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Theaterschiff : Seit 40 Jahren im Auhafen vor Anker

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Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Vom Flusskanonenboot zum Theaterschiff: Seit vier Jahrzehnten liegt die Batavia am Wedeler Brooksdamm.

shz.de von
erstellt am 23.Apr.2014 | 12:00 Uhr

Wedel | Seit 40 Jahren, seit dem 17. April 1974, liegt das Theaterschiff Batavia im Wedeler Auhafen. Das Schiff könnte auch in einer Janosch-Geschichte vor Anker liegen: Überall finden sich liebevolle Details, überall gibt es etwas zu entdecken. Seien das die roten Samtsessel aus der Hamburger Staatsoper, die im Schiffsbauch das Theater bestuhlen, oder die hölzerne Pippi Langstrumpf, die ganz oben auf dem Schiff frech ein Rad schlägt. Und auch der „Käpt’n“ Hannes Grabau (74), bei dem man sich nie ganz sicher ist ob er gerade Seemannsgarn spinnt oder nicht, passt perfekt ins Bild. Er und seine Crew feiern bald das 40-Jährige.

Doch woher stammt die Batavia und wie kam sie in den idyllischen Auhafen? Batavia, das war ehemals der niederländische Name der Hauptstadt Indonesiens, heute Jakarta. Das 29,80 Meter lange Schiff lief 1892 in der Stettiner Werft Karl Nabb vom Stapel.

Laut Grabau wurde es unter dem Namen „Vaterland“ für die kaiserliche Marine als Flusskanonenboot in Nordchina eingesetzt. 1943 lief das Schiff nach vielen turbulenten Seefahrten in den Hamburger Hafen ein. „Und wurde kurz darauf von einer Fliegerbombe getroffen“, so Grabau.

Das Schiff lag auf dem Elbgrund, bis es Anfang der 50er Jahre geborgen wurde. Ein Ruderclub mit dem passenden Namen „Phönix“ kaufte es, baute es um in ein schwimmendes Clubhaus – mit Gaststätte im Oberdeck. Die ist noch heute erhalten, Gäste der Batavia lassen sich dort ihre Bratkartoffeln und frisch gezapftes Bier schmecken.

Wenn man um den Lebenslauf von Grabau weiß, erklärt sich die Symbiose aus Theater und Schiff von allein. Der Käpt’n kommt ursprünglich aus Baddeckenstedt im Harz und lernte dort Raumausstatter. Durch einen Kumpel kam der heute 74-Jährige zur Schifffahrt. Reiste ab 1959 als 18-jähriger Schiffsjunge auf einem schwedischen Schiff um die ganze Welt.

Irgendwann trieb es ihn zurück nach Hamburg, ein Mädchen wollte ihn an Land behalten. So suchte er sich einen Job – und landete an der Staatsoper.

1972 entdeckte Grabau die Batavia im Hamburger Hafen. Mit viel Arbeit wurde die alte Lady wieder flott gemacht. Die Batavia wurde vorerst zum Hausboot. Lag im Schulauer Hafen, schipperte regelmäßig an die Elbe. Als 1972/1973 die Ölkrise kam und die Tankfüllung teurer wurde, sollte ein fester Liegeplatz her. So wurde der Wedeler Auhafen zum Heimathafen. Und die Batavia das erste und einzige Schiff darin.

Zunächst diente die Batavia als schwimmende Gaststätte. „Dabei wollte ich nie Gastwirt werden“, betont Grabau. Er suchte eine neue Funktion für das Schiff. „Ich habe überlegt: Was kann ich? Theater und Schiff, also wird die Batavia ein Theaterschiff!“, berichtet er. „Ein Theaterschiff? Sowas gibt’s doch nicht“, sei die Idee damals belächelt worden.

Das erste Theaterprogramm wurde im Dezember 1974 gedruckt. Seither bewies Grabau mit etlichen Theaterstücken, darunter viele Eigeninszenierungen, mit Jazz-, Folk-, und Rock-Bands, sowie Freilichtkino und dem Kleinkunstfestival Skeptikern das Gegenteil. Heute ist seine Batavia schon fast zu einem Wahrzeichen der Rolandstadt geworden.

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