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Wedel-Schulauer Tageblatt

18. August 2017 | 18:48 Uhr

Von Wedel aus um die Welt

vom

Wedel | Angefangen hatte alles vor vier Jahren. Im Juli 2009 lasen Karsten und Sheila Witt in einer Fachzeitschrift einen Artikel über eine organisierte Weltumseglung. "Lass uns das mal machen, wenn ich in Rente gehe", schlug der damals 50-jährige leidenschaftliche Skipper seiner Ehefrau vor. "Warum sollen wir so lange warten", fragte diese zurück. Damit war der erste Pflock für eine zwei Jahre dauernde Vorbereitung eingeschlagen. Am 1. Juni 2011 starteten die Rissener ihren Super-Törn von Wedel aus. Jetzt sind sie mit ihrer 17-Meter-Yacht "Gunvør" wieder im Hamburger Yachthafen gelandet - voll von Eindrücken einer ungewöhnlichen Reise über alle drei Ozeane.

Zurück in den Sommer 2009. Witt, gebürtiger Schwede und nach wie vor Inhaber eines Passes des skandinavischen Staats, führt in Pinneberg gemeinsam mit seinem Bruder in dritter Generation die Firma Witt & Sohn, ein Betrieb, der leistungsstarke Ventilatoren herstellt. Er ordert bei der dänischen Werft "Ex-Yacht" in Hadersleben ein Serienschiff und lässt es nach seinen Wünschen modifizieren. Zeitgleich stellen er und seine kanadische Ehefrau Sheila die Crew zusammen. Mit von der Partie sollen auf jeden Fall ihre Kinder Ian und Birgitte sein, damals 17 und 20 Jahre alt. Eine Kernmannschaft von zehn Skippern ist schnell gefunden, darunter etliche, die ebenso wie die Witts der Segler-Vereinigung Altona-Oevelgönne angehören. Insgesamt sind es 40 erfahrene Segler, die für den Törn engagiert werden, eine internationale Besetzung mit Skippern unter anderem aus Estland, Australien, Kanada, Dänemark, der Schweiz und den USA. Immerhin gilt es, eine "Atlantic Rallye for Cruisers" zu absolvieren - eine völlig andere Art von Weltumseglung.

Frühjahr 2010: Die "Gunvør" ist fertig, eine "Probefahrt" führt die Crew rund um Großbritannien. Im Herbst kommt das Schiff zurück in die Werft, kleine "Macken" werden behoben, und im Frühjahr 2011 liegt der Segler im Hamburger Yachthafen in Wedel bereit für die große Reise. Ein Segelmacher, ein Bootsbauer und ein Elektriker aus der Rolandstadt geben der "Gunvør" den letzten Schliff und stehen auch über Satellitentelefon für Tipps während des Törns ständig zur Verfügung. "Das war uns oft eine große Hilfe", sagt Karsten Witt. Nach dem Start am 1. Juni heißt es "Kurs England". Von Southampton geht es nach Nordspanien, anschließend entlang der portugiesischen Küste und bis Gran Canaria. Von dort startet die erste Regatta mit mehr als 200 Schiffen in die Karibik zur Insel St. Lucia. Die "Gunvør"-Crew landet auf dem ersten Platz und wird dafür mit einem Pokal aus den Händen des Gouverneurs des Eilands belohnt.

Weiter geht es nach Panama, anschließend über den Äquator nach Galapagos und Französisch Polynesien im südlichen Pazifik. Die Besetzung der Crew wechselt an nahezu fast jeder Station, die Skipper kommen mit dem Flieger angereist, auch Karsten und Sheila Witt machen immer wieder eine Pause und düsen für eine kurze Unterbrechung in die Heimat zurück. Im Sommer 2012 segelt die "Gunvør" durch die gesamte Südsee, ankert vor den Cook Islands, Fidschi und Tonga. Anschließend geht es nach Australien. Das Great Barrier Reef wird überquert, dann führt der Törn die Skipper weiter nach Mauritius und den Norden Südafrikas mit einer Umrundung des Kaps der guten Hoffnung. Pünktlich zum Karneval im Februar 2013 erreicht die Crew Brasilien. Zurück in der Karibik wird der Segler auf den Virgin Islands verfrachtet und nach Southampton gebracht. "Wir wollten die Strecke nach Europa nicht mehr segeln", erläuterte Karsten Witt. In England startet die letzte Etappe durch den Ärmelkanal und über die Nordsee zum Heimathafen Wedel. Insgesamt 34 000 Seemeilen, das sind etwa 60 000 Kilometer, hat die "Gunvør" zurückgelegt.

"Es war nicht nur ein tolles Erlebnis, sondern auch irgendwie ein Abenteuer", resümieren die Witts. Unheimlich sei es geworden, als bei der nächtlichen Fahrt durch das Great Barrier Riff das Boot einen Wal, der sich zum Schlafen an der Wasseroberfläche "hingelegt" hatte, rammte. "Es gab einen harten Ruck, der Wal kam kurz hoch, ließ eine Fontäne los und schwamm weiter. Bei einem kleineren Schiff wäre vielleicht der Kiel abgerissen oder ins Boot gedrückt worden".

Problematisch wurde es auch, als wegen einer Materialermüdung ein Saling, eine Querstange am Mast, brach. "Ich war nicht auf dem Schiff, gerade geschäftlich in Kopenhagen", so Karsten Witt. Doch mit Organisationstalent schaffte der Unternehmers das schier Unmögliche: Ein Mechaniker baute das Teil innerhalb von 24 Stunden neu, brachte es per Flieger zur "Gunvør" und setzte es ein.

"Das Schönste war, diese Weltumseglung gemeinsam mit meiner Frau und den Kindern zu erleben", zieht Karsten Witt ein Fazit. Sheila Witt ist stolz darauf, ein ehrgeiziges Ziel erreicht zu haben. "Die Südsee ist ein Teil der Erde, der am schönsten ist", schwärmen sie. Bis Oktober wird die "Gunvør" noch in Wedel liegen, dann soll sie überholt werden. Im nächsten Jahr werden die Witts im Hafen von Gelting an der Ostsee anlegen. "Wir wollen die so genannte dänische Südsee erkunden", haben sie sich vorgenommen.

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erstellt am 06.Aug.2013 | 01:14 Uhr

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