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Zeitzeugin spricht vor Zehntklässlern : Über ein Leben in der NS-Zeit

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Leonore Butter (87) berichtet als Zeitzeugin vor Zehntklässlern der Gemeinschaftsschule Moorrege.

shz.de von
erstellt am 15.Jan.2016 | 17:00 Uhr

Morrege/Holm | Geschichtsunterricht aus erster Hand: Als die 87 Jahre alte Holmerin Leonore Butter aus ihrer Kinder- und Jugendzeit erzählt, sind die Zehntklässer der Gemeinschaftsschule Moorrege (GemsMo) mucksmäuschen still. „Damals war Krieg“, erzählt die Zeitzeugin. Besonders bitter: Als Halbjüdin ist sie von vielen Dingen während der NS-Zeit ausgeschlossen.

Der Vater der gebürtigen Leipzigerin war Anwalt, wurde aber wegen seines jüdischen Glaubens mit Berufsverbot belegt. Er wandert nach Palästina aus, Frau und Kind bleiben in Deutschland zurück. Viele Verwandte des Vaters werden von den Nazis umgebracht.

Die Mutter heiratet wieder, Butter bekommt einen Bruder. Weil sie Halbjüdin ist, darf sie nicht auf die höhere Schule. Doch bei allen Steinen, die ihr in den Weg gelegt werden, gibt es auch immer wieder helfende Hände, erfahren die Zehntklässler. Wie ihren Lehrer, der die Ahnentafel des Mädchens kurzerhand verbrennt, statt sie wie gefordert an das Rassenpolitische Amt zu schicken. „Es waren nicht alle mit Hitlers Machenschaften einverstanden“, sagt sie. Der Lehrer habe sich mit dieser Aktion selbst in Gefahr gebracht, erläutert die Senioren den schweigenden Schülern.

Butter will Modezeichnerin werden. Voraussetzung ist eine Lehre. Sie beginnt eine Ausbildung zur Hutmacherin – nach eineinhalb Jahren holen sie die Rassengesetze der Nazis wiederum ein. Sie landet in einem Rüstungsbetrieb. Auch dort wird sie anständig behandelt, der Meister, ein Schweizer, will ihr sogar bei der Flucht helfen. Dazu kommt es nicht. „Zwei Monate später war der Krieg vorbei“, sagt Butter. Sie beweist Mut, legt nach nur eineinhalbjähriger Lehre die Abschlussprüfung ab – mit Bestnote. Den Schülern gibt sie den Rat mit auf den Weg: „Nehmt Euer Leben in die Hand, seit selbstbewusst.“

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