Sie brachte das Cheerleading nach Wedel

Energiebündel und Organisationstalent: Spartenleiterin Iris Brendt ist Trainerin und steht auch noch selbst auf der Fläche.
Energiebündel und Organisationstalent: Spartenleiterin Iris Brendt ist Trainerin und steht auch noch selbst auf der Fläche.

Als Austauschschülerin in Amerika schaute Iris Brendt nur zu, war aber sofort Feuer und Flamme für den Sport / Heute zählt die Sparte gut 120 Mitglieder

shz.de von
29. Dezember 2018, 16:00 Uhr

Als noch kaum jemand über Cheerleading sprach, hat Iris Brendt den Sport bereits nach Wedel gebracht. Weil sie sich vor knapp 30 Jahren als Teenager in Amerika sofort in den Sport verliebte: in die waghalsigen Stunts und hohen Pyramiden, in die ausgelassenen Tanzchoreografien, in die mitreißende Musik, ins Anfeuern, in die Stimmung, die Cheerleading erzeugt. Eine echte Trendsetterin, die mittlerweile die reichen Früchte ihrer Leidenschaft in Form von vielen Nachwuchsgruppen ernten kann. Und die noch heute genauso für Cheerleading brennt wie am ersten Tag.

„Die Faszination war sofort da“, berichtet die 44-jährige heutige Pinnebergerin und Mutter zweier Kinder (zehn und 13 Jahre) mit dem offenen Blick und den auffallenden dunkelroten Haaren in ihrer typischen Mischung aus ansteckender Begeisterung und Konzentration aufs Wesentliche. Dass sie die Cheerleading-Sparte beim Wedeler SC Rist initiierte, aufbaute, zum Wachsen und Blühen brachte und mittlerweile seit fast 20 Jahren neben Beruf und Familie leitet, glaubt man ihr sofort. Brendt strahlt nicht nur bedingungslose Leidenschaft für ihren Sport aus, sie strotzt auch vor Engagement und hat großes Organisationstalent. Die 11.  Klasse verbrachte die Oldenburger Schülerin in Amerika, in North Carolina. Dort kam sie zum ersten Mal in Kontakt mit Cheerleading und war „vom ersten Tag an begeistert“. So ein Auslandsjahr kann Brendt allen Jugendlichen nur empfehlen. „Es war megaspannend“, sagt sie. Eine Erfahrung, die sie nicht missen möchte. Nicht alles war super, schränkt Brendt ein. Es gab Höhen und Tiefen, natürlich. Trotzdem war es schön, wichtig und außergewöhnlich. „Ich bin in dem Jahr mindestens drei Jahre erwachsener geworden“, berichtet sie und lacht.

Mitmachen durfte Brendt in Amerika nicht: Die Gruppen hatten sich schon im Sommer vor Schuljahrsbeginn gebildet, damit es sofort losgehen konnte mit den Auftritten. Aber das Zuschauen genügte der Schülerin, um Feuer zu fangen. Denn der Sport ist überaus vielfältig, erläutert sie: Mit den kleinen und großen Hebefiguren, den sogenannten Stunts und Pyramiden, enthält Cheerleading viele artistische Elemente. In den Choreographien kann man aber auch seine Lust am Tanzen ausleben und „die Stimmung in der Halle zum Kochen bringen“. Und auch das klassische Turnen gehört mittlerweile dazu. Flickflack, Bogengang und Handstandüberschlag sind Elemente aus dem Bodenturnen, die ins Cheerleading eingegangen sind. Darüber hinaus ist der amerikanische Import ein absoluter Teamsport, erklärt Brendt. „Der Flyer ist nichts ohne seine Bodencrew – und die wiederum ist nichts ohne ihren Flyer.“ Cheerleading vereint beides, Teamgeist und den Vorteil einer Individualsportart, erläutert Brendt. „Man kann jeden fördern und in Szene setzen entsprechend seiner Fähigkeiten, das ist das Besondere.“
Als sich in Oldenburg kurz nach ihrem Auslandsaufenthalt ein American-Football-Team gründete, meldete sich Brendt sofort als Cheerleaderin. Und als nach zwei, drei Jahren die Trainerin ging, übernahm sie mit einer Teamkollegin auch das Coachen. Ein Sprung ins kalte Wasser. „Aber wir haben uns freigeschwommen“. Um trotzdem auch selbst weiter aktiv mitmachen zu können, plante sich Brendt grundsätzlich an Positionen ein, in denen sie alles überblicken und dem Team während der Auftritte Kommandos geben konnte.

Beruflich begann Brendt zunächst, Physik und Chemie zu studieren, merkte aber bald, dass das Schreiben ihre eigentliche Leidenschaft ist. Mit ihrem Mann Stephan, den sie in Oldenburg beim Football kennenlernte, siedelte sie in den Hamburger Westen über. In der Hansestadt absolvierte sie ein Volontariat in einem kleinen Medienbüro. Genau das Richtige für die leidenschaftliche Redakteurin. Noch immer arbeitet Brendt in dem Job, der ihr viel Freude bereitet. Nicht nur in ihrer Freizeit, auch in ihrem Beruf hat die 44-Jährige ihre Berufung gefunden, wie sie begeistert sagt.

Um auch in Wedel sportlich wieder durchzustarten, kam ihr diesmal der Zufall zu Hilfe. Im Wedel-Schulauer Tageblatt las Brendt im Sommer 1998, dass Jens Hinze, ein junger Mann aus Wedel, ein neues Football-Team gründen wollte. „Ich baue euch die Cheerleader auf“, meldete sie sich spontan. Elf Mädchen kamen zur ersten Infoveranstaltung, erinnert sich Brendt. Das Football-Team zerfiel wenig später wieder, die Cheerleader nicht: „Die hatten alle schon Blut geleckt“, sagt Brendt lachend. Ihre sportliche Heimat wurde der SC Rist. Seit 1999 bilden sie dort eine eigene Sparte, die heute sieben Teams umfasst: die MiniStarlets (vier bis acht Jahre), die beiden Kinderteams Starlets YoungStars und Starlets Deluxe (acht bis elf Jahre), die beiden Jugendteams Skylights Unique und Skylights Sensation (zwölf bis 15 Jahre), die Satellites (15 und älter) und seit neuestem sogar ein Elternteam, die Senior Stars. „Unsere langjährige Nachwuchsarbeit trägt Früchte“, sagt Brendt nicht ohne Stolz.

Etwa 120 Mitglieder zählt die Sparte – und die räumen regelmäßig bei Meisterschaften Preise ab. „Wir setzen keine Hürden“, stellt Brendt fürs Training klar. „Jeder der Lust auf Cheerleading hat, kann anfangen.“ Das Tempo ihrer Entwicklung gestalten die Cheerleaderinnen selbst nach ihrem Engagement und ihrem individuellen Interesse: „Wir haben sowohl leistungsorientierte Teams als auch Teams, in denen eher der Spaß im Vordergrund steht.“ Brendt selbst trainiert das Kinder-Leistungsteam und das Elternteam. Und mit der Elterngruppe stand sie auch selbst im vergangenen Mai nach 16 Jahren wieder auf der Fläche, berichtet sie begeistert. „ Cheerleading ist wie ein Virus: Wenn man infiziert ist, lässt es einen nicht mehr los.“

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