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Wedel-Schulauer Tageblatt

11. Dezember 2017 | 05:42 Uhr

Seit 175 Jahre eine starke Gemeinschaft

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Jubiläum Seestermüher-Haseldorfer Mobilien-, Vieh- und Korngilde feiert

Not und Elend fernhalten von Familien – das ist seit 175 Jahren das Ziel der Seestermüher-Haseldorfer Mobilien-, Vieh- und Korngilde. Das Motto „Einer für alle, alle für einen“ gilt bis zum heutigen Tag, sagt Vorsitzender Uwe Plüschau (Foto). Das Jubiläum wird am Sonntag, 26. Juni, mit einem Brunch gefeiert.

Die Geschichte der Gilde ist auch ein Stück Zeitgeschichte der Familien in den Marschdörfern. Wie einen Schatz hüten Plüschau und die langjährige Geschäftsführerin Erika Wiechers (Foto) das alte Protokollbuch. Es ist im Heimatmuseum Uetersen als Leihgabe untergebracht. In gestochener Schönschrift ist darin nachzulesen, wie alles begann. „In der Amts- und Klostervogtey Uetersen gab es bis zum Jahre 1841 keine Gilde zur Versicherung von Mobilien gegen Feuergefahr. Man bediente sich zu diesem Zwecke meistentheils der Seestermüher Mobiliengilde, während man hinsichtlich der Versicherung von Korn und Vieh in die sich darauf beschränkende alte Marschgilde einzutreten pflegte“, ist darin zu lesen. Durch „Allerhöchste Verordnung vom 27ten März 1840“ wurde der Gedanke angeregt, eine umfassende Versicherung zu gründen. Am 19. Februar 1841 wählten die Gildeinteressenten ihren ersten Vorstand. Als Älterleute Diedrich Dieckmann, Neuendeich, und Franz von Drathen, Kurzenmoor. Als Geschworene Johann von Drathen, Moorrege, Otto Kahlke, Neuendeich, Harm Mohr, Groß Nordende, und Johann Thormählen, Klein Sonnendeich. Die neue Gilde vereinte drei unter einem Dach, die allerdings streng getrennt geführt wurden: Der Mobilienverein, heute als Hausrat und landwirtschaftliches Gerät bezeichnet, der Verein zur Versicherung von Vieh sowie den Dritten für Korn, Stroh und Heu. Im Schadensfall ersetzte die Gilde Dreiviertel des verbrannten Werts, ein Viertel hatte der Versicherte immer selbst zu tragen.

Gründungsmitglieder gab es 40. „Die Verträge wurden von Hof zu Hof weitergeleitet“, erläutert Plüschau. Ob es heute noch Nachfahren der Gründerväter unter den Versicherten gibt, ist nicht bekannt. „Das müsste mal ein Heimatkundler erforschen“, sagt Wiechers. Derzeit hat die Gilde 360 Mitglieder. „Es waren einmal viel, viel mehr“, so die Geschäftsführerin. 1986 gab es 1300 Verträge. Schuld an dem Rückgang ist auch das Höfesterben.

Seit 1982 können übrigens alle Bürger Mitglied werden – allerdings nur im Bereich der Hausratversicherung. Darunter fallen neben Feuer auch Einbruchdiebstahl, Beraubung, Vandalismus, Wasserschäden an Hausrat, Windschaden an Hausrat ab Stärke acht und Überspannung. „Alle Gilden sind heute ein moderner Versicherungsverein, wir erfüllen alle gesetzlichen Versicherungsbedingungen nach den EU-Richtlinien“, betont Wiechers.

Die Hilfe kam übrigens in alten Zeiten sehr schnell: Laut Satzung konnte der Abgebrannte vier Wochen nach dem Unglück seine Entschädigung in Empfang nehmen. >

www.seestermueher-haseldorfergilde.de

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