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Wedel-Schulauer Tageblatt

19. Oktober 2017 | 21:00 Uhr

Von Schatzinsel zum Pilotprojekt

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Beinahe wäre die Idee „Marschtreff“ in Hetlingen an Raummangel gescheitert / Neubürger wollen Laden mietfrei für Testphase anbieten

shz.de von
erstellt am 06.Feb.2014 | 16:00 Uhr

In Hetlingen soll es wieder einen Dorfladen geben. Seit langer Zeit wird in der Projektgruppe „Marschtreff“ darüber beraten, nun werden Nägel mit Köpfen gemacht. Wie das Verkaufs-Angebot gestaltet wird, steht noch in den Sternen. Klar ist: Am 1. April soll es los gehen, die Pilot-Phase soll ein halbes Jahr dauern. Und zwar an bewährter Stelle: in der Hauptstraße 37 – mietfrei.


Renovierung in Eigenregie


Eigentlich sollte die Idee „Marschtreff“ in Hetlingen im Januar von der Projektgruppe beerdigt werden. Jan Prange, der den kleinen Laden mit Café betreuen wollte, war frustriert. Denn auch nach langer Suche fehlten geeignete Räume. Im Gespräch war die Filiale der Raiffeisenbank gewesen, aber die Verantwortlichen winkten ab. Auch der Dorfgasthof „Op de Deel“ war keine Alternative.

Doch statt den Abschiedsblues zu spielen, konnte eine Aufbruchshymne intoniert werden. Ein Neubürger bot das notwendige Instrument. Im Oktober 2013 waren Rusta (38) Mizani mit Ehefrau Fiona (37) und Sohn Elliot (15 Monate) in die Marschgemeinde gezogen. Der Verwaltungsleiter der Filmförderung Hamburg/Schleswig-Holstein und die Übersetzerin kauften das etwa 100 Jahre alte Haus Nummer 37 an der Hauptstraße. Statt es abzureißen, lassen sie es derzeit liebvoll restaurieren. Als sie von der „Marschtreff-Initiative“ und der Raumnot lasen, meldeten sie sich bei der Projektgruppe. Denn zu ihrem neuen Heim gehört auch ein etwa 40 Quadratmeter großer Laden. In dem waren früher die Post, später die „Schatzinsel“ mit seinem Gemischtwarenangebot und zuletzt ein Friseur untergebracht. „Ich würde es toll finden, wenn die Initiative nicht an banalen Dingen scheitert“, begründet der Sohn einer Dithmarscherin und eines Iraners sein Engagement.

Mizani und seine Frau, eine gebürtige Engländerin, mögen ungewöhnliche Dinge. Fünf Jahre lang haben sie in Berlin eine Kleinkunst-Bar betrieben. Sechs Sessel, eine Couch – so beschrieb eine Szene-Zeitung die Einrichtung des kleinen In-Lokals „Café Rosa“ mit nur 17 Quadratmetern Fläche plus einem Basement gleicher Größe, das seinen Namen durch den Standort bekam, am Rosa-Luxemburg-Platz. „Konzerte, Lesungen, Comedy: Wir hatten 20 Veranstaltungen im Monat“, sagt Mizani, der damals in der Bundeshauptstadt als Filmproduzent arbeitete. „Sobald man eine Tür hat, die sich öffnen lässt, passieren lustige Dinge“, sagt Mizani. Der gebürtige Hamburger, der natürlich auch Platt versteht, will sich in dem Laden-Projekt engagieren: „Die Gruppe ist wirklich nett, und ich finde es toll, dass es jenseits der Kommunalpolitik ist.“

Die Renovierung des „Marschtreffs“ soll in Eigenregie geschehen, sagte Initiativ-Mitglied Prange gestern am Tageblatt-Telefon. „Das Ganze hängt auch an der Lust der Hetlinger, dort mitzumachen“, so Prange. Mizani sieht den Treff ebenfalls als Mitmachort an: „Es braucht jemanden, der es anfängt.“ Er findet solche Projekte wichtig, um der Verödung der Dörfer entgegenzuwirken.

Das nächste Projekt-Treffen findet am Donnerstag, 20. Februar, ab 20 Uhr in der Gaststätte „Op de Deel“ (Schulstraße) statt. Weitere Infos bei Prange unter der Telefonnummer (0 41 03) 1 89 58 78.

In der Gemeinde Heidgraben entsteht derzeit auch ein „MarktTreff“. Die Eröffnung hat sich abermals verzögert. Erster stellvertretender Bürgermeister Egbert Hagen (CDU) sagte gestern auf Nachfrage, dass sie voraussichtlich Ende April stattfindet.

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