Streithähne haben keine Chance

Schulsozialarbeiterin Carmen Baldzun bildet die Drittklässer zu Streitschlichtern aus.
Schulsozialarbeiterin Carmen Baldzun bildet die Drittklässer zu Streitschlichtern aus.

Streitschlichterausbildung: Damit es friedlich bleibt auf dem Schulhof, lernen Grundschüler aus Heist ihre Gefühle zu artikulieren

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15. März 2014, 16:00 Uhr

Gewalt in der Grundschule – in Heist ist das kein Thema. Denn bevor es zur Eskalation kommen kann, wird Zoff weggeredet. Schulsozialarbeiterin Carmen Baldzun bildet derzeit ein Streitschlichter-Team aus. Vier Mädchen und zwei Jungen aus der 3. Klasse beteiligen sich an den Projekt, das zum zweiten Mal organisiert wird.

„Streitschlichter muss man aus eigenen Stücken werden“, erläutert Baldzun. In der dritten Klasse hat sie die Idee vorgestellt, und sechs Interessenten reichten eine schriftliche Bewerbung ein. Die Ausbildung begann nach den Weihnachtsferien und dauert bis Ostern. Anschließend geht es in die praktische Phase: Die Drittklässler werden Praktikanten bei den amtierenden Streitschlichtern der 4. Klasse.

Das Ziel ist klar: Die Kinder sollen Unstimmigkeiten untereinander regeln. „Aber die Kinder sind keine Richter, keine Polizisten“, sagt Baldzun. Es gehe nicht um Schuldzuweisung, sondern darum, Verantwortung zu übernehmen. Das läuft in fünf Phasen ab: Die Streithähne werden begrüßt, die Regeln benannt und anerkannt. Die Betroffenen schildern das Problem aus ihrer Sicht. Um den Konflikt aufzuhellen, werden die Gefühle erfragt. Gemeinsam wird eine Lösung erarbeitet. Darüber wird ein Protokoll erstellt, das von beiden Parteien unterzeichnet wird. Ganz wichtig: Nach einer Woche wird das Thema erneut angesprochen, ob es geklappt hat mit der Versöhnung.

Eine der angehenden Schlichterinnen ist Felicitas (8). Warum sie sich beworben hat? „Ich streite mich nicht sehr oft, und das ist etwas, was ich gut kann“, erklärt sie ihre Motivation. Was ihr wichtigstes Instrument ist, weiß sie ganz genau: „Man muss sich immer in die Augen gucken.“

Antonia (9) macht die Ausbildung viel Spaß. Sie hat einen weiteren Nutzen für sich entdeckt: „Ich habe zwei jüngere Geschwister und kann das zu Hause nutzen, wenn sie sich mal streiten.“ Willigen die beiden denn ein? „Eigentlich sagen sie immer ja“, sagt Antonia. Und auch Larissa (8) ist lieber friedlich. „Ich hatte erst dreimal Streit in der Klasse.“ Wie kommt es, dass manche sich mehr streiten als die drei Mädchen? Felicitas: „Streit kommt, wenn man sich einmischt – und wir mischen uns einfach nicht ein.“ Aber Streit schlichten könne man ja. Sollte es einmal nicht klappen mit der Versöhnung unter den Grundschülern, sind natürlich Baldzun und die Lehrer da.


Im „Magic Circle“ über Gefühle reden lernen


Damit es gar nicht zu Streitigkeiten kommen kann, setzt Baldzun bei den Jüngsten an. Mit den Erstklässlern hat sie den „Magic Circle“. In kleiner Runde lernen die Jungen und Mädchen, über ihre Gefühle zu sprechen. „Es ist wichtig, sein Gefühl benennen zu können, ohne dass man gleich austickt.“

Ab Klasse zwei tagt wöchentlich der Schülerrat. Probleme werden dort zur Sprache gebracht - ob Müllsorgen oder Lärm – und ins Ratsbuch eingetragen. Auch hier ist Baldzun ergebnisorientiert: Eine Woche später wird kontrolliert, ob die Beschlüsse umgesetzt wurden.

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