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Wedel-Schulauer Tageblatt

11. Dezember 2017 | 12:44 Uhr

Was bleibt, sind eine Ruine und Fragen

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Nach dem Grossfeuer Ursache unklar / Statiker müssen vor weiteren Untersuchungen Einsturzgefahr überprüfen

shz.de von
erstellt am 27.Mai.2017 | 16:00 Uhr

Auch zwei Tage nach dem verheerenden Großfeuer hängt der Brandgeruch noch schwer in der Luft. Der Verkehr fließt inzwischen reibungslos die Rissener Straße entlang, wenn auch langsamer als gewohnt: Fast jeder wirft lange Blicke auf die Ruine an der B  431, die bis Mittwochnacht den Event-Club in Wedels ehemaliger Großraumdisko, eine Spielhalle, ein Asia-Restaurant, eine Autovermietung, eine Autohandelsagentur und eine Autoglaserei beherbergte. Sie weist überdeutlich auf das Unglück hin, das sich in der Nacht zu Himmelfahrt in dem Gewerbekomplex abspielte.

Von 3 Uhr nachts brannte das Geschäftshaus über Stunden lichterloh (wir berichteten). Jetzt ragen verkohlte Holzpfähle schwarz in den blauen Himmel. Die ehemalige Dachkonstruktion ist kaum mehr als solche zu erkennen. Zerborstene Fenster, Ruß, Schutt und verkohltes Holz überall. Menschen kommen vorbei und schießen Fotos mit dem Handy.

Auf dem östlichen Parkplatz vor der Ruine steht Sven Lange. „Seit 7.30 Uhr“, sagt der Geschäftsführer. Die Hertz Autovermietung habe heute „zu den normalen Geschäftszeiten“ geöffnet, fügt er erklärend an. Die Geschäftsstelle gibt’s nicht mehr. Die Autos aber wollen zurückgebracht und abgeholt werden, das Geschäft geht weiter. Lange hat kurzerhand sein privates Wohnmobil mitgebracht und zum Büro umfunktioniert. Für den Ausfall von Stationen gebe es von der Hertz-Zentrale mobile Vermietstationen. Seine rolle gerade von Frankfurt aus an.

Lange, der auch Geschäftsführer von „Carperfectio, Fahrzeugaufbereitung und Autoglaserei United Autoglas“ nebenan ist, steckt der Schrecken noch in den Gliedern: „Wenn man das sieht, denkt man über die eigene Existenz nach“, beteuert er. Nachts um 3 Uhr kurz nach der Alarmierung der Feuerwehr wurde auch er benachrichtigt. „Für solche Szenarien hat die Polizei meine Mobilnummer.“ Vier Autos, die in der Halle standen, seien „nahezu unversehrt“. Erwischt hat es die Fahrzeuge, die vor der Geschäftsstelle im Freien parkten. Die konnten sie nicht mehr wegfahren. Die Schlüssel für die Sprinter lagen im Büro im Safe. Alles brannte: „Wir durften nicht mehr rein“, berichtet Lange. Die 30 Autos, die aus der Garage gerettet werden konnten, gehören zur Autohandelsagentur, die ebenfalls in dem Gewerbekomplex residierte.


Verbrannte Erinnerungen


Im Event-Club dagegen, in dem gerade unter anderem Ü  30-Partys alte Zeiten wiederbeleben wollten, dürfte kaum etwas zu retten gewesen sein. Durch die offene Tür geht der Blick über schwarz verkohltes Interieur direkt ins Freie. Zerstörung und auch ein Verlust von Erinnerungen ans Mr. Pommeroy oder ans Mexx, wie hunderte Facebook-Kommentare zeigen. Tenor zum Flammen-Foto unserer Zeitung: „Hier verbrennt unsere Jugend.“

Einzig der Restaurantbereich im Untergeschoss scheint weniger betroffen zu sein. Gelang es doch zwei vietnamesischen Köchen, sich dort über neun Stunden zu verschanzen, bevor sie Donnerstag gegen 12 Uhr unverletzt aus dem Komplex geholt werden konnten.

Am Ende zählte die Feuerwehr rund 220 Kräfte, die an den Löscharbeiten beteiligt waren. Sie zogen sich bis etwa 15 Uhr am Himmelfahrtsnachmittag hin. Sperrung der B  431 inklusive. Gegen 17.30 Uhr rückte dann Wedels Wehr erneut zu dem Objekt aus. Glutnester, die unter Dachteilen und Trümmern glimmten, waren wieder aufgeflammt. Weitere vier Stunden dauerte dieser Nachlösch-Einsatz.

Die Stadt hat im Zuge der Gefahrenabwehr unterdessen den Komplex großzügig eingezäunt. Die Kriminalpolizei hat Ermittlungen aufgenommen und den Brandort beschlagnahmt. Die Ursache ist noch unklar, hieß es gestern seitens der Pressestelle. Sachverständige sollen Anfang kommender Woche die Untersuchungen fortsetzen. Zuvor müsse jedoch das Gebäude durch Statiker auf Einsturzgefahr geprüft werden. Den Sachschaden beziffert die Polizei auf mindestens eine Million Euro.

Lange will mit seinen beiden Geschäftsfeldern weitermachen. Sein Ziel: Vor Ort bestehen bleiben. Auch für die Autoglaserei zeichnet sich eine Lösung ab. Geschäftspartner aus der Automobilbranche hätten Hilfe zugesagt, doch die Lösung sei noch nicht spruchreif. Bis die mobile Geschäftsstelle der Autovermietung da ist, kommt er mit seinem privaten Caravan über die Runden. Den Tisch mit den Papieren hat er vor die Tür ins Freie gestellt, wo noch der Brandgeruch schwer in der Luft hängt.

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