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Regionalpark Wedeler Au : Touren durch eine einzigartige Kulturlandschaft vor der eigenen Haustür

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Vereins hat sich zur Aufgabe gemacht, die besonderen Qualitäten des Regionalparks bekannt zu machen und die Verbundenheit der Bürger mit der Region zu stärken.

shz.de von
erstellt am 18.Aug.2015 | 12:30 Uhr

Wedel | Die Sonne steht noch hoch am blauen Himmel und der Parkplatz am Beginn des Otto-Schokoll-Höhenwegs bietet kaum Schatten. Barbara Engelschall schart das runde Dutzend Wanderlustigen um die beidseitig illustrierte Schautafel des Regionalparks Wedeler Au. Sie ist Geschäftsführerin des 2009 gegründeten Vereins, der sich zur Aufgabe gestellt hat, die besonderen Qualitäten des Regionalparks bekannt zu machen und die Verbundenheit der Bürger mit der Region zu stärken.

Heute steht ein Spaziergang auf dem Elbhöhenweg in die Wittenbergener Heide auf dem Programm. Getreu der Erkenntnis Marcel Prousts, dass wahre Entdeckungsreisen nicht darin bestehen, neue Landschaften zu suchen, sondern die vorhandenen vielmehr mit anderen Augen zu sehen, will die Biologin den Teilnehmern die Einzigartigkeit der Kulturlandschaft entlang des Elbsteilufers und der anschließenden Geestlandschaft erschließen.

Schon gleich zu Beginn erzählt sie den aufmerksamen Zuhörern Einzelheiten aus der Entstehungsgeschichte dieser einmaligen Landschaftsform. Manch einer mag es kaum glauben, dass Schmelzwasser in der letzten Eiszeit die Elbe vor Wedel zu einer Breite von zehn Kilometern hatte anschwellen lassen und die zurückbleibenden Sedimente beim folgenden Rückzug des Wassers den Grundstock für die Dünenformationen in der Wittenbergener Heide oder den Holmer Sandberge bildeten.

Schon nach wenigen Metern Spaziergang der erste Halt. Engelschall lenkt den Blick der Gruppe auf die mitten in der Elbe liegende Insel Neßsand. Zum 7,5 Kilometer langen und 170 Hektar großen Eiland, das bereits seit 1952 unter Naturschutz steht, gehören noch die ehemals allein stehenden Inseln Hanskalbsand und Schweinesand, erklärt sie. Elbsandaufschüttungen in den letzten 60 Jahren machten eine große Insel daraus. Hier treffen sich die Grenzen der Bundesländer Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein.

„Das war mir auch neu“, meldet sich Reinhard Crusius zu Wort. Der Othmarschener hatte im Haus am Jenischpark von der Führung erfahren und sich sofort dafür interessiert. Da der Regionalpark neben den Gemeinden Appen, Holm, Pinneberg, Schenefeld und Wedel auch den Bezirk Altona zu seinen Mitgliedern zählt, ist ein Austausch der Informationen innerhalb der verschiedenen Institutionen die Regel. Crusius ist wie die meisten seiner Mitspaziergänger tief beeindruckt von der Schönheit der Landschaft links und rechts des Steilufers. Immer wieder zückt er seinen kleinen Fotoapparat und versucht Details einzufangen. „Wirklich traumhaft, wenn man sich die Zeit nimmt zu schauen und dann auch noch Hintergrundwissen erfährt“, lautet sein Urteil schon nach einer halben Stunde.

Aufnahmen der Landschaft aus den vorherigen Jahrhunderten

Zwischenzeitlich hat Engelschall historische Aufnahmen der Landschaft aus den vorherigen Jahrhunderten herumgehen lassen. Sie geben Eindrücke davon wieder, wie es bis vor wenigen Jahrzehnten hier noch aussah. Erst zum Ende des 18. Jahrhunderts begannen Hamburger Kaufleute damit, die bis dahin offene Heidelandschaft zu bewalden. Grund war der erhöhte Baumbedarf. Dies machte die Region zur Keimzelle des Pinneberger Baumschulgebiets. „Ich kenne das noch aus der Zeit, als hier offenes Gelände war“, verrät Teilnehmerin Gesche Meyer. Als Kind hat die ältere Dame mit ihren Eltern und Geschwistern den Elbweg bei Sonntagsspaziergängen kennengelernt. Damals habe man unten am Wasser noch versteinerte Fossile, die sogenannten Donnerkeile, finden können. Wenn Flut war, mussten sie zu ihrem Leidwesen oben über die Heide laufen. „Das ging aber genauso schnell, wie ich später merkte“, fügt sie lächelnd hinzu.

Die Spaziergangsteilnehmer kommen zu einer weiteren Aussichtsstelle mit Ruhebänken. Hier haben Naturschützer eine sogenannte Trockensteinmauer angelegt, die zahlreichen Tieren und Pflanzen Heimstatt bieten. Engelschall macht die Gruppe auf eine kleine Gartenpflanze, den Duftsteinrich, aufmerksam, die mit ihrem honigartigen Duft die Luft leicht versüßt. „Mit etwas Glück erlebt man hier auch die seltene Zauneidechse“, sagt Engelschall. Alle Blicke richten sich auf den warmen Fels. Und wirklich zeigt sich bald ein kleines Reptil an der Steinwand. Es ist allerdings eine häufiger vorkommende Waldeidechse, wie Engelschall aufklärt. Das Kriechtier lässt sich kurz begutachten und verzieht sich dann mit ruckartigen Bewegungen in den Spalten der aufgeschichteten Brocken.

Es geht weiter in die Wittenbergener Heide, wo die Besenheide gerade ihre Blüte hat und knorrige Kiefern und hochaufragende Fichten Schattenspende versprechen. „Auch wenn man es eigentlich kennt, weil man hier aufgewachsen ist, ist es doch immer wieder interessant, noch Neues zu entdecken“, so Teilnehmerin Erika Balack zufrieden und ergänzt augenzwinkernd: „Dazulernen kann man doch immer.“

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