zur Navigation springen
Wedel-Schulauer Tageblatt

29. Juni 2017 | 11:01 Uhr

Sein Lachen hilft, Eis zu brechen

vom
Aus der Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatts

Quer zum Behörden-Image Stadtentwässerungsleiter Uwe Harms zieht Bilanz

Mitten im Gespräch springt Uwe Harms auf. Die Frage, wie sich Verwaltung in den 40 Jahren verändert hat, bleibt unbeantwortet im Raum stehen. Der Werkleiter der Stadtentwässerung Wedel kramt in einem Aktenschrank. „Gleich habe ich es“, sagt er. Kurz darauf stellt er ein Stempelrondell auf den Tisch. „Das war Verwaltung früher“, sagt der 63-Jährige und zeigt dann auf seinen Computer. „Natürlich hat sich Verwaltung geändert. Vom Stempel zur IT“, sagt Harms lachend. Ein ansteckendes Lachen, das das gesamte Gespräch begleitet. Offen und von Herzen.

„Die innere Ausrichtung von Verwaltung hat sich auch geändert. Der Dienstleistungsgedanke wurde stärker manifestiert“, sagt Harms. Er kennt die Zeiten, als „das Amt“ noch abschreckte. „Viele ältere Menschen haben noch immer Respekt vor Behörden“, sagt Harms. Aus seiner Sicht manchmal zu viel. Sein Lachen hilft, das Eis zu brechen. Sein persönlicher Türöffner: Platt schnacken. „Wir sind für die Menschen da. In einer Stadt wie Wedel kann man sich nicht hinter Vorschriften verschanzen.“ Harms betont mehrfach das Wort Augenhöhe. Die ist ihm wichtig. „Ich habe das Gefühl, Menschen sind sehr dankbar, ihre Probleme vortragen zu können. Ein gutes Gespräch führt zu Problemlösungen. Wenn beide Seiten sagen können, dass sie mit dem Kompromiss leben können, ist viel erreicht“, so Harms.

Der Diplom-Ingenieur war in Uetersen tätig bevor er im September 1991 Tiefbauingenieur bei der Stadt Wedel wurde. 1997 wechselte er in die Abwasserabteilung der Stadtwerke. „Das ging drei Jahre gut“, sagt Harms mit breitem Grinsen. 2000 baute er den Eigenbetrieb Stadtentwässerung mit auf. „Da hab es den hochtrabenden Titel Werksleitung“, erläutert Harms. Natürlich lachend. „Manche dachten, ,Was ist das denn für ein blödes Zeug? Ihr habt nicht einmal ein Klärwerk’“, erinnert sich Harms an die Anfänge. Doch jeder Grundstücksbesitzer habe automatisch mit Abwasser zu tun. „Das muss geregelt werden“, sagt Harms.

17 Mitarbeiter sind in Verwaltung und Technik tätig. „Vereinfacht gesagt, holt die Verwaltung das Geld, das die Technik ausgibt.“ Nicht immer unproblematisch. „Wenn wir dem Bürger einen Kostenbescheid senden, sind wir nicht mehr der Freund der Bürger“, weiß Harms aus Erfahrung. Da sei für ihn auch der größte Wandel in der Wahrnehmung von Verwaltung zu erkennen: „Heute kommen einige hier hin und haben sich vorgenommen, ,Die mischen wir heute mal richtig auf.’“

Doch genau diese täglichen Herausforderungen machen den Job so facettenreich, ist Harms überzeugt. „Die Herausforderungen sind immer neu und wenn eine Stadt wächst, wächst die Infrastruktur immer mit“, sagt Harms.

Viele Straßenzüge hat Harms geplant. „Ich habe sie nicht gebaut, das wäre ja Quatsch und unmöglich, aber es ist schon schön zu sehen, wie man selbst das Bild der Stadt geprägt hat“, sagt Harms sehr nachdenklich. Dann flammt das spitzbübische Lachen wieder auf: „Bei einigen Straßenzügen sage ich lieber nicht, dass sie von mir kommen. Das hätte ich im Nachhinein vielleicht anders gemacht.“ „Wedel Nord“, nennt Harms als größte Herausforderung für die Zukunft. „Wir haben die Weichen gestellt und alles getan für eine offene Entwässerung“, sagt er. Er ist überzeugt: „Das ist eine vorausschauende Lösung, die nachfolgende Generationen entlastet, vor allem finanziell.“ Möglich sei das aber nur mit Mut und Überzeugung von Verwaltung und Politik gewesen. „Das ist eine Strategie, die langfristig viel Geld spart“, versichert Harms. „Ich denke, das haben wir gut gemacht. Mit dünnen Bohrern dicke Bretter gebohrt.“

Die Umsetzung wird Harms aus der Distanz verfolgen, denn am 1. April 2018 geht er in den wohlverdienten Ruhestand. „Ich habe zuhause 1000 Projekte, die ich nicht fertig bekommen habe. Da habe ich zwei, drei Jahre zu tun“, erläutert Harms die Ideen für seinen Ruhestand.

Wenn er Zeit habe, könne er sich vorstellen, drei Monate lang auf der Ostsee zu segeln. „Wasser ist mein Element“, sagt Harms, der auch stellvertretender Vorsitzender des Segelvereins VFS (Vereinigung Freier Segler) ist. „Bootfahren ist weiterhin geil“, sagt Harms. Zudem habe er im vergangenen Jahr einen Wohnwagen gekauft. Harms typisches Grinsen wird sehr breit. „Langeweile? Ich?“ Er schüttelt den Kopf. „Nee, nee. Das gibt es nicht.“

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 13.Mai.2017 | 16:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen