Wedel : VHS vor unsicherer Zukunft

WSI, FDP −und Grüne wollen den Verkauf des Gebäudes in ABC-Straße diskutieren. SPD und Linke lehnen diesen Schritt ab.

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24. Januar 2015, 10:00 Uhr

Wedel | Die Sparzwänge in Wedel könnten auch vor Volkshochschule (VHS) und Musikschule nicht Halt machen. Im Gespräch mit dem Tageblatt schloss eine Mehrheit der Fraktionen den Verkauf des Gebäudes in der ABC-Straße, in dem die beiden Einrichtungen ihren Sitz haben, nicht aus. Nur SPD und Linke positionieren sich gegen diesen Schritt.

Der Vorschlag zum Verkauf kam von der Wedeler CDU. Auch das Kursusangebot soll auf Doppelungen untersucht werden. In den nächsten Tagen wird eine fraktionsübergreifende Arbeitsgruppe zusammentreten und überlegen, wo die Stadt bei den Bildungseinrichtungen den Rotstift ansetzen könnte.

Der Idee, die Immobilie zu verkaufen und die Schulen ihr Angebot dezentral anbieten zu lassen, kann der SPD-Vorsitzende Lothar Barop nichts abgewinnen. „Das Haus in der ABC–Straße ist auch ein sozialer Treffpunkt für Wedel.“ Der Grundstücksverkauf wäre aus seiner Sicht ein finanzieller Einmaleffekt. Barops Urteil: „Fragwürdig.“ Der Sozialdemokrat möchte stattdessen die Fixkosten senken und in in den Abläufen Geld sparen. Die VHS könne außerdem Einnahmen erwirtschaften, indem sie für Wedeler Firmen Fortbildungen anbiete.

„Wir sind strikt gegen einen Verkauf des Gebäudes“, betont Detlef Murphy von den Wedeler Linken. Würde man das Haus an einen Investor verkaufen, würde Wedel nur sein Tafelsilber verschleudern, so der Ratsherr. Das Programm der Einrichtungen auszulagern, hält Murphy für wenig praktikabel. In den Wedeler Schulen sei wegen des Ganztagsunterrichts kaum Platz, die Kurse müssten alle in den Abend gelegt werden. Auch einer Verschlankung des Programms kann Murphy nicht viel abgewinnen. „Kurse, die auch anderswo angeboten werden, sind meist die, an denen die VHS noch Geld verdient.“ Würde man das Programm an dieser Stelle kürzen, müsste anderswo wieder mehr zugezahlt werden.

Konstruktive Gespräche gewünscht

Renate Koschorrek (FDP) wünscht sich zunächst konstruktive Gespräche. „Wir wollen uns langsam an mögliche Lösungen herantasten.“ Die liberale Politikerin möchte die grundlegende Frage stellen, was eine Volkshochschule bieten muss und worauf verzichtet werden könnte. Die Institutionen sollten nicht ihrer Identität beraubt werden. Koschorrek gibt aber zu bedenken, dass die VHS im Wettbewerb mit privaten Anbietern stehe. „Bei manchen Angeboten müssen wir uns fragen, ob es fair ist, eine Einrichtung mit Steuergeldern zu subventionieren.“

Grünen-Fraktionschef Olaf Wuttke findet es grundsätzlich richtig, Flächenreserven der Stadt zu prüfen. Er sagt aber auch: „Eine gigantische Reise nach Jerusalem ist kontraproduktiv.“ Die Politik bräuchte auf jeden Fall erst einmal mehr Informationen, um eine fundierte Entscheidung treffen zu können.

Auch für Joachim Funck von der WSI wäre ein Verkauf des Hauses in der ABC-Straße kein grundsätzliches Tabu. „Wir müssen schauen, ob wir uns das Grundstück noch leisten können“, sagt der Ratsherr. Bei einer Möglichen weiteren Nutzung habe für seine Fraktion aber sozialer Wohnungsbau absolute Priorität. Auch beim Angebot der Einrichtungen gilt für Funck: „Erstmal alles prüfen.“ Man müsse den Wedeler Bürgern auch zumuten können, flexibler zu werden.

Wann die Arbeitsgruppe das erste Mal zusammentritt, steht noch nicht fest. Die Mitglieder sollen einen Prüfauftrag für die Stadtverwaltung erarbeiten. Dann könnte von den Fachleuten im Rathaus ein konkretes Sparkonzept erstellt werden.

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