SHMF in Haseldorf : Trompeten-Star Sergei Nakariakov elektrisiert das Publikum

Startrompeter Sergei Nakariakov.
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Startrompeter Sergei Nakariakov.

Trompeter und dogma chamber orchestrabegeistern die 850 anwesenden Musikfans im Rinderstall.

shz.de von
20. Juli 2015, 12:15 Uhr

Haseldorf | Musik ist Emphase. Leidenschaft und Körperlichkeit. Live-Musik ist Strategie, Dramaturgie und Kommunikation, mit einem in der Regel spektakulärem Abgang. Sergei Nakariakov ist die professionalisierte Personalunion all dessen. Beim Auftritt im Haseldorfer Rinderstall während des Schleswig-Holstein Musik Festivals (SHMF) zeigte sich der 1977 in Gorki geborene Trompeter von der ganz coolen Seite: Show und Publikumsgunst verbuchte das ihn begleitende dogma chamber orchestra (dco)– sympathisch-launig von Konzertmeister Mikhail Gurewitsch an der Violine.

Damit konnte Nakariakov gut leben. Anfang der 1990er Jahre debütierte er bei den Salzburger Festspielen, mit 15 Jahren erhielt er den renommierten Prix Davidoff für Nachwuchsmusiker beim SHMF. Seitdem schwebt der Sympathieträger im Olymp – ohne die Bodenhaftung aus den Augen zu verlieren.

Im Gegenteil. Mätzchen oder Stargehabe sind keine Tugenden, die ihm eigen sind. Es sind eher Ruhe und Intensität, mit dem gleich beim Eröffnungsstück – das Air aus der Orchestersuite Nr. 3 D-Dur BWV 1068 von Johann Sebastian Bach – der in Paris lebende Musiker auf dem Flügelhorn unnachahmliche Meisterschaft unter Beweis stellte. Nur begleitet vom Bassisten Sebastian Bartsch, erklang der Gassenhauer so rührend-eindringlich und ansatzlos durch meisterhafte Beherrschung der Zirkulationsatmung, dass es die 850 Besucher gleich elektrisierte. Tageblatt-Redakteur Dietmar Vogel twitterte unter @Kultur_Vogel bereits live vom Konzert.

<center><blockquote class="twitter-tweet" lang="de"><p lang="de" dir="ltr">Die Atmung zirkuliert, der <a href="https://twitter.com/hashtag/Trompetenton?src=hash">#Trompetenton</a> jubiliert - Sergei <a href="https://twitter.com/hashtag/Nakariakov?src=hash">#Nakariakov</a> ganz cool beim <a href="https://twitter.com/hashtag/SHMF?src=hash">#SHMF</a> - KONZERT in <a href="https://twitter.com/hashtag/Haseldorf?src=hash">#Haseldorf</a> <a href="http://t.co/hRY2HVz92J">pic.twitter.com/hRY2HVz92J</a></p>&mdash; Dietmar KM Vogel (@Kultur_Vogel) <a href="https://twitter.com/Kultur_Vogel/status/622527688138473472">18. Juli 2015</a></blockquote>

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Nakariakovs schwebend-melancholischer Ton stand abseits, als er das für Trompete bearbeitete Konzert für Violine und Streichorchester d-Moll von Mendelssohn Bartholdy intonierte. Atemberaubende Läufe, bei halb geschlossenen Augen – da ist Nakariakov ganz selbst. Und weltklasse. Es folgte nach der Pause ein kurzes Andante Cantabile von Tschaikowsky – ehrfürchtiger Applaus. Abgang.

Anschließend schlug die Stunde des 17-köpfigen dco. Das viersätzige Streichquartett d-Moll op. 70 von Tschaikowsky ist dem Streicherensemble wie auf den Leib geschrieben. Pathetisch, schwelgerisch, melodiös, voller Hingabe. Das euphorisierte. Drei Zugaben gab’s für hartnäckigen Applaus.

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