zur Navigation springen
Wedel-Schulauer Tageblatt

16. Dezember 2017 | 18:37 Uhr

Heist : Tonmalerei um Max und Moritz

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Komponist Wolfgang Anton überrascht mit ungewohnten, listigen Harmonien. Die Solisten werden im Gemeindehaus Holm umjubelt.

shz.de von
erstellt am 18.Feb.2014 | 16:00 Uhr

Holm | Wilhelm Busch scheiterte als Maler an den eigenen Ansprüchen, als Dichter liebte er die Wortmalerei und ungewöhnliche Ausdrücke. Ungewöhnlich und spannend waren denn auch die Tonmalerei des Komponisten Wolfgang Anton und seine musikalische Interpretation der Gedichte von Busch über die „Kritik des Herzens“ und die von „Max und Moritz“ aus dem Jahr 1865. Bei einem Konzert mit dem Ensemble „Canto d´amore“ im Gemeindezentrum Holm verblüffte der vielseitige Musiker aus Heist die Zuhörer mit ganz ungewohnten, listigen Harmonien, fast dissonanten, aber noch verständlichen Tonfolgen und dem Text folgenden, wechselnden Rhythmen.

Der Bratschist Anton spielte dabei abwechselnd seine handgearbeitete Viola pomposa oder die Viola d´amore und begleitete mit erstaunlicher Klangvielfalt die drei Solisten Doritha Schwier (Sopran), Christoph Clausen (Bariton) – beide aus Moorrege – und die Mezzosopranistin Claudia Brandenburger aus Hamburg. Es war eine Freude, ihrem sauberen, ausdrucksstarken und tonsicheren Gesang bei den nicht einfach zu singenden sieben Streichen von Max und Moritz zu lauschen.

Die freche, gestenreiche, humorvolle und auch mit Geräuschen verbundene Darbietung – sowohl von den dafür bestens geeigneten alten Instrumenten, als auch von den Singstimmen übernommen – bereitete dem Publikum höchstes Vergnügen.

Schon bei dem ersten Streich der Lausbuben, als sie der armen Witwe Bolte ihr liebes Federvieh stahlen, kamen alle Tonelemente – passend zu den Reimen – zum Tragen. „Ganz geschwinde, eins, zwei, drei, Schneiden sie sich Brot entzwei, In vier Teile jedes Stück, Wie ein kleiner Finger dick. Diese binden sie an Fäden, Übers Kreuz, ein Stück an jeden, Und verlegen sie genau, In den Hof der guten Frau. Kaum hat dies der Hahn gesehen, Fängt er auch schon an zu krähen: Kikeriki! Kikikerikih!! Tak, tak, tak! – da kommen sie.“ Voller Lust an der Wort- und Tonmalerei wurde jedes Wort von den Sängerinnen Schwier und Brandenburger genüsslich geformt, gesungen, gezwitschert oder tiriliert.

Clausen übernahm mit seiner schönen und warmen Stimme auch den erzählenden Part zwischen den Liedern. Mit allen Komponenten konnte das Ensemble bei den Gästen auf den Punkt die Erinnerungen an das geliebte „Max und Moritz“-Buch wieder erwecken und sie erheitern. Mit der passenden Zugabe: „Zum letzten Mal wird eingetunkt. Dann kommt der große, schwarze Punkt.“ endete nach 70 Minuten ein grandioses Konzert.

zur Startseite
Karte

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen