Vom Eindruck des Abdrucks

„Faltung“.
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„Faltung“.

Karl-Heinz Boyke stellt im Reepschlägerhaus aus

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22. Juni 2018, 16:00 Uhr

„Informelle Kunst“ ist ein Sammelbegriff aus den 1940er/1950er Jahren, der die verschiedenen Stilrichtungen der abstrakten und gegenstandslosen Kunst der damaligen Zeit zusammenfasste. Wenn der Maler und Bildhauer Karl-Heinz Boyke (kleines Foto) seine kommende Ausstellung im Reepschlägerhaus also mit dem Titel „Karl-Heinz Boyke – non informell – Zeitgenössische Kunst“ überschreibt, will er sich damit explizit von der Abstraktion absetzen. Die Werke, die Boyke ab Donnerstag, 28. Juni, in der Teestuben-Galerie in der Schauenburgerstraße zeigt, sind also nicht gegenstandslos. Intention des Künstlers sei es vielmehr, Vertrautes in neue Zusammenhänge zu setzen, um eine andere, neue Wirklichkeit zu erzeugen, heißt es in einer Vorstellung seiner Arbeiten.

Schon in seiner Kindheit haben Boyke Spuren fasziniert. Und auch als Künstler setzt er sich mit dem, was vom Abdruck bleibt, intensiv auseinander. „Drückt man Gegenstände in eine weiche Tonplatte und gießt die Vertiefung mit flüssigem Gips aus, wird der ausgehärtete Gipsabdruck zur Positivform und damit zum Relief, das einen neuen Blick auf die Dinge bietet“, erklärt das Reepschlägerhaus in seiner Ankündigung. Das Glückstädter Atelier des Künstlers ist übervoll von solchen Abgüssen. Die nutzt Boyke als Bausteine, um mit sicherem, gestalterischem Gespür neue Figuren zu kreieren. Neues Verkleben schafft neue Zusammenhänge, lautet die Devise des Bildhauers.


Mit Spachtel, Besen und Rakel

Auch in der bildenden Kunst beschreitet der Künstler neue Wege. Boyke findet auch in der Malerei seinen ganz eigenen Ansatz, für den er wie in seiner Objektkunst neue Techniken entwickelt. Mit Spachtel und Pinsel werden die häufig von schwarz dominierten Bilder in schnellem Strich bearbeitet, gelegentlich auch mit Besen und Rakel. „Schwarz ist für mich kein Gemütszustand, sondern die Summe aller Farben“, sagt Boyke in Bezug auf seine Farbpräferenz. So schnell der Strich im Impuls auf die Leinwand kommt: Bis ein Bild fertig ist, kann es Jahre dauern. Boyke benötigt Abstand, lässt die Werke liegen und malt sie viel später in neuem Ansatz zu Ende.

Der in Uetersen geborene Künstler studierte in Kiel an der Muthesius-Kunsthochschule Bildhauerei bei unterschiedlichen Dozenten. Seinen wahren Lehrmeister fand Boyke jedoch im Künstler und Mentor Professor Walter Arno, dem er viele Jahre als Assistent zur Seite stand. Arno habe ihn künstlerisch und handwerklich stark geprägt, sagt Boyke: „Bei ihm lernte ich, Bildhauerei in tonnenschweren Dimensionen zu denken. Kunst, die Arno souverän zu bewegen wusste. Sein Atelier in Ekholt bei Hamburg mit großem Maschinenpark glich eher einem Industriebetrieb.“

Im Kreis Pinneberg sind viele von Boykes Skulpturen auch im öffentlichen Raum zu sehen. Die Granitskulpturen „Contrapposto“ können im Skulpturen Park Elmshorn besichtigt werden. Vor der Elmshorner Astrid-Lindgren-Schule steht „Der kleine Onkel“, und die Bronzeskulptur „Architrav“ findet sich vor den dortigen Stadtwerken. Für die Pausenhalle der Barmstedter Geschwister-Scholl-Schule gestaltete Boyke eine Betonskulptur als tragendes Säulenelement, und auf dem Schulhof der Grundschule Bickbargen in Halstenbek steht ein drei Meter hoher Beton-Obelisk des Künstlers. Die Ausstellung im Reepschlägerhaus beginnt am Donnerstag um 19.30 Uhr mit einer öffentlichen Vernissage.

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