Verbraucherzentrale warnt : Vorsicht vor Telefon-Abzocke in Wedel

Mit mehrfachen Anrufen und Bargeld-Gewinnversprechen versuchten Unbekannte, Amazon-Gutscheincodes zu ergaunern.
Mit mehrfachen Anrufen und Bargeld-Gewinnversprechen versuchten Unbekannte, Amazon-Gutscheincodes zu ergaunern.

„Sie haben 59 500 Euro gewonnen“: Betrüger wollen Wedeler über’s Ohr hauen. Verbraucherzentrale warnt vor bekannter Masche.

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12. Juni 2015, 10:00 Uhr

Wedel | Montag dieser Woche: Das Telefon von Hans-Joachim Dahm klingelt. Der Wedeler nimmt ab und wird informiert, dass er im vergangenen Frühjahr an einem Preisausschreiben teilgenommen und gewonnen hat. Sein Preis: 59.500 Euro in bar. Er müsse lediglich die Transportkosten übernehmen: 250 bis 500 Euro. Sie würde sich am nächsten Tag noch einmal melden, sagt die Frau am anderen Ende mit ausländischem Akzent. Bei Dahm läuten sofort die Alarmglocken. Dem Vorsitzenden der Interessengemeinschaft Mehr Sicherheit Moorweg-Gebiet ist längst klar: Hier sind Abzocker am Werk

Dennoch spielt Dahm mit, will sehen, wie die Masche der mutmaßlichen Betrüger läuft. Tatsächlich gibt’s auch am nächsten Tag einen Anruf. Wieder eine Frau, wieder mit ausländischem Akzent, so Dahm. Sie habe sich auf das Telefonat vom Vortag bezogen und nun einen Code zur Öffnung eines Geldkoffers genannt, in dem der Gewinn für den Wedeler sein soll. Dieser könne in einem Geldinstitut oder auch bei Dahm zuhause übergeben werden.

Jetzt stehe fest: Der Geldtransport koste 500 Euro. Problem: Die Firma, die ihn übernimmt, nimmt kein Bargeld. Dahm solle daher Gutscheine des Versandhändlers Amazon kaufen, die für maximal 500 Euro erhältlich sind. Fünf dieser Gutscheine bekäme er etwa in Drogeriemärkten. Wieder will die Frau am Folgetag anrufen, um einen festen Übergabetermin zu vereinbaren. Auf Nachfrage Dahms habe sich die Anruferin als Frau Schwarz von der Firma „Safe and Security Geld- und Werttransporte Stuttgart“ vorgestellt. Zudem habe sie ihm eine Telefonnummer gegeben, so Dahm.

Die Auskünfte nutzte der indes nicht, um seinerseits anzurufen, sondern sich und andere zu informieren. Sowohl Polizei als auch Verbraucherzentrale würden die Masche kennen und raten dringend ab, darauf einzusteigen, so Dahm.

Weitere aktuelle Fälle im Internet geschildert

Nach Tageblatt-Recherchen warnen aktuelle Einträge auf Internet-Foren vor exakt diesen Anrufen. Demnach ist der nächste Schritt, dass die vermeintlichen „Gewinner“ nach Kauf der Amazon-Gutscheine deren Codes per Telefon durchgeben sollen. Durchschaubar: Wer den Code hat, kann den Gutschein einlösen. Kaum wahrscheinlich, dass danach tatsächlich noch ein weiterer Anruf, geschweige denn die Geldkoffer-Übergabe erfolgt.

Die Vorgehensweise ist im Prinzip ein alter Hut, sagte gestern Thomas Hagen, Sprecher der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein, auf Tageblatt-Anfrage. Mal sei es Geld, mal ein Auto, das angeblich gewonnen wurde, so Hagen, der ganz klar sagt: „Finger weg.“ Grundsätzlich gelte: Wenn vermeintliche Gewinner in irgendeiner Form in Vorleistung gehen sollen, sollten sie alarmiert sein und auf keinen Fall auf Forderungen eingehen.

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