Kraftwerk Wedel : Was kommt nach dem Kohlemeiler?

Was nach dem Aus für das Kohlekraftwerk am Tinsdaler Weg wird, ist offen.
Was nach dem Aus für das Kohlekraftwerk am Tinsdaler Weg wird, ist offen.

Um die Nachnutzung des Kraftwerksareals gibt es Rätselraten. Nun sorgt Wedels Bürgermeister für ein wenig mehr Klarheit.

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10. November 2019, 17:45 Uhr

Wedel | Das Rätselraten um die Zukunft des Kraftwerksstandorts Wedel geht weiter. Nachdem Wärme Hamburg shz.de-Anfragen zu zukünftigen Planungen am Elbhochufer unbeantwortet gelassen hatte, brachte Wedels Bürgermeister Niels Schmidt (parteilos) im Rat mit Antworten auf Fragen von SPD und Grünen zumindest ein wenig mehr Licht ins Dunkel.

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Nach einem Gespräch mit Vertretern des neuen Eigners des alten Steinkohlemeilers halte er es für ausgeschlossen, dass in Wedel ein Gaskraftwerk in den Dimensionen gebaut werden soll, wie es Wärme-Hamburger-Vorgänger Vattenfall seinerzeit beantragt hat. Zwar bestehe weiter konsequent die Absicht, die alte Anlage so schnell wie möglich vom Netz zu nehmen, so Schmidt, der 2025 als „wahrscheinlichen Termin“ nannte.

Wird der Standort aufgegeben?

Der Verwaltungschef bekräftigte jedoch erneut seine Einschätzung, dass Wedel nicht nicht davon ausgehen könne, dass der Kraftwerksstandort an sich aufgegeben wird. Zwar seien ihm keine Pläne für eine Nachnutzung bekannt. Sollte jedoch etwa die Fernwärmeversorgung ausgebaut werden, dann liege es auf der Hand, dass auch Wedel mit ins Kalkül gezogen wird.

Schmidt bestätigte indes auch den Grünen-Einwurf, dass derzeit von Seiten der Wärme Hamburg eine weitere Verlängerung der Genehmigung für ein Gas- und Dampfturbinenkraftwerk bei der Zuständigen Aufsichtsbehörde beantragt worden sei. Eine „vorsorgliche Verlängerung“, so der Bürgermeister in der Sitzung mit dem Hinweis, dass die Genehmigung aktuell auch beklagt werde und es noch keine gerichtliche Entscheidung in dieser Sache gebe.

Gespräche über Kooperationsmöglichkeiten

Er deute dieses Vorgehen so, dass Wärme Hamburg sich möglicherweise erhoffe, gegebenenfalls bei einem kleiner dimensionierten Nachfolgeprojekt auf dieser Genehmigung aufsetzen und so das Verfahren vereinfachen zu können, sagte Schmidt auf Nachfrage von shz.de. Ob ein solches Prozedere erneut eine Beteiligung Wedels wie beim GuD-Genehmigungsverfahren erfordern würde, könne er nicht mit Sicherheit sagen.

Zur Frage der SPD nach angeblichen Gesprächen von Hamburger Seite über eine Nachnutzung des Kraftwerksgeländes durch die Stadtwerke Wedel erklärte Schmidt: Er wisse von keinen konkreten Projekten, die besprochen worden seien. Was es gegeben habe, seien Gespräche allgemeiner Natur über Kooperationsmöglichkeiten.

Spekulationen um Genehmigung für das GuD

Kerstin Lueckow, Sprecherin der Bürgerinitiative (BI) „Stopp! Kein Mega-Kraftwerk Wedel“, äußerte sich kritisch vor allem zur beabsichtigten Verlängerung der GuD-Genehmigung. „Das LLUR als Aufsichtsbehörde hat bereits zum zweiten Mal eine Fristverlängerung nicht rechtzeitig erteilt“, so Lueckow.

Eine solche hätte vor Genehmigungsablauf am 26. September 2019 erteilt werden müssen, sagt Lueckow. „Schon beim letzten Mal haben wir Formfehler bei der Verlängerung beklagt.“ Eine Entscheidung steht ebenso noch aus wie zur Klage gegen die GuD-Genehmigung selbst, die ebenfalls von der BI angestrengt wurde.

Auch für ein Festhalten an der GuD-Planung in großer Dimension bei möglichen Plänen einer kleineren Anlage zeigt Lueckow wenig Verständnis. „Wenn man etwas bauen will und plant, dann soll man mit offenen Karten spielen und Wedel mitentscheiden lassen. Und wenn es dann etwas ist, was auch hier hinpasst, ist das ja auch nicht so dramatisch.“

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