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Premiere im Theater Wedel : Vergnügliche Zeitreise in die 60er

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

„Die Perle Anna“: Barbara Kailuweit brilliert als Hausmädchen in der neuen Inszenierung der Komödie von Marc Camoletti.

Wer in das Paris der 60er Jahre reisen möchte, braucht sich derweil nur auf den Weg ins Wedeler Theater zu machen. Dort hatte jetzt das Stück „Die Perle Anna“ Premiere. Und es spielt eben in dieser Zeit und an jenem Ort in einer sogenannten gutbürgerlichen Wohnung. Dazu gibt es einen vergnüglichen Abend ohne Schwere oder Tiefsinn, so dass man mal wunderbar vom Alltag abschalten kann.

Allerdings geht es um ein Thema, das wohl so alt ist wie unsere Welt: Ein nicht mehr ganz taufrisches Ehepaar begibt sich auf Abwege, und zwar jede/r für sich und auf getrennten Pfaden. Bernard (Hans Kall) täuscht eine Dienstreise vor, um Zeit für sein reichlich junges Liebchen Catherine (Annalena Wilken) zu haben. Er animiert seine Gattin Claudine (Andrea Speer), derweil ihre alte Mutter zu besuchen.

Das passt der Ehefrau gut in den Kram, möchte sie sich doch allzu gerne ihrem jugendlichen Freund Robert (Timo Sauer) widmen. So denken sowohl Madame als auch Monsieur, der jeweils andere sei nicht daheim und es gäbe eine sturmfreie Bude. Im Endeffekt verreist niemand und alle vier tauchen in der Pariser Wohnung auf – natürlich immer so, dass man sich nicht begegnet.

Spannung, Lacher und Szenenapplaus

Dafür sorgt mit vollem Einsatz das Hausmädchen, eben die „Perle Anna“ (Barbara Kailuweit). Dabei wird man Zeuge mehr oder minder heißer Szenen. Robert versucht sich in einer Szene als Stripper, Schnapsflaschen tauchen auf und verschwinden auf (un)erklärliche Weise, am Ende wird sogar ein Revolver gezogen, bei dem glücklicherweise niemand zu Schaden kommt.

Da es sich um eine Komödie handelt, löst sich schlussendlich natürlich alles in Wohlgefallen auf. Aber bis es soweit ist, gibt es reichlich Spannung und Gelegenheit für Lacher und Szenenapplaus. Allerdings vermisste man auf der anderen Seite bei einigen Akteuren ein gewisses Maß an Intensität in der Rolle. Das betraf vor allem Bernard, der mitunter mehr aufsagte als spielte.

Nicht wirklich glaubwürdig war auch die Figur des Robert. Obwohl seine Spielleistung in Ordnung war, konnte man ihm den sportlichen Boxer, den er laut Rolle darzustellen hatte, nicht ganz abnehmen. Ein durchtrainierter junger Mann sieht eben, rein körperlich betrachtet, völlig anders aus. So war es für diesen Part einfach nicht die passende Besetzung, was dem Schauspieler natürlich nicht anzukreiden ist. Er gab sein Bestes.

Die Gattin Claudine und die jugendliche Geliebte Catherine erfüllten ihr Soll. Die Perle Anna bietet ausgiebig Gelegenheit, mit Brillanz aufzutrumpfen. Barbara Kailuweit nahm die Aufgabe an und erfüllte sie mit Bravour. Dabei verfiel sie nicht dem in der Rolle begründeten Reiz, alles zu übertrieben darzustellen und aufzuspielen – sie traf den Charakter auf den Punkt, nicht zu viel und nicht zu wenig.

Lediglich Mittelklasse war hingegen das Bühnenbild. Es zeigte einigermaßen stimmig Zeit und Ort, ließ aber das gewisse Etwas vermissen. Nun ist es sicher nicht das Nonplusultra, eine Pariser Durchschnittswohnung aus den 60er Jahren auf die Bühne zu bringen, aber ein bisschen mehr Liebe zum Detail wäre vielleicht ganz hilfreich gewesen.

Nachzutragen wäre, dass die Komödie eigentlich eher die 50er Jahre zeigt, schließlich ist sie bereits 1958 uraufgeführt worden. Später kam der Autor Marc Camoletti mit der Perle Anna sogar ins Guinness-Buch der Rekorde: Bis 1991 war sie 19 Jahre lang in 55 Ländern und in 18 Sprachen auf die Bühnen dieser Welt gebracht worden. Der französische Boulevard-Autor hat sogar Vorlagen für Hollywood-Filme geliefert.

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erstellt am 03.Feb.2014 | 12:00 Uhr

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