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Fahrradwerft in Wedel : Selbsthilfewerkstatt und Integrationsprojekt - es wird ein neues Domizil gesucht

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Bereits mehr als 180 Räder wurden wieder flott gemacht. Ende März muss die Initiative ihre Unterkunft räumen.

shz.de von
erstellt am 02.Feb.2016 | 10:00 Uhr

Wedel | Die junge Initiative soll nicht sterben: Die Fahrradwerft in Wedel braucht dringend neue Räume. Das wurde auf dem Neujahrsempfang der ehrenamtlichen Schrauber deutlich, der am vergangenen Wochenende mehr als 20 Neugierige in die derzeitigen Arbeitsräume in der alten Bücherei an der Bahnhofstraße lockte. Projektleiter Thilo Gehrke und sein Team freuten sich über das Interesse. Und auch darüber, dass Bürgermeisterkandidatin Claudia Wittburg (parteilos) den Weg zum sozialen Projekt gefunden hatte.

„Fünf arbeitsreiche Monate, in denen wir zirka 180 Spenderräder unter Mitarbeit der Flüchtlinge ehrenamtlich repariert und kostenlos abgegeben haben, liegen hinter uns“, zog der Initiator positive Bilanz. Neben dem Lauftreff Wedel, der bei seinem Neujahrsevent für die Fahrradwerft gesammelt hatte, bedankte Gehrke sich auch bei allen anderen Wedelern herzlich, die mit Rad-, Material- oder Geldspende zu diesem Erfolg beigetragen haben.

„Einheimische und Flüchtlinge begegnen sich hier auf sozialer und technischer Ebene“, erklärte der Projektmanager das Konzept der Werft. Das bedeutet: Wedeler und Flüchtlinge reparieren nicht nur gemeinsam die gespendeten Räder. Auch bei den Adressaten für die flottgemachten Drahtesel macht das Team unter Holger Riedel, Bernd Sander und Gehrke keinen Unterschied: „Wedeler Bedürftige kommen ebenso wie Flüchtlinge kostenlos zu einem aufgearbeitetem Fahrrad.“

Diese Gleichbehandlung ist den Aktiven wichtig. Ziel ist es, allen Bedürftigen Mobilität und damit ein Stück Unabhängigkeit zu geben. Gehrke: „Fahrradfahren bedeutet Freiheit, Fahrradfahren ist Selbstbestimmung.“ Den Migranten, die noch nicht fahrradfahren können, das sind in erster Linie Migrantinnen, bringt der Wedeler zusätzlich in Kursen diese Fertigkeit bei.

Düsterer Ausblick

So positiv die bisherige Bilanz der Initiative ist, so düster ist der Ausblick in die Zukunft: Die Tage der Selbsthilfewerkstatt, die darüber hinaus ein funktionierendes Flüchtlingsintegrationsprojekt ist, scheinen gezählt, bedauerte Gehrke auf dem Neujahrsempfang. Denn der Komplex, in dem die Fahrradwerft Unterschlupf gefunden hat, ist verkauft. Ab April soll das Gebäude entkernt werden.

Die Werkstatt benötigt dringend eine neue Heimat, die nicht nur die überholungsbedürftigen Fahrradspenden, die Ersatzteile sowie das Werkzeug beherbergen können, sondern zusätzlich ein wenig Platz bieten für die Reparaturarbeiten der Schrauber, die um die Räder herumgehen können müssen. Eine Lösung der Standortfrage und somit der Fortbestand der Fahrradwerft Wedel sei bislang nicht in Sicht, bedauerte der Initiator zutiefst. Doch die Hoffnung hat Gehrke noch nicht aufgegeben. Wer den ehrenamtlichen Helfern helfen kann, nimmt Kontakt über die Homepage auf oder geht während der Öffnungszeiten in der Bahnhofstraße 27 vorbei.

Die Fahrradwerft Wedel ist noch bis Ende März in der alten Bücherei in der Bahnhofstraße 27 anzutreffen. Feste Öffnungszeiten sind dienstags von 12 bis 15 Uhr und mittwochs von 12 bis 18 Uhr. Ansonsten gilt: Wenn die Tür offen ist, kann man jederzeit eintreten.
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