Besan-Ewer Johanna : Vor Haseldorf dem Wetter trotzen

Ausbildungstörn: Die Crew  aus Mitgliedern des Vereins Freunde des Besan-Ewer Johanna machte in Haseldorf Station.
Ausbildungstörn: Die Crew aus Mitgliedern des Vereins Freunde des Besan-Ewer Johanna machte in Haseldorf Station.

Imposanter Besuch des Besan-Ewers Johanna. Kulturvereins-Chef Thomas Herion lädt Crew zum Feiern ein.

shz.de von
31. Juli 2018, 16:00 Uhr

Haseldorf | Die Einfahrt von der Elbe in den Haseldorfer Hafen ist schon für durchschnittlich große Boote ein Problem. Bei einem 18,62 Meter langen und 4,76 Meter breiten Besan-Ewer erfordert der ausgeklügelte Zickzackkurs in den tidenabhängigen Sportboothafen schon die hohe Schule der Navigation.

Der Schiffer Joachim Elfers aber beherrscht den Ewer Johanna bis ins kleinste Detail und manövrierte ihn am vergangenen Sonnabend zusammen mit der Crew unter Motorantrieb und eingezogenen Segeln sicher an den Anleger im Hafen. Zuvor hatten sie das große Museumsschiff in dem kleinen Hafenbecken in einem geschickten Manöver gedreht, um gleich startklar zum Auslaufen am nächsten Morgen zu sein.

Kulturvereins-Chef Thomas Herion (links) hatte den Schiffer der Johanna, Joachim Elfers, und die Crew eingeladen.
Kirsten Heer
Kulturvereins-Chef Thomas Herion (links) hatte den Schiffer der Johanna, Joachim Elfers, und die Crew eingeladen.
 

Elfers und seine Crew, alle Mitglieder des Vereins „Freunde des Besan-Ewer Johanna“, befinden sich zurzeit auf einem Ausbildungstörn und hatten auf Einladung des Vorsitzenden des Kulturvereins Haseldorfer Marsch, Thomas Herion, den ersten Zwischenstopp ihrer einwöchigen Tour im Haseldorfer Hafen eingelegt. Ausgelaufen waren sie mit dem alten Ewer am späten Morgen bei ruhiger See und unter sengender Sonne in Hamburg-Finkenwerder, dem Heimathafen der Johanna.

Schon vor Stade schlug das Wetter um und die Johanna geriet in heftiges Sommergewitter mit starken Windböen und Niederschlag. Da die Wetterlage natürlich vorher bekannt und die Vorboten am Himmel deutlich sichtbar waren, gab es für Elfers und die Crew die erste Möglichkeit, eine extreme Situation an Bord zu trainieren. Die bunt gemischte Mannschaft aus allen Berufen mit Michael Dackau, Sabine Hansen, Susanne Weber, Pascal Lubin, Annette Schmidt und dem spontan an Bord gegangenen Julian Konrath aus Graz, der sich zurzeit auf Weltreise mit seinem Motorrad befindet, zeigte ein perfektes Miteinander. Sie alle lieben die Johanna, die Eigentum der Stiftung Hamburg Maritim ist, und von den etwa 60 Vereinsmitgliedern gehegt, gepflegt und gesegelt wird. Finanziert werden die notwendigen Sanierungsarbeiten und Unterhaltskosten mit Charterfahrten.

Die Johanna  ist auch unter Segeln ein echter Hingucker für Bootsliebhaber.
sh:z
Die Johanna ist auch unter Segeln ein echter Hingucker für Bootsliebhaber.
 

Die Schiffstouren beginnen in der Regel im Kutterhafen in Finkenwerder. Dann geht es mit Abstechern in die Nebenflüsse elbabwärts. Die Routen richten sich nach Wind und Tide. Sie dauern rund viereinhalb Stunden. Es können aber auch längere Fahrten mit Übernachtung gebucht werden. Die Johanna wird von einem Schiffer geführt, der speziell ausgebildet ist und ein Patent hat, um den Ewer sicher zu lenken.

Für die Mannschaft endete der Abend vergnüglich mit einer zünftigen Party im Garten von Herion, der durch einen Tauschhandel dafür gesorgt hatte, dass die Johanna eine identische Maschine bekam. Bevor es am nächsten Morgen um fünf Uhr weiter gen Nordsee ging, wurde in lauer Sommernacht noch viel geklönt, gegessen und getrunken.

Der Besan-Ewer Johanna wurde 1903 als Hertha für den Schiffer Heinrich Vöge auf der Thormählen-Werft in Elmshorn gebaut. Damals wurde der Ewer nur von dem Schiffer und seinem Knecht befahren, was großes Können verlangte. Die Hertha fuhr  mit sieben Segeln von einer Fläche von 165 Quadratmetern und erhielt erst Ende der 1920er-Jahre einen Motor. Die flachen Frachtensegler mit stählernem Rumpf, zwei Masten und mit einem maximalen Tiefgang von 1,25 Metern, waren damals eine imposante Flotte, die den Warenstrom zwischen Hamburg und den niederelbischen Marschen sicherte. Es wurde ebenso Baumaterial wie Stückgut, Obst und Gemüse befördert. Heute kann die Johanna, die mehrmals die Namen sowie die Besitzer wechselte vom Verein Freunde des Besan-Ewer Johanna gechartert werden.  

Kontakt: charter@stiftung-hamburg-maritim.de

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen