Wedel : Sind die Wedelecs ein Auslaufmodell?

August 2012: Bürgermeister Niels Schmidt (Zweiter von  links) und Stadtwerke-Chef Adam Krüppel starten mit den Stadtwerke-Mitarbeiterinnen Sarah Kaminski (links) und Natali Steffen den Wedelecs-Betrieb. Aus Sicht des Steuerzahlerbunds der Beginn einer Geschichte der Verschwendung.
August 2012: Bürgermeister Niels Schmidt (Zweiter von links) und Stadtwerke-Chef Adam Krüppel starten mit den Stadtwerke-Mitarbeiterinnen Sarah Kaminski (links) und Natali Steffen den Wedelecs-Betrieb. Aus Sicht des Steuerzahlerbunds der Beginn einer Geschichte der Verschwendung.

Nach dem Vorwurf der Geldverschwendung vom Steuerzahlerbund: Kritische Stimmen aus den Reihen von SPD, Grünen und Linken.

shz.de von
09. Oktober 2014, 10:00 Uhr

Wedel | Der Elektro-Fahrrad-Verleih der Stadtwerke Wedel: Bei einer Enthaltung hat der Planungsausschuss im März 2011 grünes Licht für das Projekt gegeben. Es sollte alles andere als eine Erfolgsgeschichte werden. Verspäteter Start, verweigerte Fördergelder, vermurkste Technik bei der innovativen Automatik-Ausleihe. Es waren vor allem Pannen, die lange die Wahrnehmung des Systems prägten. Das kostet die Stadt jährlich 30.000 Euro und bescherte den Stadtwerke bislang 76.000 Euro Verlust per anno. Genau dies hat jetzt der Steuerzahlerbund angeprangert: „Verschwendung“. Grund genug zu fragen, wie die Fraktionen jetzt zu den Wedelecs stehen.

Ratsherr Johannes Schneider wiederholte auf Anfrage die Linke-Position zu dem Thema: Seine Partei hält die Kosten für nicht angemessen. „Das Geld hätte man lieber in den öffentlichen Nahverkehr stecken und eine zusätzliche Buslinie schaffen sollen.“

Auch in den Reihen der SPD finden sich viele Kritiker, wie Manfred Eichhorn, planungspolitischer Sprecher der Fraktion, erklärte. Man müsse sich ernsthaft die Frage stellen, ob der Betrieb fortgeführt werden soll, wenn weiter rote Zahlen geschrieben werden, so Eichhorns persönliche Meinung.

Ähnlich kritisch sieht Grünen-Fraktionschef Olaf Wuttke das Thema. Die Grünen hätten mehrfach moniert, dass das System offenkundig technisch nicht ausgereift sei. Auch wenn die Mängel der Automatikstation mittlerweile behoben sei, müsse man sich entscheiden, ob man das Defizit weiter vor sich hertragen möchte. Dies werde im Zuge der Haushaltsberatungen zu klären sein. „Man kann natürlich auch fragen, ob die Stadtwerke nicht einfach der falsche Partner für so ein Verleihsystem sind“, so Wuttkes persönliche Anmerkung. Dies auch mit Blick auf den damaligen Wettbewerber DB Rent, der das Stadtrad-System in Hamburg etabliert hat. Unter anderem aus Kostengründen hat sich die Politik 2011 im Planungsausschuss gegen das Modell entschieden.

CDU: Wir sehen das als Teil des Stadtmarketings

Die DB Rent hatte seinerzeit Kosten von 50.000 Euro angemeldet mit der Option, 50 Prozent der Einnahmen an Wedel fließen zu lassen. Die Stadtwerke hatten maximal 30.000 Euro Kosten für die Stadt veranschlagt.

Die CDU dagegen sieht das Thema Wedelecs nach wie vor positiv, sagte Planungsausschuss-Vorsitzender Michael Schernikau auf Anfrage dieser Zeitung. Es sei wichtig, dass Wedel weiter zu diesem zukunftsweisenden Projekt stehe. Wer Fortschritt wolle, müsse bereit sein, in Vorleistung zu treten und Geld in die Hand zu nehmen. „Wir sehen das als Teil des Stadtmarketings“, so Schernkiau. Als freiwillige Leistung komme diese allerdings wie alle anderen im Zuge der Haushaltskonsolidierung auf den Prüfstand.

Auch die WSI stelle das Projekt zurzeit nicht infrage, wie Fraktionschef Joachim Funck sagte. Nach Anfangsschwierigkeiten laufe der Verleih rund und werde gut genutzt, so sein Eindruck. Für die FDP sagte Planungsausschuss-Mitglied Rainer Karnstädt lediglich: Aktuell sei das Thema nicht auf der Agenda seiner Partei.

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