Flüchtlinge in Wedel : Stadt soll mehr Verantwortung übernehmen

Irmgard Jasker vom Arbeitskreis gegen Rechtsradikalismus: „Kein Raum dem Hass.“
Irmgard Jasker vom Arbeitskreis gegen Rechtsradikalismus: „Kein Raum dem Hass.“

Der Arbeitskreis gegen Rechts fordert Menschenrechte ein und appelliert an Solidarität der Rolandstädter.

Avatar_shz von
07. November 2013, 16:00 Uhr

Das Drama rund um die Lampedusa-Flüchtlinge prägt seit Wochen die Schlagzeilen. Ein Ende der Diskussion scheint nicht in Sicht. Der „Arbeitskreis der Stadt Wedel gegen Rechtsradikalismus und Ausländerfeindlichkeit“ (AK) hat jetzt eine Erklärung zur Flüchtlingspolitik verabschiedet und fordert „die Menschenrechte für Flüchtlinge ein und ein Ende des tödlichen Abschottungssystems der EU“. Und er nimmt auch die Stadt Wedel in die Pflicht.

Der Verein hoffe darauf, „dass auch in Wedel wie in den 1980er Jahren wieder Flüchtlinge Aufnahme finden und die Solidarität unserer Stadt zu spüren bekommen“, heißt es in der Erklärung. 1990 sei Wedel als „Weltoffene Gemeinde“ ausgezeichnet worden, „weil hier viel für Menschen aus anderen Ländern getan wurde“, sagt Irmgard Jasker, Vorsitzende des Arbeitskreises.

„Unser damaliges Flüchtlingscafé von Friedenswerkstatt und Diakonieverein war monatliche Anlaufstelle für Flüchtlinge und Asylbewerber. Wunderschöne Ausfahrten und die gelungene Integration vieler dieser Menschen ist für uns die Bestätigung dafür, dass sich eine menschenwürdige Willkommenskultur lohnt“, heißt es in einer Erklärung des Arbeitskreises.

Derzeit gibt es keine Flüchtlinge in der Rolandstadt, so Oliver Wleklinski, Leiter des Fachdienstes für Soziales in Wedel: „Wenn Flüchtlinge hier untergebracht werden sollen, erfahren wir das vom Land, aus Kiel“, erklärt er. Dann habe die Stadt 14 Tage Zeit, um eine Unterkunft zu ermöglichen.

Laut Landesamt für Ausländerangelegenheiten Schleswig-Holstein sind im Kreis Pinneberg 36 sogenannte Asylbegehrende aufgenommen worden. „Kommende Woche wird eine Flüchtlingsfamilie in Wedel aufgenommen“, sagt Wleklinski.

Für hilfsbedürftige Menschen gibt es in der Rolandstadt Notunterkünfte: „Momentan sind 117 Wohnungslose, 84 Asylbewerber und sechs Aussiedler in städtischen Notunterkünften untergebracht“, so Wleklinski. Aber ein besonderes Konzept gibt es hier: Zwischen den verschiedenen Gruppen der Bedürftigen wird nicht unterschieden. Zu Bedürftigen, die in Mietwohnungen leben, gebe es keine Zahlen.

Der Arbeitskreis ist überzeugt: „Unsere Wirtschaft braucht den Zuzug von Menschen“, sagt Jasker. Das würden auch Wirtschaftsverbände immer wieder betonen. Sie wendet sich auch an Skeptiker: Viele fürchteten, dass Flüchtlinge Armut in unser Land bringen könnten. „Natürlich sind Flüchtlinge erst einmal arm, jedoch muss auch bedacht werden, dass die überwiegende Zahl der Flüchtlinge eine Elite darstellt“, so die Pädagogin weiter.

In diesem Zusammenhanhang erinnert Jasker an den Zweiten Weltkrieg: „Auch in Deutschland mussten nach 1933 viele Menschen fliehen – darunter Albert Einstein und Thomas Mann.“

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen