zur Navigation springen

Unterstützung für Analphabeten : Stadtbücherei Wedel nimmt an landesweiter Kampagne teil

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Die Medienbox enthält deshalb Bücher in einfacher Sprache.

Wedel | 7,5 Millionen erwachsene deutschsprachige Menschen in Deutschland können einer Studie der Universität Hamburg nach nicht richtig Lesen und Schreiben. In Schleswig-Holstein sind es 250.000 Männer und Frauen. „Das sind entschieden zu viele“, betont Carsten Dürkob, Pressesprecher der Stadtsparkasse Wedel. Das Kreditinstitut unterstützt daher die Anschaffung einer so genannten Medienbox für die Stadtbücherei.

In der knallroten Kiste befinden sich Arbeitsmaterialien und Lesestoff für Menschen, die gerade dabei sind, als Erwachsene Lesen und Schreiben neu zu lernen. Kochbücher die mit Stichworten und Illustrationen arbeiten stehen ebenso zur Verfügung wie Bestseller in leichter Sprache. Arno Geigers „Der alte König in seinem Exil“ kann genau wie Shakespeares Klassiker „Romeo und Julia“ in einer einfacheren Fassung gelesen werden.

Die Medienbox ist teil einer landesweiten Alphabetisierungskampagne des Verbands der Volkshochschulen und der Büchereizentrale Schleswig-Holstein unter Schirmherrschaft von Ministerpräsident Torsten Albig (SPD). 30 Büchereien im Land erhalten die Boxen. Das Angebot soll insbesondere die Alphabetisierungskurse der örtlichen Volkshochschulen begleiten. Die Medien in der Box können ausgeliehen werden. „Was besonders gut läuft, werden wir sicher auch noch ein weiteres Mal anschaffen“, sagt Büchereileiterin Andrea Koehn.

Eine zweite Zielgruppe sind Einwanderer, die gerade Deutsch lernen. „Wer an einem Integrationkursus der VHS teilnimmt, bekommt einen Gutschein für einen kostenlosen Leseausweis“, so Koehn. Die Schwellenangst vor der Bibliothek soll überwunden werden. Koehn und Dürkob betonen, dass angesichts der hohen Zahl an funktionalen oder vollständigen Analphabeten vermutlich die meisten Menschen einen Betroffenen kennen – oft ohne es zu wissen. Dabei sei es oft die Unterstützung von Freunden und Verwandten, die dazu führe, dass Analphabeten sich entschließen, Lesen und Schreiben zu lernen.

Der Begriff Analphabetismus umfasst ein breites Spektrum an Defiziten beim Schreiben und Lesen. Primäre Analphabeten haben diese Fähigkeiten niemals erworben, sekundäre Analphabeten haben Lesen und Schreiben wieder verlernt. Semi-Analphabetismus liegt vor, wenn Menschen zwar lesen, aber nicht schreiben können. Als funktionale Analphabeten bezeichnet man Menschen, die zwar einzelne Worte lesen und schreiben können, deren Niveau aber nicht hoch genug ist, um im Alltag einen praktischen Nutzen daraus zu haben. Der Grund für die eingeschränkten Fähigkeiten können sowoh Lern- oder geistige Behinderungen als auch eine mangelhafte Ausbildung sein. Viele Betroffene entwickeln, teils aus Scham oder Angst vor gesellschaftlichen Nachteilen, Kompensationsstrategien und halten ihre Defizite erfolgreich geheim. 2003 galten weltweit 862 Millionen Menschen als Analphabeten.
Karte
zur Startseite

von
erstellt am 10.Mär.2015 | 17:15 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen