„Torhüter ist der erste Angreifer“

Alles im Griff: Torwarttrainer Sascha Brandt (Reihe hinten, Dritter von links) trainierte die Jugendlichen beim Moorreger SV.
Alles im Griff: Torwarttrainer Sascha Brandt (Reihe hinten, Dritter von links) trainierte die Jugendlichen beim Moorreger SV.

Sascha Brandt organisiert erstes Trainingscamp in Moorrege / Zusammenarbeit soll im kommenden Jahr ausgeweitet werden

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09. Oktober 2018, 16:00 Uhr

Die Jugendlichen werfen sich den Fußball zu. Statt mit dem Fuß spielen sie den Ball mit der Hand. Ein Spieler steht in der Mitte. Er soll nicht nur den Ball abfangen, sondern vor allem das blaue Hütchen verteidigen. Koordination, Schnelligkeit und Reflexe der Nachwuchskeeper werden sie gleichzeitig geschult. Sascha Brandt steht im DFB-Trikot daneben und beobachtet jede Bewegung. Er veranstaltete am Wochenende erstmals ein Fußballcamp beim Moorreger SV.

„Für mich steht die Ausbildung des Nachwuchses im Vordergrund“, sagt Brandt. Sein Ruhrpottdialekt ist klar herauszuhören. In Dortmund, Wesel, Witten und Schwerte betreibt er eine Torwartschule. Beim MSV Duisburg und Rot-Weiß Oberhausen bildete er den Nachwuchs aus und trainierte die Profis. Nun will er seine Trainigskonzepte nach Hamburg und ins Umland bringen.

„Wir haben den Aufruf bei Facebook gelesen, dass Sascha einen Workshop in Hamburg plant und angefragt, ob er sich auch den Speckgürtel vorstellen kann“, erläutert Marco Hachmann, Trainer der Moorreger A-Jugend. Im Mai gab es den ersten Kontakt, im Juni das erste Treffen in Moorrege. „Wir waren uns sofort sympathisch und sind uns schnell einig geworden, dass wir es hier machen“, sagt Hachmann. Insgesamt zehn Spieler aus ganz Norddeutschland kamen am Wochenende nach Moorrege, um drei Tage intensiv zu trainieren.

„Bei den jüngeren Spielern geht es um die torwartspezifischen Grundtechniken. Bei den älteren steht ein Einblick in die vielfältigen Anforderungen an modernes Torwartspiel auf dem Programm“, sagt Brandt. Einfach nur dem Ball hinterherhechten und diesen halten, das reicht für moderne Torhüter nicht aus. „Im vorletzten Spiel hatte Yann Sommer von Borussia Mönchengladbach mit 98 Ballkontakten die meisten seines Teams. Das zeigt: Der Torhüter ist der erste Angreifer.“ Es sei noch immer die Kernaufgabe des Schlussmanns, Gegentreffer zu verhindern. Doch habe das spielerische immer mehr Anteile eingenommen. „71 Prozent des Torwartspiels sind mittlerweile spielerische Elemente wie der Spielaufbau“, sagt Brandt. Hachmann hakt ein: „Früher hat der Torwart den Ball einfach gehalten, festgemacht und möglichst weit weg geschossen. Dann wurde gehofft, dass die Mitspieler etwas daraus machen. Das sieht heute ganz anders aus.“

„Wir planen schon den nächsten Workshop für das kommende Jahr. Unsere Erwartungen wurden nicht nur erfüllt, sondern übertroffen“, bilanziert Hachmann. Vor allem die Erfahrung von Brandt habe ihn begeistert. Dieser trainierte und arbeitete bereits mit Claudio Fillipi, dem Torwarttrainer von Gianluigi Buffon, Jörg Sievers, der die Ex-Nationaltorhüter Ron Robert Zieler und Robert Enke betreute, sowie Michael Reschner und Steffen Krebs, die aktuell für die Keeper der TSG Hoffenheim verantwortlich sind.

Eines fällt außer der Größe und Brandts Gelassenheit sofort auf. Sein HSV-Shirt. Billiges anbiedern? „Nicht alles kann stimmen“, kommentiert Hachmann. Einfach anbiedern will sich Brandt damit nicht. „Ich war beim DFB-Leistungskursus Torwarttrainer in Hamburg und bin einmal ins Stadion gegangen und habe mich sofort verliebt: in die Stadt und den HSV. Mittlerweile bin ich sogar Mitglied.“ Brandts Traum: „Vielleicht pendle ich ja in fünf Jahren aus Hamburg nach Witten und nicht mehr umgekehrt. Daran werde ich auch hier in Moorrege arbeiten.“

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