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Wedel-Schulauer Tageblatt

20. November 2017 | 05:01 Uhr

Theaterwerkstatt ist Teamwork

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Die Laiendarsteller des Holmer Kulturvereins feiern ihren 30. Geburtstag morgen mit der Premiere „Mörder mögen’s messerscharf“

Berthold Zacharias ist ein Mann der ersten Stunde. Wenn die Theaterwerkstatt Holm am morgigen Freitag mit der seit Wochen ausverkauften Premiere des kriminalistischen Lustspiels „Mörder mögen’s messerscharf“ ihren 30. Geburtstag feiert, ist das für den pensionierten Schulleiter der Wedeler Theodor-Storm-Schule besonders bewegend. Der Holmer ist seit drei Jahrzehnten Motor, Regisseur und Herz in der Laienspielbühne des Kulturvereins Holm. Bereits 1993 erhielt er deshalb als zweiter Geehrter den Holmer Kulturpreis verliehen.

Zwölf Jahre lang war Zacharias Vorsitzender, bis er von Gaby Lipp abgelöst wurde. Auch sie zeigt Kontinuität – nicht nur in der Leitung des in der Region beliebten Theaterensembles, sondern auch auf der Bühne. Eng ist die Zusammenarbeit der Schauspiel-Freunde.

1983 hatte es in dieser Zeitung einen Aufruf gegeben. Der damalige Holmer Grund- und Hauptschulrektor Josef Stocker zählte bei der ersten Besprechung am 31. Januar 1984 14 Interessierte. „Es sollte Platt gespielt werden“, erinnert sich Zacharias. Aber Vera Rißler war die einzige, die das perfekt konnte. Zudem waren alle - außer Zacharias - Laien. Und dennoch wollten sie große Stücke spielen, so wie im Ohnsorg-Theater. Zacharias erdete die Interessierten, schlug statt dessen als Übung Pantomime und Stegreifspiel vor. „Es blieben nur sechs übrig“, erinnert er sich schmunzelnd. Mit den Holmern Helgard Wind und ihrer Tochter Stefanie, Henning Lüdemann, Editha Schölermann und Christa Feldkamp startete das erste Ensemble.

Der große Auftritt war im Oktober 1984 beim „Tag der offenen Tür“ des noch jungen Kulturvereins. Vom verheerenden Großbrand – das reetgedeckte Dörpshus wurde eine Woche vor der Einweihung durch ein Feuer zerstört – profitierten die Theaterleute, denn sie bekamen in dem wieder aufgebauten Haus in der Straße Im Sande 1 b einen Theaterraum gebaut.

Seit 26 Jahren ist Marcus Stocker dabei, der vor 18 Jahren dann anfänglich gemeinsam mit Lipp die Leitung übernahm, nachdem Zacharias die Rektorenstelle in der Rolandstadt angetreten hatte. Lipp stieß 1991 zum Team, quasi durch ihren Vater. Für den ehemaligen Filmarchitekten, der unter anderem für Edgar-Wallace-Filme gearbeitet hatte, suchte sie eine angemessene Freizeitbeschäftigung. Bis zu seinem Tod 1999 sorgte Albrecht Hennings voller Schaffenskraft für professionelle Bühnenbilder.

Lipp wollte eigentlich Schauspielerin werden, der Vater aber riet ab. So wurde sie Cutterin und erfüllt sich den Lebenstraum in ihrer Freizeit, auch auf dem Theaterschiff Batavia in Wedel. Was sie an der Arbeit reizt? „Jedes neue Stück ist ein Abenteuer, wir sind eine tolle Truppe, in der keiner Angst hat, sich zu blamieren“, sagt sie.

Angst vor Text-Hängern muss niemand haben, dafür sorgt seit 1985 Zacharias Ehefrau Brigitte. „Wir haben ein Leben lang fast alles gemeinsam gemacht“, sagt er. Und so war es eigentlich nur logisch, dass sich die inzwischen pensionierte Lehrerin ebenfalls ins Theaterabenteuer stürzte. Bisher hat Brigitte Zacharias es geschafft, nur hinter der Bühne zu stehen. Aber Lipp hat sich ganz fest vorgenommen, die Souffleuse irgendwann auf die Bretter, die die Welt bedeuten, zu zerren. „Jeder von uns hat in jedem Stück seine Angstsätze“, verrät Lipp. Und die kennt Brigitte Zacharias, die gar keine Zuflüsterin ist, sondern die Sätze auf eine Karte schreibt und im Notfall hochhält.

Im September gibt es das zweite selbstgemachte Geschenk für die Theaterleute. Sie spielen dann „Vier scharfe Richterinnen“. Den Psycho-Thriller in zwei Akten von Leslie Darbon haben sie 1998 schon einmal aufgeführt.

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