Open Air : Theater Wedel landet Publikumshit

Manchmal kam der Humor surreal daher wie in dieser Szene: Das Brot sei ihm so ans Herz gewachsen, dass er es nicht über sich gebracht habe, davon etwas abzuschneiden, jammert ein sensibler Student (zweiter v. l.) der Bäckersfrau vor. Jetzt will er ihn aber umtauschen.
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Manchmal kam der Humor surreal daher wie in dieser Szene: Das Brot sei ihm so ans Herz gewachsen, dass er es nicht über sich gebracht habe, davon etwas abzuschneiden, jammert ein sensibler Student (zweiter v. l.) der Bäckersfrau vor. Jetzt will er ihn aber umtauschen.

Einen Teil der Premiere erlebten die Bühnenfreunde unter Regenschirmen, die nach dem ersten Schauer so spielerisch unters Volk gebracht worden waren, als sei auch das eine einstudierte Nummer.

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12. Juni 2017, 14:10 Uhr

Wedel | Er habe seine Tante geschlachtet, aber die war alt und schwach, lamentierte ein kraftstrotzender Jüngling auf der Bühne. „Ihr aber, o Richter, ihr trachtet meiner blühenden Jugend nach.“ Makabrer Schlussvers von Frank Wedekinds „Tantenmörder“. Zum schwarzen Humor auf der Bühne gesellten sich dunkle Regenwolken. So erlebten Wedels Theaterfreunde die „Sommer-Parkplatz“-Premiere. Aber die Abendsonne ließ sich nicht ganz unterkriegen und zeigte sich auch hin und wieder. Und dann erst die Musik: Sie kontrapunktierte selbst die düstersten Abgründe des Humors mit herrlich süßem Operettenkitsch. Ein Publikumshit auf der ganzen Linie, den das Theater Wedel mit seiner Programm-Neuheit gelandet hatte, von den Zuschauern mit begeistertem Applaus belohnt.

Einen Teil der Premiere erlebten die Bühnenfreunde unter Regenschirmen, die nach dem ersten Schauer so spielerisch unters Volk gebracht worden waren, als sei auch das eine einstudierte Nummer. Die Mimen zeigten souverän, dass sie einfach jeder Situation gewachsen sind. Unterm Schirm musste dennoch niemand völlig im Trockenen sitzen, denn die Barmixer des Theaters lockten mit frisch angesetzter Erdbeer-Bowle. Auch Theaterfreundin Sabine Lüchau gönnte sich ein Gläschen.

So wurde das Parkplatz-Ereignis neben dem Theater zum Genuss für alle Sinne. Mitwirkende waren Gerda Hellriegel, Doris Jankowski, Stefanie Klever, Krista Kniel, Tim Landsberger, Marko Lohmann, Jens Lumpe, Barbara Michaeli, Fritz Peleikis, Angélique Reese, Angelika und Haans-Michael Reimer, Sabrina Röhricht, Timo Sauer, Gerhard Seel, Sabine Semprich, Jonas Sorgenfrei, Eva Stahl, Renate Steinbach und Erika Wildgruber. Der Parkplatz erwies sich als besondere Herausforderung für die Technik, denn hier draußen änderten sich dauernd die Verhältnisse: mal mehr, mal weniger Wind, mal klarer Himmel, dann eher Dämmerung. Unentwegtes Gegensteuern war angesagt.

Nicht zu vergessen die gute Textauswahl. Außer Wedekind kamen Ephraim Kishon, Siegfried Lenz, Joachim Ringelnatz, Eugen Roth und viele andere zu Wort. Die absurde Geschichte von Rhabarber-Barbaras Bar war dabei oder die vom sensiblen Studenten, der es nicht übers Herz brachte, einen geliebten Brotlaib anzuschneiden.

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