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91-Jähriger aus Wedel : VHS-Rechnung einmalig nicht bezahlt und sofort abgemahnt

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Der Wedeler ist enttäuscht über sofortige Mahnung. „Das Verhalten der Stadt ist rigoros.“

shz.de von
erstellt am 10.Apr.2015 | 16:00 Uhr

Wedel | „Ich bin enttäuscht“, sagt Carl Wetzel. Der Wedeler ist sichtlich verärgert. „Das Verhalten der Stadt ist rigoros, sehr hart, ich hab mich richtig aufgeregt.“ Weil der 91-Jährige es verschwitzte seinen Yogakursus an der Wedeler Volkshochschule (VHS) termingerecht zu bezahlen, flatterte ihm sogleich eine Mahnung ins Haus. Eigentlich erwarte man doch erst einmal eine Zahlungserinnerung, sagt Wetzel. Eine Nachfrage, ob einem entgangen sei zu zahlen, verbunden mit der Aufforderung, das doch bitte nachzuholen.

Wedels Stadtkasse aber verhält sich völlig anders. Ohne Vorgeplänkel verschickt sie sofort Mahnungen: mit Kassenzeichen, Mahngebühren und dem Hinweis auf Vollstreckungskosten. Sehr unfreundlich, so der Rentner: „In der freien Wirtschaft können sie so etwas nicht machen, dann hätten sie bald keine Kunden mehr.“

Der 91-Jährige ist nicht nur seit seinem Ruhestand – seit mehr als 25 Jahren – treuer Yogaschüler der VHS. Er ist darüber hinaus, genau wie seine Frau, der Einrichtung eng verbunden. Sie gab jahrzehntelang Schneiderkurse und leitet jetzt den Seniorenkreis. Er unterrichtete 15 Jahre lang Textverarbeitung. Zusammen organisierten sie über 31 Jahre hinweg die Studienreisen der VHS. Der Kontakt sei immer hervorragend gewesen, so Wetzel.

71,20 Euro kostet der Yogakursus, für den es jetzt die Mahnung mit Forderung von 4,50 Euro Mahngebühren gab. Eigentlich werden die Zahlungen des Ehepaars abgebucht. Doch weil die VHS ihr Prozedere änderte, man nicht mehr Anmeldungen abgibt, sondern sich am Ende des alten Kurses einfach in eine Liste einträgt, flutschte Wetzel irgend etwas durch.

Was ärgert, ist der Ton, mit dem die Stadt
säumige Schuldner angeht

Der 91-Jährige will nichts beschönigen. Er sieht seinen Fehler unumwunden ein: Er hat nicht termingerecht überwiesen. Was ihn ärgert, ist der Ton, mit dem die Stadt säumige Schuldner angeht. „Von Bürgernähe ist hier leider nichts zu spüren“, beklagt Wetzel.

Unsere Zeitung fragt bei der Stadt nach und erhält von Volkmar Scholz, Fachdienstleiter Finanzen, den Sachverhalt erklärt: „Die gesetzlichen Bestimmungen zum Vollstreckungsverfahren sehen keine Zahlungserinnerung vor“, erläutert Scholz. „Leider reagieren auf Zahlungserinnerungen nur wenige Zahlungspflichtige, so dass in der Folge doch eine Mahnung erforderlich wurde. Eine unverbindliche Zahlungserinnerung vor der gesetzlich vorgeschriebenen Mahnung verlängert dann das gesamte Verfahren und führt zu zusätzlichen Kosten, die von der Allgemeinheit zu tragen sind.“

Den Betrag hat der Yogaschüler übrigens sofort beglichen. Die 4,50 Euro Mahngebühren hat er allerdings nicht gezahlt. Die werden von der Stadt auch nicht angemahnt werden, erklärt Scholz auf Nachfrage, denn „grundsätzlich werden Kleinbeträge nicht vollstreckt.“

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