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Kraftwerk in Wedel : Vattenfall muss kurzfristig für weniger Lärm bei der Kohleentladung sorgen

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Gibt das Kraftwerk endlich Ruhe? Nächtliche Betriebsgeräusche werden reduziert.

shz.de von
erstellt am 20.Nov.2014 | 16:00 Uhr

Wedel | Endlich Aussicht auf Ruhe für die Anwohner des Heizkraftwerks Wedel. Nach monatelangem Zoff um überschrittene Lärmwerte am Tag wie auch in der Nacht durch Betrieb und Kohleentladungen jetzt offenbar die Wende: Als zuständige Aufsichtsbehörde hat das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) Lärmminderungsmaßnahmen angeordnet, die Vattenfall als Kraftwerksbetreiber kurzfristig umzusetzen hat. Bis 31. Januar gibt die Behörde dem Energiekonzern Zeit, um dafür zu sorgen, dass bei Entladung der Kohleschiffe der zulässige Tagesgrenzwert von 55 Dezibel (dB(A)) nicht überschritten wird. Bereits zum 1. Dezember soll Vattenfall ein entsprechendes Konzept vorlegen. Bis Ende März müssen Erfolge durch Messungen belegt werden.

Auch die Zeit, da Schiffe in unmittelbarer Nähe der Wohnbebauung im Quartier Hellgrund angelegt haben, ist per Verfügung vorbei. Maximal 100 Meter vom westlichen Endpunkt der Kaianlage darf künftig mit dem Kohle-Kran entladen werden. Damit rückt eine Lärmquelle weg von den Wohnhäusern.

„Das hat zwei Jahre gedauert. Ich habe mich wirklich gefreut“, kommentiert Anwohner-Sprecherin Kerstin Lueckow die Anordnung. „Es hat lange gedauert, bis hier geltendem Recht entsprochen wird.“ Wie berichtet hatte das LLUR nach Anwohnerklagen eine Überschreitung von vier Dezibel am Tag festgestellt. Anwohner und von ihnen beauftragte Gutachter gingen sogar von deutlich höheren Werten aus.

„Ich bin ein bisschen erleichtert“

Mehrfach hatten die Betroffenen dem LLUR vorgeworfen, zu lasch gegen Vattenfalls Verstöße gegen Schall-Immissionschutzvorgaben vorzugehen. „Jetzt ist der Ton ein anderer und es gibt kurze Fristen“, sagt Lueckow. „Ich bin ein bisschen erleichtert“. Und noch vorsichtig optimistisch.

Indes: Auch was die nächtliche Belastung der Anwohner angeht, hat sich laut Lueckow etwas getan: „Es ist deutlich leiser und es brummt nichts mehr.“ Messungen hatten des Nachts gar eine Überschreitung von sieben dB(A) des Grenzwerts von 40 dB(A) ergeben. Lärmschutzmaßnahmen, die Vattenfall ebenfalls auf Anordnung vorgenommen hatte, hatten aus Sicht der Nachbarschaft lange nicht den gewünschten Erfolg gebracht. Lueckows Erklärung für die neue Nachtruhe: Das Kraftwerk wird runtergefahren. Dies lasse sich aus den Leitungskurven für die Stromerzeugung des Kohlemeilers auf der Internetseite „Energieportal Hamburg“ nachvollziehen.

Dass der alte Kohlemeiler leiser werde, sei nicht allein im Interesse der Anwohner, sagt Lueckow. Auch für Businesspark-Investoren sei der Kaufanreiz sicher höher, wenn die Anlage aus den 1960er Jahren weniger Lärm verursache als zuletzt der Fall. Zumal mittlerweile unbestimmt ist, wie lange das Kohlekraftwerk noch läuft, da über die Zukunft der Fernwärmeversorgung aus Wedel noch nicht entschieden ist.

Nicht zuletzt sei der Kohlemeiler auch Vorbelastungsfaktor für die zulässigen Lärmwerte im Businesspark. Weniger Vorbelastung könnte gegebenenfalls in Summe eine geringere Lärmbelastung bei Wedels Gewerbe-Großprojekt bedeuten – und möglicherweise damit den drohenden Rechtsstreit mit Hamburg erübrigen, so Lueckows Überlegung.

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