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„Rettender Engel ist eine gute Rolle“ : Sie ist die Vertretung im Gotteshaus

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Angela Heine vertritt Holms Pastorin Susanne Schmidtpott für drei Monate. Ihr letzter Gottesdienst im Dorf ist am 1. November.

Holm/Wedel | Angela Heine hat keine Berührungsängste. Freimütig erzählt die Interims-Pastorin, die in Holm drei Monate für Pastorin Susanne Schmidtpott einspringt, aus ihrem Leben. Das ist spannend. Nicht so sehr wegen dem, was die 60-Jährige alles erlebte. Sondern vielmehr deswegen, wie sie darüber reflektiert. Ehrlich und unverblümt schildert Heine ihre Beweggründe, offen direkt, manchmal auch amüsant schnoddrig.

Der Lebenslauf ist schnell erzählt: Heine wurde in Hannover geboren, ging in Bremen zur Schule, studierte in Hamburg, absolvierte das Vikariat in Kiel-Kronshagen und trat mit 26 Jahren als bisher Zweitjüngste des Kirchenkreises in Rahlstedt ihre erste Pastorenstelle an. „Ich bin jetzt 34 Jahre im Geschäft“, sagt Heine lakonisch. An Ruhestand und Aufhören denkt die Pastorin deswegen noch lange nicht. Ihre Aufgaben bringen ihr nach wie vor Spaß.

Was trieb sie dazu, sich der Theologie zu widmen? Sie sei vorbelastet, erzählt Heine lachend. Ihr Vater und ihr Großvater mütterlicherseits waren Pastoren einer Lutherischen Freikirche. Die habe sektenartige Züge gehabt, gibt Heine unverhohlen zu. Wichtiger allerdings sei ihr ein anderer Impuls gewesen: „Ich wollte meinen Vater kennenlernen“. Der sei ein sehr schwieriger Mensch gewesen. Er starb, als Heine zwölf Jahre alt war. Ihre sehr viel älteren Geschwister hätten sich bereits mit ihm auseinandersetzen können. Sie nicht. Das Humanistische Gymnasium habe ihr Sprachgefühl geschärft und sie denken gelehrt. Im Studium habe sie das dann anwenden können.

Und jetzt: stetig Sabbatical-Vertretung, immer nur drei Monate in einer Gemeinde? „Ich finde das klasse“ kommentiert Heine spontan. „Erstens ist rettender Engel eine sehr gute Rolle“, zählt sie auf. Zweitens sei sie nicht schlecht in dem, was sie tue, urteilt sie selbstbewusst. „Und drittens muss ich mich nicht mehr so tief einlassen. Das ist auch eine Hilfe.“

Lange Zeit als Geschäftsführerin

18 Jahre betreute Pastorin Heine die Hamburger Gemeinde Iserbrook, die 2008 mit Sülldorf fusionierte. Lange Zeit als Geschäftsführerin. Das bedeutete neben den eigentlichen Aufgaben viel Verwaltungs- und Personalaufwand sowie beispielsweise Gebäudemanagement. Und das bedeutete wieder: jede Menge Konflikte. „Es fing an, mich zu fressen“, erzählt Heine. Als Konsequenz wechselte die Rellingerin, die eher zufällig in der geografischen Mitte des Kirchenkreises eine neue Wohnung fand, ins Vertretungspfarramt.

In den Interimszeiten könne sie sich auf die kirchlichen Kernaufgaben wie Taufen, Beerdigungen, Hochzeiten und Konfirmandenunterricht konzentrieren. Es sei spannend, manchmal auch witzig in verschiedene Gemeinden kurz hineinzugucken, erzählt Heine. Wenn sich Konflikte zusammenbrauten, sei sie schon wieder weg – „das ist gut“. Ihre Erfahrungen in Holm? „Sie waren hier bisher sehr nett und haben gut zugehört“, urteilt sie. „Und verständnisvoll, wenn etwas nicht gut funktioniert hat“, fügt sie an. Schmidtpotts Schwerpunkt, die Arbeit mit kleinen Kindern, liege ihr nicht, bekennt Heine. „Minigottesdienst, da muss ich mich reinfummeln.“ Doch sie weiß sich zu helfen. Sie fragt die kleinen Besucher einfach, wie es sonst so laufe. Die sprudelten dann begeistert los. Im September geht Pastorin Heine selbst zwei Wochen in Urlaub, am 1. November hält sie ihren letzten Gottesdienst in Holm. 

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