„Unsere Arbeit hat sich verändert“

Gut angekommen: Ende September 2018 besiegelte ein Nachbarschaftsfest den Einzug der Flüchtlinge in die Unterkunft in der Feldstraße.
Gut angekommen: Ende September 2018 besiegelte ein Nachbarschaftsfest den Einzug der Flüchtlinge in die Unterkunft in der Feldstraße.

Integrieren ist schwieriger als willkommen heißen / Mehr Krisenintervention bei den Flüchtlingshelfern der Diakonie

shz.de von
12. Januar 2019, 16:00 Uhr

„Unsere Arbeit hat sich verändert“, stellten Wedels Flüchtlingsbetreuer Manuela Treff und Hüseyin Inak ihrem Bericht über die vergangenen zwei Jahre Flüchtlingsarbeit im Diakonieverein Migration voran, den sie den Kommunalpolitikern im jüngsten Sozialausschuss gaben. Obwohl die Zahlen zurückgegangen sind – sogar hinter den Prognosen zurückblieben – habe sich die Arbeit nicht verringert. Im Gegenteil. Sie sei sehr viel aufwendiger und intensiver geworden, da es mehr Konflikte zu klären gab, so die beiden.

Die Flüchtlinge müssten nicht nur mit der teilweise seit Jahren anhaltenden beengten Wohnsituation unter vielen verschiedenen Nationalitäten und mit ihren eigenen emotionalen und entwicklungsbedingten Befindlichkeiten klarkommen, sondern ebenso mit einer neuen Kultur, die ganz andere Regeln für sie parat hält. Der Fokus hat sich von Erstversorgung auf intensive Integrationsarbeit verlagert. „Wir haben mittlerweile viele ins Praktikum und in den Beruf gebracht“, erläuterte Treff. Dort lernten sie oft schneller Deutsch als in der Schule. „Warum das so ist, können wir nicht sagen.“

13 Großunterkünfte und 65 Wohnungen zählt die Statistik für Wedel für das vorvergangene Jahr. Seit Beginn 2017 kamen 69 Geflüchtete in der Rolandstadt an, die begleitet und versorgt wurden, davon 38 über den Familiennachzug. 15 von ihnen sind Kinder. Die größte Gruppe davon bilden Syrer (48 Prozent). Aber auch aus dem Jemen (zehn), aus Serbien und Armenien (beide neun), Eritrea und Iran (beide sieben), Somalia (vier) sowie aus Türkei und Afghanistan (beide drei) flüchteten die Menschen nach Wedel.


Jobcenter in der Kritik

Neben Krisenintervention und Deeskalationsarbeit in den Unterkünften sowie Begleitung und Betreuung bei Schulproblemen und gesundheitlicher Versorgung, die sowohl für den physischen als auch für den psychischen Bereich nachgefragt werde, stand bei den Flüchtlingshelfern besonders die Unterstützung beim Übergang zum Jobcenter im Fokus ihrer Bemühungen. „Die Zusammenarbeit mit dem Jobcenter ist sehr zeitaufwendig und sehr problematisch“, machte Inak seinem Ärger Luft. „Ganz ehrlich, es ist ein absolutes Desaster“, hakte SPD-Frau Heidi Keck empört ein. Nicht Elmshorn sondern die Leistungsabteilung in Wedel sei schikanös, wusste Keck aus eigener Flüchtlingsbetreuungserfahrung zu berichten. Karin Blasius (Grüne) nahm die neuen Informationen zum Anlass, ihren wegen des Chancengleichheitsgesetzes bereits geäußerten Wunsch, das Jobcenter einmal in den Sozialausschuss einzuladen, zu bekräftigen. 10 Millionen Euro stehen dem Kreis seit Jahresbeginn über das Gesetz zur Verfügung.

Ob und warum die Unterstützung durch Ehrenamtliche eingebrochen ist, wie Treff und Inak berichteten, wurde von der Politik unterschiedlich diskutiert. „Viele Flüchtlingsfamilien sind mittlerweile angekommen, da muss man auch mal loslassen“, zeigte Treff Verständnis. Die schönen Dinge werden weniger, die Aufgaben zäh und nervig, gab Blasius zu Bedenken. Es gebe immer noch Aktive, die allerdings nicht mehr über die Diakonie angebunden seien, wandte Keck ein. Andrea Spannenberg (FDP) sah den Rückgang als einen normalen Vorgang und sogar gesunde Entwicklung an. Wenn die, die jetzt da sind, bleiben, seien sie zufrieden. Die Zusammenarbeit sei toll, betonten die Flüchtlingshelfer.

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