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Wedel-Schulauer Tageblatt

21. Oktober 2017 | 05:36 Uhr

Vernachlässigt Wedel eine Perle?

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Elbufer Fotograf Wolfgang Reich beklagt dichten Weidenbewuchs am Höhenweg / „Ausblick ist einzigartig in Europa“

Wer einen Spaziergang über den Elbhöhenweg in Wedel macht, hat teils einen atemberaubenden Ausblick. In unmittelbarer Nähe schieben sich riesige Containerschiffe in Richtung Hamburg oder in Richtung Nordsee, der großen weiten Welt entgegen. Auf der niedersächsischen Seite liegt unverbaute Auenlandschaft. Doch Wedel vernachlässigt diese Perle. Dieser Meinung ist jedenfalls Wolfgang Reich. Er kritisiert den dichten Weidenbewuchs, der die freie Sicht versperrt. Die Stadt weigere sich, die Bäume zu stutzen.

„Dieser Höhenweg ist europaweit, vielleicht sogar weltweit einzigartig. Wo sonst kommt man den fahrenden Containerriesen so nahe?“, fragt Reich. Der Höhenweg zieht sich über etwa eineinhalb Kilometer Länge am Elbhang entlang. Er führt vom Schulauer Fährhaus zum Kohlekraftwerk. Es schließt sich der Elbwanderweg an, der auf Hamburger Seite bis zu den Landungsbrücken reicht. Auf Wedeler Seite liegt er 14 Meter über dem Meeresspiegel. Die Fahrrinne für die dicken Pötte ist nur etwa 300 Meter entfernt. Eine Top-Lage für Spaziergänger und Fotografen auf Jagd nach maritimen Motiven. Und so wirbt Wedel auf seiner eigenen Internetseite für eine Tour dort. So ermöglichten „niedrige Gräserpflanzungen weite Blicke über den Strand und die Elbe bis nach Niedersachsen“, heißt es dort.

Doch genau da hakt es nach Ansicht Reichs. Vor allem zwischen Kraftwerk und dem Altenheim Graf-Luckner-Haus wuchern die Weiden. „Von den Schiffen sieht man mit Glück noch die oberste Containerreihe“, klagt Reich. Das Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) habe die Bäume dort gestutzt, wo Seezeichen stehen. Doch für den Rest sei die Stadt Wedel zuständig. „Es ist noch nicht ausreichend im Bewusstsein der Stadt, welche Besonderheit der Weg ist. Wedel müsste noch viel stärker damit werben“, sagt Reich. Aus Gesprächen mit Spaziergängern wisse er, dass viele Menschen aus der ganzen Region kämen, um die Schönheit des Höhenwegs zu genießen. „Die Stadt steckt ja auch viel Geld in die Unterhaltung. Wäre ich Marketingverantwortlicher, würde ich viel mehr mit der Strecke wuchern.“

Reich wohnt zwar an der Königsbergstraße. Doch die Interessen eines Immobilienbesitzers verfolgt er anscheinend nicht. Seine Wohnung liegt in zweiter Reihe noch nördlich der Straße. Einen freien Blick auf die Elbe hat er von seinem Grundstück nicht – dichter Bewuchs hin oder her. „Ich möchte als Fotograf den freien Blick genießen. Das dürfte auch im Interesse der vielen Spaziergänger sein“, sagt Reich.

Reich kontaktierte im März die Wedeler Stadtverwaltung, um ihr sein Anliegen vorzutragen. „Ich habe E-Mails geschrieben und angerufen“, sagte Reich. Das Gespräch sei freundlich gewesen. Doch erreicht habe er nichts. „Argument war der Naturschutz. Außerdem sei es nicht Ziel der Stadt, den vollständigen Blick von Ufer zu Ufer zu gewährleisten“, sagt Reich. Verständnis dafür hat er nicht. „Es geht ja nicht darum, die Bäume zu fällen. Sie sollen nur regelmäßig zurückgeschnitten werden. Nur so kann die ganze Schönheit des Höhenwegs erhalten werden“, sagt Reich

Die Verwaltung der Stadt Wedel war gestern nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Sowohl das Bauamt als auch das Büro von Bürgermeister Niels Schmidt (parteilos) waren ab Mittag nicht mehr besetzt.

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