Strandbad: Entwarnung nichts wert

Kinder spielen bei Ebbe im Watt: Eine typische Szene im Wedeler Strandbad, aufgenommen im April dieses Jahres.
Kinder spielen bei Ebbe im Watt: Eine typische Szene im Wedeler Strandbad, aufgenommen im April dieses Jahres.

Gefahrenstoffe gar nicht untersucht: Grüne kritisieren Prüfmethode für Schlick und Schutt

shz.de von
15. Mai 2018, 16:00 Uhr

Kein Giftschlick im Strandbad: Mit diesem Fazit aus der vom Rat beauftragten Untersuchung von Schlick und Schutt, die durch den massiven Sandabtrag der vergangenen Monate freigelegt wurden, ist die Verwaltung in den jüngsten Umweltausschuss gegangen (wir berichteten). Grund zur Erleichterung? Mitnichten, sagen Wedels Grüne.

Als sie die Methode der Untersuchung betrachtet habe, sei ihr „der Atem gestockt“, sagte Petra Kärgel, Grünen-Spitzenkandidatin bei der Kommunalwahl, im Rat. „Die ganzen elbetypischen Problemstoffe wie DDT oder Hexachlorbenzol sind in der Methode gar nicht enthalten“, so Kärgel. „Sie ist so weit ab von der Untersuchung einer Gesundheitsgefahr für den Menschen wie sie nur sein kann.“ Für die Grünen steht fest: Der Ratsbeschluss ist nicht umgesetzt.

Formuliert ist diese Kritik als drei Punkte umfassende Anfrage zum letzten Rat vor der Wahl. Warum wurde der Elbestrand nicht umfassend und inklusive Giftstoffuntersuchung überprobt, fragen die Grünen. Und: „Warum wurden keine Proben aus der Gezeitenzone / Watt gezogen, in der bei Ebbe die Kinder sitzen und im Schlick spielen?“ Dass die Grünen auch wissen wollen, ob die Verwaltung plant, den Strandabschnitt abzutragen und zu verbauen, erschließt sich aus eben der vorgenommenen Untersuchung und der gewählten Methodik. Danach wird der Strandsand als Abfall betrachtet und die Möglichkeit seiner weiteren Verwertung oder Entsorgung geprüft. Ziel sei es jedoch gewesen, den Wirkungspfad Boden Mensch – bei direktem Kontakt – möglicher im Schlick vorhandener Schadstoffe zu untersuchen. Dieser Analyseweg werde in der Bundes-Bodenschutz- und Altlastenverordnung (BBodSchV) definiert.

Gutachten und Bewertung lägen ja noch nicht vor, versuchte Bauamtsleiterin Gisela Sinz-König im Rat noch zu beschwichtigen. Ihr sei jedoch nicht ganz klar, worauf die Kritik hinauslaufe. „Ehrlicherweise müssen wir davon ausgehen, dass man etwas findet. Was ist dann die Konsequenz? Was wäre dann weiter zu untersuchen?“, fragte Sinz-König. Kärgel: „Wir können nicht die Augen verschließen. Wenn wir etwa eine DDT-Belastung über dem Grenzwert feststellen, dann müssen wir den Strand sperren, auch wenn er eine Touristenattraktion ist. Sonst wäre das unverantwortlich.“

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