Wedel : Ulli Engelbrecht im Reepschlägerhaus

Glucksendes Lachen und gemeinsames Erinnern: Ulli Engelbrecht hatte viele kleine Geschichten um die alte Vinylschallplatte im Gepäck.

Glucksendes Lachen und gemeinsames Erinnern: Ulli Engelbrecht hatte viele kleine Geschichten um die alte Vinylschallplatte im Gepäck.

Nicht viele waren zur Lesung von Ulli Engelbrecht gekommen. Die Anwesenden aber amüsierten sich ausgezeichnet.

shz.de von
16. Oktober 2017, 16:00 Uhr

Wedel | Leidenschaft, Wortwitz und jede Menge Erinnerungen an die Pop- und Rockmusik der 1970er und 80er: So präsentierte Autor Ulli Engelbrecht im Reepschlägerhaus eine Zeitreise in die Musikwelt seiner Jugend. Ausgestattet mit Mikrofon, Plattenspieler und Kassettendeck entführte er das leider nur spärlich erschienene Publikum in Zeiten, als Ilja Richter und Dieter Thomas Heck allwöchentlich über den Fernseher die Schlager- und Popwelt in die Wohnzimmer brachten und Rockmusik die Wände der Discos erbeben ließ.

„Mehr als nur ein dummes rundes Ding“ ist der Titel eines seiner zwei Bücher, in dem Engelbrecht Erlebnisse aus seiner Jugend im Ruhrgebiet rund um Bochum beschreibt und aus dem der Autor zwischen ausgesuchten Musikstücken einzelne Geschichten vortrug. „Als Jugendliche haben wir damals manchmal an einem Tag so viel erlebt wie manch anderer in der ganzen Woche nicht“, so der ehemalige Radiomann, der seit zwei Jahren in Rissen lebt. Zum Schreiben sei er gekommen, weil er seine ganzen Erlebnisse – Gedankenschrott, wie er sie nennt – endlich mal „ausm Kopp“ kriegen wollte. Herausgekommen sind teils anrührende, teils nachdenklich stimmende, aber auf alle Fälle immer unterhaltsame Geschichten, die bei den Zuhörern gut ankamen.

Zur Einstimmung hatte Engelbrecht Ahoi-Brausepulver-Tütchen an die Anwesenden verteilt. Dann legte er mit sonorer und mikrofon-erfahrener Stimme los. Er präsentierte Geschichten über weibliche Schlagertitel-Namen, stundenlange Berieselung durch Rockmusik und schlimme Popsongs der Siebziger und Achtziger. In kleinen Quiz-Runden winkten Vinyl-Platten als Gewinn für die Sieger. Glucksendes Lachen und nachdenkliches Erinnern hielten sich beim Publikum die Waage. „Wir wollen Lesungen im Reepi langfristig wieder etablieren“, kündigte Förderkreis-Kassenwart Joachim Röhrig in der Pause an. Mit Poetry Slam habe man bereits sehr gute Erfahrungen gemacht. An diesem Strang wolle man weiter arbeiten, so Röhrig. Bereits im November sei mit Klaus Irmscher die nächste Liedermacher-Performance vorgesehen.

Den tragbaren Plattenspieler hatte der Autor für Demonstationszwecke dabei.
Ulrich Bohling
Den tragbaren Plattenspieler hatte der Autor für Demonstationszwecke dabei.
 

Im zweiten Teil seiner Rockstorys animierte der im kanariengelben Pulli auftretende Entertainer das Publikum unter anderem mit Aerobic-Übungen. „Wir waren neulich bei einem Dieter- Thomas-Kuhn-Auftritt und da passt dieser Abend ganz gut zum Thema Schlager“, so Bettina Roth, die mit einer Freundin gekommen war. Beiden gefiel der Abend gut.

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