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Wedel-Schulauer Tageblatt

20. Oktober 2017 | 02:21 Uhr

Viel Lärm um BI-Spendenaufrufe

vom

shz.de von
erstellt am 02.Aug.2013 | 03:14 Uhr

Wedel | Der öffentlich geäußerte Verdacht wiegt schwer: Die Bürgerinitiative (BI) "Stopp! Kein Mega-Kraftwerk Wedel" soll sich in Rechner des Klimaschutzfonds (KfW) gehackt und Mitgliederdaten gestohlen und dann um Spendengelder gebettelt haben. Das schreibt Klimaschutzfonds-Chef Michael Koehn in einer Pressemitteilung, die zwischenzeitlich auch auf wedel.de veröffentlicht wurde. Das wedel.de-Redaktionsteam hat den Artikel gestern Nachmittag wieder gelöscht.

Auf Tageblatt-Nachfrage bleibt Koehn bei seinen Verdächtigungen. Drei Mitglieder hätten sich bei ihm gemeldet, sich über die BI-Schreiben beschwert und gewundert, woher die Kraftwerkskritiker ihre Adressen hätten. In der Pressemitteilung schrieb Koehn, mit dem Brief sollte "unter dem Deckmantel einer Wedeler CO 2 -Bilanz Gelder für die Kraftwerks-Bürgerinitiative (BI) erbettelt werden".

Sorgen mache dem Verein, wie die BI an die Daten der angeschrieben Mitglieder gekommen sei. Die Dateien seien auf verschiedenen, gesicherten Computern gespeichert. "Wir haben zwar bisher noch keine Kenntnis von unbefugtem Zugriff", so Koehn, "wir werden das aber sehr gründlich prüfen und Spezialisten hinzuziehen müssen. Wir wissen nicht, ob es in der BI Menschen gibt, die zu einem Hacker-Angriff in der Lage wären. Sollte das der Fall sein, werden wir rechtliche Schritte folgen lassen."

BI-Sprecherin Kerstin Luekow weist die Vorwürfe im Tageblatt-Gespräch entschieden zurück: "Das ist völlig überzogen. Wir haben uns in keine Computer gehackt." Die BI habe verschiedene Unternehmen angeschrieben und um finanzielle Unterstützung für künftige Aktionen geworben, bestätigt Hanne Harder, die den Spendenaufruf initiierte.

Allerdings habe sie sich dafür nicht in fremde Computer gehackt. "Ich habe Unternehmen gesucht, die vielleicht Interesse haben, unsere BI zu unterstützen", erklärt sie. Darunter seien auch jene Firmen gewesen, die der Klimaschutzfonds auf seiner Webseite offiziell als Unterstützer auflistet und auf deren Internetseiten er verlinkt. Zumindest zwei der drei Fonds-Mitglieder, die sich bei Koehn beschwerten, werden auch als Unterstützer auf der Klimaschutzfonds-Seite aufgeführt.

Für die BI lag der Schritt nahe, sich mit der Bitte um finanzielle Unterstützung an Firmen zu wenden. "Man kriegt keine Spenden, wenn man die Leute nicht fragt", sagt Harder.

Auch den Klimaschutzfonds haben die Klimakritiker angeschrieben. "Wir haben viel für den Klimaschutz getan. Durch unsere Bemühungen haben wir erreicht, dass das Gas- und Dampfturbinenheizkraftwerk (GuD) kleiner gebaut wird als ursprünglich geplant und dadurch der CO2-Ausstoß reduziert wird", erklärt Luekow. Kohlendioxid einsparen: Das sei schließlich eines Ziel des Klimaschutzfonds. Da der Verein über zu hohe finanzielle Rücklagen verfüge und diese schnell abbauen müsse (wir berichteten), sei man an ihn herangetreten. "Anzufragen ist doch nicht unseriös", sagt Luekow.

Allerdings dürfte Koehn kein Interesse an einer Unterstützung der BI haben. Seiner Aussage nach haben Klimaschutzfonds und Kraftwerkskritiker kaum gemeinsame Interessen. "Im Gegensatz zur BI handelt der Klimaschutzfonds Wedel nach dem Motto: Global denken - lokal handeln ", so Koehn. Dem globalen Klimaschutz sei wesentlich mehr gedient, wenn ein altes Kohlekraftwerk durch ein neueres GuD zu ersetzen, als wenn nur die CO2-Emmissionen vom eigenen Hinterhof gekehrt werden, sagt Koehn.

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