zur Navigation springen
Wedel-Schulauer Tageblatt

17. August 2017 | 16:21 Uhr

Wedel : Um die Container herum blüht es

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Gartenarbeit: Flüchtlinge im Ansgariusweg bringen Außengelände selbst in Schuss / Freitag sind Pflanzungen geplant

Shamsolah Tahiri steht hinter den Containern im Ansgariusweg und hält einen Klumpen Erde in der Hand. Fachmännisch lässt er ihn durch die Finger bröseln: Das sei eine gute Erde für Kartoffeln, sagt er und strahlt dabei über das ganze Gesicht. Wenn alles Grün ist, oder bunt an Blumen, dann freuen sich alle, fügt er an – auf englisch. In Bezug auf Deutsch steht der kräftige Mann mit dem offenen Lachen erst am Anfang.

Tahiri ist aus Afghanistan geflohen. In Wedel hat er Unterschlupf gefunden. Weil stillsitzen und abwarten allerdings nicht seine Sache ist, weil er gemeinsam mit den anderen Flüchtlingen aktiv sein möchte und weil Tahiri von Haus aus Landschaftsgärtner ist, hat sich das Gelände um die Container herum inzwischen gehörig verändert. Blumen blühen jetzt dort, wo Ackerfläche brachlag, Wege schlängeln sich durchs Gelände, eine kleine provisorische Terrasse ist angelegt und: Sogar erste Kartoffeln sind bereits geerntet. „Die nehmen die Initiative selbst in die Hand, das finde ich so schön“, sagt Elke Fleige, eine der vielen Helferinnen, die sich ehrenamtlich um die Flüchtlinge in Wedel kümmern. Auch sie strahlt übers ganze Gesicht.

Das Staudenbeet zwischen den Containern wurde bereits in einer ersten Aktion im Mai angelegt. Vergangenen Freitag ging es um das Gelände vor und hinter den Wohnungen. Zusammen mit Verstärkung aus den Unterkünften Im Redder und mit Unterstützung von Verwaltungsmitarbeiterin Bettina Parzyk vom Fachdienst Gartenbau gruben die Flüchtlinge tatkräftig den Boden um und befreiten die Erde von verbuddeltem Schutt sowie alten Wurzeln. Helferin Ute Wichmann hatte einen Trecker organisiert, der mit einem Hänger voller gespendeter Muttererde vorfuhr. Die Nachbarn der Containerbewohner stellten kurzerhand ihre Schubkarre zur Verfügung. In kürzester Zeit war alles ausgeladen.

Jetzt sind die Betonringe verfüllt und die Wege an den Seiten so befestigt, dass der Herbstregen das Erdreich nicht wegspülen kann. Die Bepflanzung ist für den kommenden Freitag anvisiert.

Die Bewohner hätten ihr von ihrem Interesse an Blumen berichtet, erzählt Parzyk. Doch was es wird, wisse man nicht, die Pflanzen sind Spenden. Dass im hinteren Teil Rasen angesät wird, hat letztendlich ein Mann entschieden, der vorbeikam, um eine Wäschespinne abzugeben. Die Stadt werde auf alle Fälle noch die vier Nadelbäume auf dem Gelände fällen: „Sie sind nicht mehr in Ordnung“, so Parzyk, die Wurzeln zum Teil abgerissen. Neben einem Spielplatz für kleine Kinder will die Stadt im vorderen Bereich Obstbäume pflanzen. Zudem sind auf der Grundstücksgrenze Beerensträucher geplant. „Alles was man naschen und ernten kann“, soll Platz finden. Die Idee dahinter: Die Flüchtlinge lernen heimische Früchte kennen.

Den nachhaltigen Gedanken findet auch Fleige sehr gut. Am besten aber findet die Helferin ihre aktiven Flüchtlinge. „Auf meine Jungs lass ich nichts kommen“, sagt sie und lacht.

 

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen