Bauhofmitarbeiter sind sauer : Strauchdiebe erzürnen die Stadt Wedel

Bauhofmitarbeiterin Mona Schmälter ist sauer: Diebe stahlen zwei Sommerflieder – im Wert von rund 20 Euro.
Bauhofmitarbeiterin Mona Schmälter ist sauer: Diebe stahlen zwei Sommerflieder – im Wert von rund 20 Euro.

Vergangenes Jahr Schmuck Mahonien, dieses Jahr Sommerflieder: Langfinger bedienen sich an öffentlichen Beeten.

shz.de von
19. Juli 2018, 12:30 Uhr

Wedel | Drei Sommerflieder hat der Wedeler Bauhof diesen April im Grün hinterm Spielplatz Parnaßstraße gepflanzt. Zur Blüte ist nur einer herangewachsen. Die anderen beiden wurden geklaut. Widerrechtlich ausgebuddelt und mitgenommen. Bauhofleiter Sönke Ferch und seine Mitarbeiter Mona Schmälter und Benjamin Jensen sind sauer. „Das passiert immer mal wieder“, schimpft Schmälter. Sie ist frustriert. Öffentliches Grün werde schließlich für alle angelegt, stellt sie bestimmt fest. „Das ist hier kein Selbstbedienungsladen“, entrüstet sich auch Ferch.

Entdeckt hat Schmälter den Diebstahl, als sie im Mai die Neupflanzungen wässern wollte. Fußabdrücke verrieten den Täter. „Durch Gehspuren in der Saat, die wir um den Sommerflieder ausgebracht hatten, habe ich es festgestellt“, erläutert die Mitarbeiterin. Diese Saat ist mittlerweile üppig aufgegangen. Nicht nur Wildblumen überwuchern das öffentliche Beet. Vorne bieten Erbsenpflanzen verschwenderisch ihre Schoten an, im Hintergrund recken Sonnenblumen ihre gelben Köpfe der Sonne entgegen. Die Erbsen dürfen von den spielenden Kindern gern genascht werden, erklären die Pfleger. „Auch insektenmäßig ist hier ordentlich was los“, sagt Bauhofchef Ferch und lacht. Das Konzept der Stadt ist aufgegangen: Der neu angelegte Streifen bietet reichlich Futter – für Mensch und für Tier.

 Pflanzen, die im Fachhandel pro Stück gerade einmal zehn Euro kosten

Um so ärgerlicher ist es, wenn sich Strauchdiebe am Allgemeingut bedienen. An Pflanzen, die im Fachhandel pro Stück gerade einmal zehn Euro kosten. Ein Meter maßen der lila und weiße Schmetterlingsstrauch, als sie gepflanzt wurden. „Die machen im Jahr ordentlich Höhe“, erläutert Jensen. „Und sie dehnen sich aus“, ergänzt Bauhofchef Ferch. Der im Beet verbliebene Strauch allerdings sieht jetzt recht mickrig aus.

Nur noch eine Pflanze zieht die Schmetterlinge an.
Inge Jacobshagen
Nur noch eine Pflanze zieht die Schmetterlinge an.
 

Dieses Jahr Sommerflieder letztes Jahr Schmuck Mahonie: Das Problem Pflanzenraub ist für die Stadt ärgerlich, aber leider nicht neu. An der Theaterstraße im Durchgang Zur Windmühle hatte der Bauhof im vergangenen Frühjahr gelbblühende Schmuck Mahonien in den Wurzelbereich der Bäume eingelassen, um farbliche Akzente zu setzen. „Die waren schneller weg, als wir gucken konnten“, berichtet Schmälter. Wenn es kein Allerweltsgehölz ist, sind öffentliche Pflanzen besonders begehrt bei Dieben. „Aber wir wollen uns nicht diktieren lassen, was wir anpflanzen“, stellt Ferch ärgerlich klar. Einfach nachkaufen funktioniere nicht, erläutert der Bauhofchef. „Das Geld ist begrenzt.“ Nachpflanzungen könnten erst in ein, zwei Jahren angeschafft werden.

Wedel kämpft auch mit Vandalismus

Doch nicht nur mit Pflanzendiebstahl hat die Stadt zu kämpfen. Auch Vandalismus sei ein verbreitetes Problem. Pflanzen rausreißen und irgendwo achtlos hinschmeißen komme häufig rund um Spielplätze vor. Und auch Hundekot macht den Bauhofmitarbeitern zu schaffen. Besonders im Beet an der Parnaßstraße, aber auch überall sonst. „Die Stauden gehen ein, wenn sie zu viel Kot abbekommen“, erklärt Schmälter. Sie wünscht sich mehr verantwortungsbewusste Hundehalter, die nicht wegschauen, sondern die Hinterlassenschaft ihrer Vierbeiner mit einer der vielen Tüten wegschaffen, die überall in Ständern bereitstehen. Im neu angelegten Blühstreifen an der Schulauer Straße pflückten die Pfleger bereits mehrere gelbe Säcke heraus, die dort achtlos im Blütenmeer abgestellt worden waren. Auch Fahrradreifenspuren zerstören den schönen Eindruck.

Der Appell des Bauhofs richtet sich an alle Wedeler. Wenn jeder etwas aufmerksamer durch die Straßen geht, haben schlussendlich alle etwas mehr Freude am öffentlichen Grün.

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