Dass jemand selbst die Säge anlegt, sei allerdings selten. Parszyk zählt in Gedanken nach: „Mir sind zehn Fälle bekannt, wo wirklich massive Verstöße begangen wurden. Ich habe den Job aber auch schon 26 Jahre.“ Doch sie kennt die verschiedenen Befindlichkeiten und die Kreativität, um Fällungen voranzutreiben oder Neupflanzungen zu verhindern. Werden Bäume für Fällungen markiert, komme auch schnell mal ein weiterer Baum dazu, auf denen aus privatem Antrieb ein Fällzeichen hinterlassen wird. „Die Unternehmen, mit denen wir arbeiten, oder der Bauhof erhalten immer einen Plan, damit genau das nicht passiert“, betont Parszyk.

Eine Lücke klafft nun im Bewuchs des Elbhangs.
Bastian Fröhlig
Eine Lücke klafft nun im Bewuchs des Elbhangs.
 

Bis in die 1970er Jahre war der Elbhang stärker mit Bäumen bewachsen, als er es heute ist. „Der Hang ist in Bewegung und es hat damals einige Abrutschungen gegeben“, sagt die Verwaltungsfachfrau. Damals wurden Gabionen in den Hang eingebracht. Die mit Steinen gefällten Drahtkörbe sollen die Böschung befestigen. „Zum Schutz vor dem Abrutschen wurden Pflanzen eingebracht, die den Hang sichern sollen“, erläutert die Baumexpertin. Vor allem Brombeeren und Robinien wurden gepflanzt. Letztere Sorgen immer wieder für Probleme. „Wenn man sie schneidet, treiben sie noch massiver aus. Das ist ein Problem.“ Die einzige Lösung , um die sommergrünen Laubbäume wieder loszuwerden, sei, den gesamten Hang abzutragen. „Das ist natürlich nicht machbar.“

Vorerst wird der gefällte Bergahorn am Elbufer verbleiben. „Wenn das Lauf abgefallen ist, sind die Äste leichter wegzubringen“, erläutert Parszyk. Das eile aber nicht. „Wenn sich Teile lösen, können diese bei Hochwasser Schäden an den anderen Pflanzen anrichten oder auf der Elbe treiben. Aber der Baum hält noch gut zusammen und vom Hochwasser sind wir auch noch weit entfernt.“

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