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Lesung in Wedel : Seine Kür ist der Liveauftritt

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Der Vorzeigerusse und Autor Wladimir Kaminer liest in der Stadtbücherei.

Wedel | Zum Abschluss der Festwoche zum 111. Geburtstag gönnt die Stadtbücherei Wedel sich und ihren Besuchern einen besonderen literarischen und im Entertainment einmaligen Leckerbissen: Deutschlands Lieblingsrusse Wladimir Kaminer wird am Sonntag, 18. Juni, die Einrichtung im Rosengarten rocken. Ab 19 Uhr liest der Autor der Russendisko aus zwei neuen Büchern. Es geht um seine Mutter und um sein Heimatland.

Erfolgreicher Buchautor, feinsinniger Familienvater, regelmäßiger TV-Host, internationaler DJ und Frauenschwarm, Club- und Labelbetreiber sowie Theaterdramaturg: Die Zuschreibungen für den Vorzeigerussen, der inzwischen länger in Deutschland lebt als in Russland, sind vielfältig. Was noch fehlt, ist die Auslotung seiner Rolle als Sohn. In seinem neuen Buch „Meine Mutter, ihre Katze und der Staubsauger“, füllt Kaminer diese mustergültig aus. Denn das Werk, das eine Frau im „Unruhestand in 33 Geschichten“, so der Untertitel, beschreibt, ist eine wahre Homage geworden. Freilich in Kaminerscher Manier – mit einem Augenzwinkern.


Furchtlos in Bezug auf schlechtes Essen

Sie ist absolut furchtlos in Bezug auf schlechtes Essen oder nächtelanges Busreisen, spricht angeblich fließend Englisch, hat Maschinenbau und Festigkeitslehre in der Sowjetunion gelehrt und fährt gern sowie billig in den Urlaub, erzählt der Autor. Einzig dunkle Wälder und das Erklimmen berühmter Treppen in Europa machen der Mutter Angst. Die Treppen hat sie deswegen auch nicht betreten, sondern fotografiert und samt Stufenanzahl in ein Album eingeklebt. Ihr Zuhause wiederum wird von 120 TV-Kanälen, ihrer Katze und einem sprechendem Staubsauger bestimmt. Das ist nicht seltsam, sondern urkomisch. Kaminer versteht es herauszuarbeiten, warum diese Frau es verdient hat, dass er ein Buch über sie schreibt.

Das zweite Werk, aus dem der Autor in Wedel liest, ist eine liebevoll verzweifelte Auseinandersetzung mit seiner früheren Heimat. Anlässlich des 100. Jahrestags der Oktoberrevolution blickt Kaminer in „Goodbye Moskau. Betrachtungen über Russland” auf ein Land auf der Suche nach sich selbst. Die politische Führung unter Putin beherrscht zwar die alten Techniken des Machterhalts, aber keine zur Gestaltung der Zukunft, so seine Analyse. Doch auch die wird der Autor zwar nachdenklich, aber ebenso mit einem Schmunzeln vortragen. Denn Kaminers Kür ist der Liveauftritt, seine Lesungen sind Entertainment.  

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erstellt am 26.Mai.2017 | 12:00 Uhr

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