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Wärmeversorgung für Hamburg : Vattenfall lässt Kraftwerk Wedel am Netz

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Das veraltete Kohlekraftwerk Wedel passt nicht mehr ins Bild. Eine geplante Ersatzanlage stößt den Bürgern sauer auf. Vattenfall und die Stadt Hamburg haben ihre Entscheidung dazu vertragt.

shz.de von
erstellt am 08.Dez.2015 | 18:39 Uhr

Wedel | Der Energielieferant Vattenfall wird sein Kohlekraftwerk Wedel im südlichen Schleswig-Holstein vorerst weiter betreiben. Das Unternehmen plane, die Anlage entsprechend zu ertüchtigen, um auch künftig die strengen Vorgaben der 13.Immissionsschutzverordnung einzuhalten, teilte Vattenfall nach einer Aufsichtsratssitzung am Dienstag mit.

Eine Entscheidung über den Bau eines Gas- und Dampfturbinenkraftwerkes (GuD) am dortigen Standort Wedel sei in der Sitzung nicht getroffen worden. Vattenfall werde sich mit der Stadt Hamburg im kommenden Jahr weiterhin eng abstimmen, um die beste Lösung für die Wärmeversorgung Hamburgs zu finden.

„Wir investieren laufend in das bestehende Heizkraftwerk, um es auf einem technischen Stand zu halten, der einen zuverlässigen und sicheren Betrieb ermöglicht“, berichtete der Geschäftsführer der Vattenfall Wärme Hamburg GmbH, Pieter Wasmuth. Die Höhe der Investitionen wurde nicht beziffert.

An diesem Unternehmen hält die Stadt mit 25,1 Prozent eine Sperrminorität und kann damit Entscheidungen blockieren. Derzeit gebe es außer Wedel keine Erzeugungsanlage, mit der die Wärmeversorgung des Hamburger Westens - 120 000 Wohneinheiten - sichergestellt werden könne, teilte Vattenfall mit.

Das mehr als 50 Jahre alte Heizkraftwerk im Kreis Pinneberg bei Hamburg - eine Landmarke an der Elbe - sollte ursprünglich 2013 vom Netz gehen, abgerissen und durch eine Gaskraftwerk ersetzt werden.

Gegen den Neubau hatten Anwohner und Umweltschützer protestiert und geklagt. Die Umweltbehörde verwies auf den Vertrag vom Januar 2014 zum Rückkauf des Fernwärmenetzes, wonach jetzt ein Alternativszenario greife: Es lasse alle Optionen zum Umbau des Netzes und seiner Erzeugungsanlagen offen.

Das Unternehmen will das in die Jahre gekommene Kraftwerk länger als bis 2017 laufen lassen, weil bis zu der für 2019 geplanten Komplettübernahme der Wärmegesellschaft durch die Stadt voraussichtlich noch keine „alternativen und klimafreundlichen Lösungen“ für Wedel einsatzbereit sein werden, wie die Umweltbehörde mitteilte.

„Große Unsicherheiten gibt es bei den Strommarktpreisen, auch die Bedingungen zur Förderung von Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen durch den Bund sind noch nicht abschließend geklärt“, ergänzte Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne). „Niemand will das Risiko eingehen, in Wedel eine Investitionsruine zu errichten.“ Eine Entscheidung soll 2016 fallen.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) ist gegen ein neues Gaskraftwerk und fordert stattdessen die Integration industrieller Abwärme und erneuerbarer Energien in das Hamburger Fernwärmenetz. Bei gleichzeitiger Netzoptimierung und Nutzung dezentraler Standorte könnte nach Auffassung der Umweltschützer Wedel spätestens 2019 auf „Standby“ geschaltet und dann für maximal zwei Jahre auf Reserve vorgehalten werden.

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