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Wedel : Stadtmuseum: Migration im Blick der Kunst

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

„Grenzenlos menschlich“: Gütersloher Künstlerin Serpil Neuhaus stellt im Stadtmuseum aus. Viele Werke ohne Namen.

Wedel | „Mir war es wichtig, das Thema Migration in Wedel zu präsentieren“, erklärt Sabine Weiss, Leiterin des Stadtmuseums. Die Eröffnung der Ausstellung „Grenzenlos menschlich – Migration im Blick der Kunst“ mit Ölbildern von Serpil Neuhaus am Sonnabend, 6. September, ist auch gleichzeitig der Auftakt der interkulturellen Wochen in Wedel. Diese finden bis 25. September in der Rolandstadt statt.

„Migration ist in unserer Stadt ein Thema mit steigender Bedeutung“, erklärt Weiss und ergänzt: „Nicht umsonst wird im Rathaus eine Willkommenskultur diskutiert.“ Bei der Suche nach thematisch passenden Künstlern sei sie durch Studienkollegen auf die Gütersloherin aufmerksam geworden. „Normalerweise haben wir zumeist lokale Künstler, aber bei diesem Themengebiet gab es nichts Entsprechendes“, so Weiss.

Neuhaus wurde 1947 im türkischen Antalya geboren und im Alter von 19 Jahren verheiratet. Ihr Mann ging 1966 als Gastarbeiter nach Deutschland während Neuhaus bei den Schwiegereltern in der Türkei blieb. Ein Jahr später kam auch sie in die Bundesrepublik und arbeitete in Detmold und Reutlingen als Näherin. 1968 kam ihre Tochter Nilüfer zur Welt. Ein Jahr später wurde die Ehe geschieden.

Nach der Ausbildung zur Krankenschwester lernte sie ihren heutigen Mann Rolf kennen. Gemeinsam bekam das Ehepaar drei Kinder: Deniz, Tolga und Selma. Letztgenannte wird ihre Mutter zur Vernissage begleitet und eine Tanzdarbietung vorführen.

1992 widmete sich Neuhaus erstmals ihrem künstlerischen Talent und nahm Zeichenunterricht. „Ich habe gelernt darüber nachzudenken, wie ich ein Bild komponiere, um den Betrachter neugierig auf meine Weltsicht zu machen“, erklärt die Künstlerin rückblickend.

Ein Jahr später begann sie eine dreisemestrige Ausbildung zur staatlich anerkannten Heilpädagogin mit dem Schwerpunkt Kunst. Sie arbeitete als Kunstlehrerin und schneidert unter anderem die Kostüme für die Deutsche Nationalmannschaft in der Rhythmischen Sportgymnastik.

Zum Jahrtausendwechsel eröffnete sie ihr eigenes Atelier in Gütersloh, in dem sie seitdem unterrichtet. Selbst bildete sie sich mit einem dreijährigen Studium „Malerei und Grafik“ an der freien Kunstakademie in Verl weiter. Im letzten Studienjahr präsentierte sie 2005 ihre Werke erstmals der Öffentlichkeit und schloss sich verschiedenen Kunstforen und Vereinen wie dem „Offenen Atelier Bielefeld“ an. 2011 wurde Neuhaus mit dem Lucas-Cranach-Preis der Stadt Kronach für ihre Arbeit „Zwischen den Kulturen“ ausgezeichnet, der mit 12 000 Euro dotiert ist.
„Eigentlich beinhaltet mein Name das Thema, mit dem ich mich primär auseinandersetze. Ein typisch türkischer Vorname verbunden mit einem typisch deutschen Nachnamen“, erklärt Neuhaus den Hintergrund ihrer Arbeiten. Namen haben nur wenige ihre Bilder. Die meisten sind bewusst namenlos.

Zwei Motive tauchen bei den oft sehr emotionalen Werken immer wieder auf: Das Aufeinandertreffen von Menschen verschiedener Herkunft und das Kopftuch. „Das türkische Kopftuch ist an sich nicht Ausdruck von etwas Gutem oder etwas Schlechtem“, erklärt Neuhaus. „Was jeder mit seiner eigenen Persönlichkeit daraus macht, ist Thema meiner Arbeit.“ Dass Leistungen deswegen oft verkannt werden, hat sie in der Vergangenheit erfahren: „Ich werde vorrangig nicht als Mensch mit meinen eigenen Fähigkeiten wahrgenommen, sondern in erster Linie als Türkin.“

Daher hat die 66-Jährige vor allem den Wunsch, dass ihre Bilder Menschen anregen, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. „Sie sollen nicht die eine oder andere Überzeugung festigen, sondern zunächst die Komplexität dieses Themas greifbar machen“, erklärt die Gütersloherin.

„Wir wollen damit auch klar zeigen, dass das Stadtmuseum nicht nur für Deutsche ist“, erklärt Weiss, die Sonnabend die Begrüßung halten wird.

Die Ausstellung „grenzenlos menschlich – Migration im Blick der Kunst“ mit Ölbildern von Serpil Neuhaus wird am 6. September um 15 Uhr im Stadtmuseum Wedel (Küsterstraße 5) eröffnet. Sie kann während der Öffnungszeiten donnerstags bis sonnabends von 14 bis 17 Uhr und am Sonntag 11 bis 17 Uhr besichtigt werden. Die Ausstellung endet am 23. November.
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erstellt am 03.Sep.2014 | 16:00 Uhr

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