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„Festes Personal ist wichtig“ : Simone Buchholz las aus ihrem jüngsten Kriminalroman „Blaue Nacht“. Stolzenberg

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Nicht nur Kostproben - Krimiautorin Simone Buchholz plaudert während ihrer Lesung auch aus dem Nähkästchen einer Schreiberin.

shz.de von
erstellt am 10.Apr.2017 | 16:30 Uhr

Wedel | Simone Buchholz hatte eine Menge Personal im Schlepptau. Klatsche, Ali, Rocco und viele andere Kiezgrößen waren dabei. Der „Mann ohne Eier“ fiel unter all den schrägen Typen kaum auf. Die Krimiautorin hatte sichtlich Spaß daran, jeden einzelnen Steckbrief gründlich zu beschreiben. Lauter zwielichtige Gestalten aus „Blaue Nacht“, ihrem jüngsten Krimi. Im Highlight an der Bekstraße gab Buchholz daraus einige Episoden zum Besten.

Die trinkfeste Chastity „Chas“ Riley und Georg Faller von der Staatsanwaltschaft durften nicht fehlen. Sie kannten sich bestens aus im Milieu, aber sie mussten still sitzen: Er war längst pensioniert und sie hatte einmal zu oft geballert, noch dazu mit einem alten US-Army-Revolver. Das hatte ihr eine Strafversetzung eingebracht. Sie durfte nur noch Opfer betreuen, Händchen halten statt Täter jagen. „Festes Personal ist wichtig“, dozierte Buchholz. Ohne einen solchen Stamm von Charakteren sei im Krimigeschäft kein Geld zu verdienen. Wie ihr diese Typen in den Sinn gekommen seien? Auch dazu hatte die Autorin Anekdötchen parat.

Das war das Besondere an dieser Veranstaltung des Kulturforums. Die Schriftstellerin las gar nicht so viel, sie plauderte ebenso gerne aus dem Nähkästchen. Was beim Krimischreiben so alles zu bedenken sei. Wie kaputt sie sich vor allem ihre Ermittler wünscht, gründlich beziehungsgestört, mal hoffnungslos verliebt, mal zum Sterben einsam. Dann auch mit Scherbenhaufen am Arbeitsplatz und mit all dem Psycho-Kleinkram, der irgendwie unter den Teppich passt. Es war fast wie eine Lektion für Möchte-gern-Schreiber: So also wird es gemacht. Als könnte man endlich mal einer Buchschreiberin bei der Arbeit über die Schulter gucken.

Solche munter ausgeteilten Offenbarungen schufen Nähe, kamen bestens an beim Publikum. Immer wieder gab es spontanen Applaus. Warum sie schreibe, wollte jemand wissen. Entwaffnend offen die Antwort: „Was soll ich sonst machen? Ich kann nichts anderes.“

Das Schreiben geht Buchholz allerdings flott von der Hand. Ihre Texte sind auch dann amüsant, wenn sie scheinbar Tiefsinniges enthalten. Etwa wenn es um die Farbe des Himmels geht: Sie sei abhängig von den Toten, die darunter gestorben sind, erläutert eine portugiesische Großmutter ihrer Enkelin. Im konkreten Fall waren es Tintenfische, die der Opa gefangen und totgeschlagen hatte. „Ihre Bücher sind wunderbar leicht zu lesen“, schwärmte Dieter Napiwotzki. Vier oder fünf hatte er schon hinter sich. An diesem Abend erwarb er ein weiteres Buchholz-Opus. „Wem soll ich es widmen?“ fragte ihn die Autorin. „Schreiben Sie einfach irgendwas, Sie sind schließlich Schriftstellerin“, entgegnete ihr Fan. „Alles Liebe, viel Spaß beim Lesen“, dichtete sie für ihn.

Die Zahl der erbetenen Widmungen hielt sich allerdings in Grenzen. Buchhaus-Chefin Bettina Steyer saß als treue Kulturforum-Förderin am Büchertisch. Vor ihr alle bisher erschienenen Buchholz-Romane säuberlich aufgereiht. Aber der Verkauf dümpelte eher vor sich hin.

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