Komödie : Theater in Wedel: Fünf Greise planen Banküberfall

Wenn im Alter die Kräfte nachlassen, muss ein Verbrechen immer wieder geübt werden, damit es klappt.
Wenn im Alter die Kräfte nachlassen, muss ein Verbrechen immer wieder geübt werden, damit es klappt.

Theater Wedel spielt Ise Papendorfs „Codewort: Doppelkopf“ als Uraufführung. Die Premiere ist am Sonnabend, 26. Mai.

shz.de von
19. Mai 2018, 12:00 Uhr

So ein Banküberfall will geprobt sein. Besonders, wenn man das Ding im hohen Alter zum ersten Mal dreht. Schnell sind im Altenheim die Gartenstühle zum Fluchtauto zusammengeschoben, damit die fünf Alten, die alle ein anderes Handicap plagt, ihren Plan wieder und wieder einüben können. Das macht dem Ensemble des Wedeler Theaters sichtbar Spaß. Die Proben zur neuen Produktion laufen auf Hochtouren. Am Sonnabend, 26. Mai, feiert Ise Papendorfs Stück „Codename: Doppelkopf“ Premiere im Rosengarten 9.

Stück für ältere Darsteller

Er war schon seit Jahren auf der Suche nach einem Stück für ältere Darsteller, berichtet Theaterleiter und Regisseur Günter Hagemann. Die meisten entpuppten sich allerdings als billige Schenkelklopfer oder viel zu ernste Studien mit Figuren und Geschichten, die einfach nicht stimmten. Dass ihm jetzt das Stück von Papendorf über den Weg lief, sei schon ein Glück. „Es ist leichte Kost mit wirklich niedlichen Charakteren“, sagt Hagemann und lacht. Der Griesgram, die Naive, die Frohnatur oder der Simple – alle Wesensarten seien vertreten. Und jeder der fünf Hauptpersonen hat seinen ganz eigenen Tick.

Der Plot ist diesmal fast zweitrangig, findet der Regisseur. „Es geht ums Miteinander der skurrilen Figuren.“ Er ist trotzdem schnell erzählt: Weil Gerda sich das Heim offenbar nicht mehr leisten kann, muss sie es verlassen. Das wollen ihre fünf alten Freunde aber nicht hinnehmen. Geld muss her, um für Gerdas weiteren Aufenthalt zu sorgen. Doch woher soll das kommen? Aus einem Banküberfall. Den müssen die fünf ehrlichen Menschen, die noch nie mit dem Gesetz über Kreuz lagen, gut planen und noch besser einüben. Wie Kinder spielen sie die Situation immer wieder durch, erzählt Hagemann. Denn entweder macht ihnen ihr Gedächtnis einen Strich durch die Rechnung oder ein anderes Handicap kommt ihnen in die Quere. Verdacht schöpft keiner aus dem Altenheim. Die Geschichte geht letztendlich gut aus. Sie hat sogar zum Schluss noch eine Überraschung parat. Was die fünf Geronten allerdings alles tun müssen, um von der schiefen Bahn wieder herunter und ins solide Leben zurück zu finden, ist gewaltig und hat einige Finten in petto. Ist der Alte im Rollstuhl eigentlich wirklich so dement und schwerhörig, wie er immer tut, oder ist er durchtrieben?

Ein Stück in schnellem Tempo

Das Anspruchsvolle in dieser Produktion sei die permanente Gleichzeitigkeit, berichtet Hegemann. „Alle sind durchgängig auf der Bühne und müssen beschäftigt sein.“ Das ist eine Kraft- und Konzentrationsanstrengung für die Darsteller und verlangt von der Regie szenischen Einfallsreichtum. „Eigentlich ist das Stück wie ein Hörspiel geschrieben.“ Der Zuschauer sieht die Planungen und den Nachbericht, nicht aber den Banküberfall selbst. „Den vermisse ich aber auch nicht“, sagt Hagemann und schmunzelt. Die Charaktere sind es, auf die es ankommt. „Die Autorin hat an der Entwicklung der Rollen sicher viel Vergnügen gehabt“, vermutet Hagemann.

Zudem spielt das Stück in einem einzigen Bühnenbild: im Garten des Altenheims. Um das Statische des Szenariums aufzubrechen, hat der Regisseur, der auch sein eigener Bühnenbildner ist, die rückwärtige Hauswand des Heims in einer mächtigen Diagonalen einmal schräg durchs Bühnenbild getrieben. Das wirkt. Sehr dynamisch steht die Backsteinwand da und entfaltet genau den Sog, den Hagemann beabsichtigt hat.

Am Pfingstmontag, 21. Mai, gibt’s eine Einführungsmatinee zu  „Codewort: Doppelkopf“. Bei Kaffee und Kuchen wird im Foyer des Theaters, Rosengarten 9, über die neue Produktion geplaudert. Darsteller und Mitwirkende vor und hinter der Bühne berichten dann vom Stück und von den Proben. Kurze Ausschnitte aus dem Stücktext vermitteln einen ersten Eindruck. „Wir sind immer sehr gespannt, denn hier erleben wir die ersten Zuschauerreaktionen“, schreibt das Theater in seiner Ankündigung. Los geht es um 11 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Es spielen: Gerta Hellriegel, Doris Jankowski, Hans Kall, Krista Kniel, Tim Landsberger, Wolfgang Muschter, Michael Reimer und Andrea Speer. Karten für die Premiere kosten 22, ermäßigt 15 Euro. Sonst zahlen Besucher 16, ermäßigt neun Euro.  Tickets gibt es im Vorverkauf dienstags und donnerstags zwischen 15 und 18 Uhr im Theater oder online.

Das Stück ist eine Uraufführung. Von  der noch jungen Autorin, die  im Kölner Raum in der Freien Szene als Schauspielerin und Regisseurin seit Jahren aktiv ist, sind bereits andere Stücke aufgeführt, doch kommt Papendorf erst in diesem Jahr so richtig zur Geltung. Für die Wedeler Premiere hat die Newcomer-Autorin ihr Kommen zugesagt. 

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