Vom Museums-Sofa ins Eheglück

In der Werkstatt von Uwe Jens (rechts) entstand unter den Meisterhänden von Manuel Hollers das Hochzeits-Sofa für das Moorreger Museum.
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In der Werkstatt von Uwe Jens (rechts) entstand unter den Meisterhänden von Manuel Hollers das Hochzeits-Sofa für das Moorreger Museum.

Im Moorreger Heimatmuseum kann künftig auch geheiratet werden / Das 100 Jahre alte Sitzmöbel wurde in Uetersen aufgearbeitet

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27. März 2014, 16:00 Uhr

Manuel Hollers streicht mit sanfter Hand über die streifenverzierte Rückenlehne. Der Raumausstatter-Meister aus Moorrege ist sichtlich stolz auf sein Werk: In kunstvoller Handarbeit hat er ein Unikat geschaffen, auf dem künftig Bündnisse fürs Leben geschlossen werden. Im Heimatmuseum Moorrege in der Klinkerstraße 82 kann bald geheiratet werden. Und zwar auf dem Sofa.

Moorreges Bürgermeister Karl-Heinz Weinberg (CDU) hat für das Dorfmuseum um Spenden gebeten. Die Klevendeicher Landwirtsfamilie von Hertha Timm verschenkte das Sofa, das 30 bis 40 Jahre lang auf der Tenne stand und nicht mehr genutzt wurde. Es stammt etwa von 1910, schätzt Uwe Jens. Das Sitzmöbel ist also etwa so alt, wie der von Jens geleitete Uetersener Familienbetrieb. Der Raumausstatter bekam von der Gemeinde Moorrege den Zuschlag, aus dem Geschenk ein wahres Prachtstück zu machen.

Jens und Hollers haben das Hochzeits-Sofa regelrecht auseinandergenommen und neu aufgebaut. Das Buchenholzgestell wurde neu verleimt. Über Kreuz wurden Jutegurte befestigt, auf die dann die verkupferten Stahlsprungfedern montiert wurden. Über die Sprungfedern spannte Hollers Federleinen, das in der Struktur Jutesäcken ähnelt.

Anschließend wurde das Polster grunderneuert. Dafür wurde Palmfaser aus Marokko verwendet, wie es auch früher üblich war. Die Palmfaser wurde mit Hilfe einer 44,5 Zentimeter langen Durchnähnadel und einem aus Flachs bestehenden gewachsten Garnierfaden per Hand genäht. Darauf wurde ein Weißpolster (Nesselstoff) gelegt, das an das Polster genäht und mit Polsternägeln am Rahmen fixiert wurde.

Erst danach bekam das Hochzeitssofa durch den Polsterstoff den letzten Schliff. Das Design wurde passend zur strengen Linie des Sitzmöbels gewählt. Hergestellt wurde das klassische Flachgewebe aus Baumwolle und Viskose mit Stilstreifen in Italien. Vom 1,40 Meter breiten Stoff wurden sieben Meter benötigt. Denn das 155 Zentimeter breite und 75 Zentimeter tiefe Trau-Sofa mit seiner 1,10 Meter hohen Rückenlehne ist auch von hinten schön – damit es frei im Museumszimmer stehen kann.

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