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„Jedes Kind hat seine Talente“ : Was steckt hinter dem Schulfach Glück?

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Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Ein NDR-Fernsehteam besucht die Ernst-Barlach-Gemeinschaftsschule.

shz.de von
erstellt am 09.Jun.2017 | 16:00 Uhr

Wedel | Auch NDR-Reporter Philipp Jess hat von den sieben Sechstklässlern, die in diesem Halbjahr in der Ernst-Barlach-Gemeinschaftsschule (EBG) das Schulfach Glück belegen, viel Positives auf den Rücken geschrieben bekommen. „Kinder sagen immer die Wahrheit“ hat er dazu unter das Bild auf seiner Facebook-Seite gepostet. Das NDR-Fernsehteam wollte alles über das außergewöhnliche Schulfach erfahren und ist deswegen am 11. Mai in den Unterricht von Marita Jensen-Bruß hineingeschneit. Wer alle Spiele mitmacht, bekommt eben auch viel positive Unterstützung, berichtet die Glückstrainerin begeistert.

Wie geht das: Glück unterrichten? Wie sieht das konkret aus? Sind die Schüler glücklicher? Und wenn ja, woran merkt man das? Diesen Fragen wollte Reporter Jess nachgehen und hat sich dafür unter die EBG-Schüler gemischt. Er hat die Rituale mitgemacht, die jede Doppelstunde einleiten und sich auch sonst auf alles eingelassen, das Jensen-Bruß ihren Kindern abfordert. Das machte Eindruck. „Philipp war so gut, die Schüler haben ihn sofort adoptiert“, sagt die Pädagogin und lacht.

In den anschließenden Interviews gaben die Sechstklässler dann bereitwillig Auskunft. Die Kamerafrau, die ständig herumwuselte, war bald vergessen. „Wir mussten so gut wie nichts doppelt drehen.“ Und das, obwohl Jensen-Bruß die Kinder nicht gebrieft hatte, wie sie betont. Seid ehrlich, seid ihr selbst, hat die Glückstrainerin ihren Schützlingen lediglich mit auf den Weg gegeben. „Sie haben das so toll gemacht“, lobt Jensen-Bruß begeistert.

Glück kann natürlich nicht unterrichtet werden, das weiß die Wedeler Heilpraktikerin auch, die für ihre pädagogische Passion eine einjährige Zusatzausbildung im Hamburger Institut Glücksstifter absolvierte. Es gehe darum, soziale Kompetenz zu vermitteln, erklärt sie, und die eigenen Talente, die im Schulalltag so oft untergehen, auszubuddeln. Jedes Kind habe Talente. Die ohne Noten und ohne Druck auszuleben, tue gut. „Die Essenz soll sein, in sich die Zufriedenheit im Leben zu erfahren“, fasst Jensen-Bruß das Ziel ihres Unterrichts zusammen: „Nicht Konsum macht glücklich, sondern das, was in mir steckt.“

Ein erster Schritt dahin sei zum Beispiel, sich bewusst zu machen, was man hat. Ein Dach über dem Kopf, Essen, Frieden, den man als solchen bezeichnen kann. Auch der Austausch über das Thema hilft. Mit ihren Schülern geht die Glückstrainerin in der nächsten Woche wieder ins Graf-Luckner-Seniorenheim. Nicht nur die älteren Menschen, auch die Kinder seien von den Gesprächen sehr bewegt. „Die wollen gar nicht wieder gehen“, berichtet sie beeindruckt. Jensen-Bruß ist froh und dankbar, dass die EBG das Schulfach Glück, das 2007 vom Heidelberger Oberstufendirektor Ernst Fritz Schobert entwickelt wurde, in den Lehrplan aufgenommen hat. Nach den Ferien wird sie drei Kurse anbieten.  

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