Rückzug aus der Politik : Ulrich Kloevekorn: „Bisher habe ich keine Entzugserscheinungen“

Ulrich Kloevekorn erhielt im April 2016 zu seiner Amtseinführung als erster Stadtpräsident auch die Glückwünsche der ersten Stadtpräsidentin Sabine Lüchau.
Ulrich Kloevekorn erhielt im April 2016 zu seiner Amtseinführung als erster Stadtpräsident auch die Glückwünsche der ersten Stadtpräsidentin Sabine Lüchau.

Ulrich Kloevekorn ist seit fünf Jahrzehnten in der Lokalpolitik aktiv. Klare Pläne nach seiner Zeit als Stadtpräsident.

shz.de von
01. August 2018, 13:00 Uhr

Wedel | „Bisher habe ich keine Entzugserscheinungen“, sagt Ulrich Kloevekorn und lacht los. Mit der konstituierenden Ratsversammlung am 11. Juni endete die Amtszeit des CDU-Politikers als Stadtpräsident. Freiwillig. „Ich bin jetzt 75. Für mich war von vornherein klar, dass ich es nur zwei Jahre mache“, erläutert Kloevekorn. Nachdem Renate Palm (WSI) 2016 ihr Amt als Stadtpräsidentin überraschend niederlegt hatte, wurde er bei eigener Enthaltung mit klarer Mehrheit zum ersten Stadtpräsidenten der Rolandstadt gewählt. „Wäre ich 72, hätte ich noch weitergemacht. Aber mit 75? In fünf Jahren am Ende der Amtszeit wäre ich dann 80. Das wollte ich nicht“, sagt Kloevekorn.

„Eigentlich wollte ich in meiner Rentenzeit nie in der ersten Reihe stehen. Das habe ich in meinem Berufsleben 40 Jahre lang gemacht“, sagt Kloevekorn. Als sich die SPD im Wedeler Rat in SPD und WSI aufspaltete, verzichtete er darauf, gegen Palm anzutreten. „Als sie zurückgetreten ist, musste ich einspringen“, sagt Kloevekorn, der 16 Jahre Fraktionsvorsitzender der CDU und auch Parteivorsitzender war. 1973 trat er in die CDU ein. 1974 wurde er bürgerliches Mitglied im damals noch existierenden Werkausschuss. „Seitdem bin ich bis auf meine beruflichen Auslandseinsätze immer politisch tätig gewesen.“ Als Prokurist und Geschäftsführer für den asiatischen Markt war Kloevekorn beruflich in Thailand, England, Düsseldorf und der Schweiz im Einsatz. „Seit 2005 bin ich zurück in Wedel“, berichtet Kloevekorn. Der sich bewusst entschieden hat, sich zu diesem Zeitpunkt wieder verstärkt in der Politik zu engagieren. „Ich bin seit fünf Jahrzehnten, aber nicht seit 50 Jahren politisch aktiv. Zuletzt als Stadtpräsident.“

Mehr Zahlen- als der Prosamensch

„Ich hatte am Anfang Manschetten. Ich bin eher der Zahlen- als der Prosamensch. Ich hatte Sorgen vor den vielen Reden“, erinnert sich Kloevekorn an die Zeit vor seiner Amtseinführung. „Das ist aber schnell verflogen und hat mir sogar Spaß gemacht. Dabei habe ich auch mal kritisches von mir gegeben, wenn ich es für wichtig und richtig hielt.“ Besonders die Naujahrsrede habe ihm immer Spaß gemacht. „Weil da genau hingehört wird“, sagt Kloevekorn. Aber auch bei Jubiläen wie zuletzt vom SC Rist oder Gedenkfeiern wie dem Volkstrauertag habe er am Ende gern gesprochen. Besonders Spaß habe ihm auch der Besuchsdienst zu Hochzeitsjubiläen oder Geburtstagen bereitet: „Das habe ich gern mitgemacht. Vor allem, wenn ich Jubilare getroffen habe, die ich schon von kleinauf kenne.“

Was hat sich denn seit Juni geändert? „Eigentlich nicht viel. Ich bin halt ohne offizielles Amt und ich habe weniger Termine“, sagt Kloevekorn. Er genieße es, dass der Kalender nicht immer vollgepresst sei und dass er selbst über seine Zeit entscheiden könne. Ist es denn schon wirklich realisiert oder fühlt es sich noch an wie die politische Sommerpause? Kloevekorn stockt und überlegt. „Das ist eine gute Frage. Vielleicht ist es wirklich noch wie Sommerpause.“ Ganz aus der Politik hat er sich allerdings nicht zurückgezogen. „Ich wollte nicht, dass es direkt von 80 auf null geht. Daher bin ich weiterhin Bürgerliches Mitglied. Aber nur Stellvertreter ohne festen Ausschuss“, erläutert der ehemalige Stadtpräsident. Der Grund ist einfach: „Mir war wichtig, weiterhin an den Fraktionssitzungen teilzunehmen, um zu erfahren, wie sich Dinge weiterentwickeln. Wenn man komplett raus ist, bekommt man irgendwann auch keine Informationen mehr. Das ist kein böser Wille, sondern der Lauf der Dinge.“ Es sei kein Indiz dafür, dass er nicht loslassen kann.  „Ich will nur den Übergang mitgestalten.“

Er würde es wieder tun

Für Kloevekorn steht fest: Er würde den Schritt in die Politik erneut wagen. „Das ist etwas, was ich wieder machen würde. Ich kann es auch nur jedem raten. In der Kommunalpolitik werden Entscheidungen an vorderster Front getroffen.“ Für ihn sei Kreispolitik schon manchmal sehr weit weg. „Bei Landes- oder Bundespolitik ist man ja oft nur Stimmvieh. Das wollte ich nie. Hier vor Ort, da kann man entscheiden.“ Zudem habe er gelernt, auch mal bei der eigenen Meinung zurückzustecken. „Manchmal habe ich schon mit der Faust in der Tasche abgestimmt, wenn es in der Fraktion so beschlossen und keine Gewissensfrage war. Generell sei er kein Freund von Abstimmungen nach Parteibuch. „Das würde ich heute anders machen“, räumt Kloevekorn sogar beim Thema Gebrüder-Humboldt–Schule (GHS) ein. In den 1980er Jahren hatte die CDU gegen die Gemeinschaftsschule gestimmt. „Ich bin heute froh, dass wir sie haben“, sagt Kloevekorn.

Beim Wort Langeweile schüttelt Kloevekorn den Kopf. „Wir haben eine Horde von sieben Enkelkindern. Da gibt es kein Problem, die Zeit einzuteilen.“ Im August wird seine Frau die Leitung der Einsatzplanung für die Grünen Damen im Wedeler Regio Klinikum aufgeben. „Dann haben wir beide mehr Zeit für kurzfristige Urlaube, was vorher aufgrund der vielen terminlichen Verpflichtungen nicht ging“, sagt Kloevekorn. Die Ostseeküste sei das bevorzugte Ziel. „Vielleicht schauen wir auch das Binnenland mal an“, sagt Kloevekorn. Für längere Reisen sei weiterhin Side in der Türkei sein Favorit. „Wir waren 2001 das erste Mal da. Das Hotel hat uns so gut gefallen. Der Service und das Essen sind herausragend. Das habe ich vergleichbar noch nirgendwo gefunden“, sagt Kloevekorn. Die Bedenken wegen Recep Tayyip Erdogan kennt er natürlich: „Mir ist bewusst, dass er ein Despot ist. Aber die türkische Riviera ist weit weg von Istanbul. Ich dürfte auch nicht in die USA fliegen, weil mir Donald Trump nicht gefällt.“

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